Mrz 042010
 

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Dr. Sepulveda scheint ein Genie zu sein. Hat er doch das erste digitale Ökosystem in einem Cluster aus mehreren vernetzten Computern erschaffen. Die Einwohner, Darwinians getauft, durchlaufen von der Geburt, über die Arbeit, bis hin zum Tod ein geregeltes Leben, genau so wie die Menschen es auch tun und verfügen über eine ordentliche Portion Intelligenz. Doch schon die ersten Worte aus des Doktors Mund zu Beginn des Spiels lassen nichts Gutes erahnen. Böse Viren haben seine schöne Welt überfallen und die Bewohner an den Rand des Aussterbens gebracht. Unsere Aufgabe besteht nun darin, die Wurzel allen Übels ausfindig zu machen und den Frieden in das Biotop wieder einkehren zu lassen.

Für PC- und Mac-Besitzer ist Darwinia bereits ein alter Hut. Schon im Jahr 2005 erblickte der Titel des kleinen englischen Independent-Studios Introversion dort das Licht der Welt. Die XBLA-Portierung wurde schon ein Jahr später in Angriff genommen, doch durch unzählige Verzögerungen und Schwierigkeiten sollte es bis ins Jahr 2010 dauern, bis der erste und bisher einzige Konsolenport das Licht der Öffentlichkeit erblicken durfte. Am bezaubernden Look hat sich nichts geändert, Darwinia sieht noch genau so frisch und fantastisch Retro aus, wie am ersten Tag. Auch an den Leveln und der Story hat sich wenig bis gar nichts geändert, aber natürlich wurde die Steuerung komplett überarbeitet, damit sie mit einem Controller zu bewältigen ist.

Und das ist wirklich ziemlich gut gelungen! Ich habe mir zum Vergleich noch mal die PC-Version angeschaut und obwohl einige Kommandos besser klappen mit der Maus, fühlt man sich mit dem Joypad tatsächlich näher am Spiel und mittendrin statt nur dabei! Das sollte man aber auch erwarten können, nach dieser langen Entwicklungszeit. Die größte Neuerung ist im Bereich der “Soldaten” zu finden. Taten sie auf den Rechnern noch auf Mausklick ziemlich eigenständig ihren Dienst, darf der Spieler nun selbst Hand anlegen und in Dualstick-Shooter Manier den Viren zu Leibe rücken. Doch hier ist bereits einer der gravierendsten Kritikpunkte zu finden, denn beim Steuern der Soldateneinheiten lässt sich die Kamera nicht manuell justieren. Leider geht so in manchen Situationen ziemlich die Übersicht flöten, öfter als einem lieb ist. Insgesamt wurde das Hindernis mit der Steuerung aber sehr gut überwunden.

Denken, lenken und vielleicht… träumen?

Die Darwinians nehmen leider keine Befehle direkt vom Spieler entgegen, sie hören lediglich auf einen Offizier, den wir aus ihren Reihen rekrutieren dürfen oder können mit einem Transporter durch die großflächigen Level geschippert werden. Jede Einheit ist in Wirklichkeit ein Programm, dass der Spieler auf Knopfdruck beliebig oft starten oder beenden kann. Neben Soldaten zum kämpfen und dem Transporter, der eine Doppelfunktion als Geschützturm inne hat, existieren noch die Ingenieure. Nur mit ihnen ist es möglich, diverse Strukturen einzunehmen, außerdem sammeln sie die Seelen aller eliminierten Kreaturen.

Ja, ihr habt richtig gelesen. Jedes Lebewesen in Darwinia, egal ob gut oder böse, besitzt eine Seele. Sammelt man sie nicht schnell genug auf, steigen sie langsam gen Himmel auf. In Momenten der Ruhe ein traumhaft schönes Spektakel. Apropos Atmosphäre, diese ist, wenn man sich nicht gerade am ballern befindet, wirklich großartig. Seien es die abgefahrenen Maschinen, die sich wie Seilbahnen über Gebirge erstrecken, die eckigen Bösewichte, die so blockig aussehen wie sie gefährlich sind oder die fluoreszierenden Bäume. Gepaart mit der spärlichen, aber super schönen Musik und den knackigen Geräuschen möchte man aus diesem Retro-Traum gar nicht mehr erwachen.

Darwinia spielt sich in der hier vorliegenden Version sehr actionlastig, aber auch die Taktik kommt nicht zu kurz. Das Verschieben der Einheiten kann man schon fast mit sehr simplen RTS-Titeln vergleichen. Im Multiplayer, daher auch das “+” im Namen, der quasi ein komplett eigenständiges Spiel darstellt, wurden zwar sowohl der Look als auch viele Elemente aus dem Singleplayer übernommen, dennoch spielt sich dieser Part komplett anders. Darwinias können hier direkt markiert und per Klick befehligt werden. Außerdem sorgen etliche vom Himmel fallende Extras für ein ziemlich chaotisches und buntes Treiben auf dem Schirm. Wer an dieser Komponente seinen Spaß hat, findet in fünf Modi und auf zahllosen Karten wirklich reichlich Langzeitpotential, online für bis zu vier Spieler

Herzlich Retro

Besonders ins Auge gestochen ist mir noch die Liebe zum Detail, die man an jeder Stelle spüren kann. Ob es nun die Textboxen sind, die sanft wachsen wenn der Doktor mal ein wenig mehr plappert oder die diversen Boot-Loader, die an längst vergangen Computerzeiten erinnern (inkl. fetzigem C64-Sound und Ray-Tracing). Die Optik ist sicher ein spezieller Fall und teilt die Betrachter in zwei Lager: Die, die sie lieben und diejenigen, die absolut nichts damit anfangen können. Gleiches kann man wohl auch über das Gameplay sagen. Beide Aspekte sind so speziell, dass dem Titel (leider) ein breiter kommerzieller Erfolg versagt bleiben wird, was aber absolut nichts mit dem eigentlichen, wirklich gelungenen Spiel zu tun hat.

Schaut euch die Demo an, in der ihr beide Komponente ausführlich Probe fahren könnt. Und lest euch auch unbedingt die witzigen Versuche der Programmierer durch, mit der sie versuchen, euch vom Kauf zu überreden. Alleine die sind schon den Download wert. Achja, zum Schluss muss ich leider noch einen ganz dicken technischen Patzer ansprechen. Egal ob im Single- oder Multiplayer, ab einer gewissen Zahl Einheiten im Level geht die Technik dermaßen in die Knie, dass es nahezu unspielbar wird. Jahre der Qualitätssicherung und dann ist so etwas nicht aufgefallen? Ein doppeltes Pfui dafür!

Rating: ★★★★☆

Preis: 1.200 Microsoft Points (zum Marktplatz) Darwinia+

Unlockables: Avatar Auszeichnungen (4), Spielerbilder

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