Mai 212008
 

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Wer schon etwas länger unter den Spielenden weilt, für den sollte die Hatz nach den Krankheitserreger wirklich ein Begriff sein. Jede Konsole bis auf den DS hat bisher eine Version spendiert bekommen, doch eine wirklich Evolution ist dem Titel verwehrt geblieben. Gleiches lässt sich für den neusten Spross auf Nintendo’s aktueller Maschine sagen, wer jemals einen Termin bei Dr. Mario hatte, weiß genau, was ihn hier erwartet.

Noch immer fallen rote, blaue und gelbe Pillen von oben in ein (Reagenz?)Glas, in welchem die schnuckeligen Übeltäter auf ihre Erlösung warten. “Es soll so wie Tetris sein” meinte ein Bekannter heute Mittag zu mir, das stimmt so nicht ganz. Es ist wohl ein Puzzlespiel, hat aber eigentlich mehr Ähnlichkeit mit Sega’s Columns als dem hauseigenen Konkurrenten. Es geht darum, den Bazillen den Garaus zu machen, jeweils vier Farben horizontal oder vertikal gestapelt erfüllen ihren tödlichen Zweck. Wurden alle Steine mit einem Gesicht beseitigt, endet die Runde. Natürlich sind aufeinanderfolgende Kombinationen für höhere Punktezahlen machbar, denn die sind der einzige messbare Faktor für den Erfolg.

Was geht ab?

Der Mangel an Spielmodi bzw. Abwechslung ist von der ersten Sekunde an spürbar. Genau drei verschiedene Optionen hat der Einzelspieler, entweder das klassische Spiel alleine oder gegen die CPU, oder den Blitz Modus in dem nur die blinkenden Erreger erledigt werden müssen. Man sucht sich zu Beginn den Schwierigkeitsgrad, die Musik und die Schnelligkeit, mit der die Pillen herunterfallen aus, dann spielt man endlos Level für Level bis das Game Over auf dem Bildschirm prangt.

Es gibt nichts freizuspielen, keine Online-Highscoreliste, nur eine stark reduzierte Statistik für den Heimgebrauch. Als Extras warten lediglich kleine Einführungsvideos darauf, den unwissenden Anfänger in die Materie einzuarbeiten. Eigentlich ist es doof, die Optionen zu erwähnen, muss ich aber, sonst wäre sogar dieses kurze Review zu schnell vorbei. Es ist nämlich möglich, seinen Mii oder Mario während des Spiels anzeigen zu lassen.

Als kleinen Bonus ist noch ein zweites “Spiel” enthalten, wie der Titel unschwer erkennen lässt. Doch bei näherem Hinsehen ist Bazillenjagd haargenau das gleiche Game, nur mit Wiimote Steuerung und noch weniger Vielfalt. Ganz ehrlich hätte ich auf diese Dreingabe auch gut verzichten können. Einmal angeschaut, werde ich es wohl nie mehr anwerfen.

Und rockt das?

So, damit hätten wir ganz trocken die Features und das Spielprinzip geklärt. Das klang bisher alles eher unbegeistert, womöglich sogar leicht negativ. Nüchtern betrachtet ist es das auch. Zum Beispiel gibt es noch nicht einmal den Vier-Spieler-Modus, den die SNES und N64 Fassung zu bieten hatten. Also ist es eigentlich sogar ein Rückschritt? Gott sei Dank nicht. Denn der tolle Online-Modus rettet dem Spiel seinen Arsch. Alleine ist es ja für ganz kurze Zeit recht lustig, doch erst gegen menschliche Zeitgenossen kann das simple Gameplay seinen vollen Reiz entfalten. Wer nur selten Freunde bei sich zu Hause begrüßen kann oder will, findet online immer einen willigen Gegner.

Unfair ist höchstens die Tatsache, dass die Japaner bereits seit einigen Monaten fleißig üben konnten. Wer gar keinen Bock auf Fremdes Gesocks hat, lädt sich einfach ein paar Freunde mit der kostenlosen Demo und den beliebten Friendcodes ein und schon kann in gemütlicher Zweisamkeit gebattlet werden. So langweilig es vielleicht alleine zugehen kann, so spannend und motivierend ist es, gegen echte Menschen anzutreten. Nach einer knappen Niederlage schwört man Rache und lässt nicht eher locker, bis der nächste Sieg eingefahren ist. Das bekannte „Ein-Spiel-Noch“-Syndrom schlägt erbarmungslos zu.

Somit bleibt festzuhalten, wer gerne simple Puzzlespiele im Geiste von Columns oder Planet Puzzle League mag und am liebsten in einem fairen Wettkampf gegen Gleichgesinnte antritt, der kann viel Spaß mit Dr. Mario & Bazillenjagd haben (ein wenig Talent ist Voraussetzung). Dank der Demo, die nur online gegen eine Vollversion gespielt werden kann, darf jeder dieses Bedürfnis erstmal in aller Ruhe kostenlos erkunden. Im direkten Vergleich zu dem identisch teuren LostWinds bekommt man so ein altbekanntes Spielprinzip aufgetischt, welches Dank des interessanten Wettkampfcharakters weit mehr Langzeitmotivation, aber Null Innovation zu bieten hat. Mir bereitet es online noch immer eine Menge Freude, aber für ein praktisch unverändertes Spiel aus dem Jahre 1990, mit lediglich einem neuen Mehrspielermodus 10€ zu verlangen, ist schon etwas dreist.

Rating: ★★★★☆

Preis: 1.000 Wii Points

Nintendo-Infoseite

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