Mrz 092010
 

toysoldiers1-tntoysoldiers2-tntoysoldiers3-tntoysoldiers4-tn

Wie jedes Jahr lässt Microsoft auch 2010 eine Aktion auf den Spieler los, dieses Mal als „House Party“ betitelt, in der nach Meinung des Plattform-Inhabers besonders denkwürdige Spiele für die Xbox Live Arcade veröffentlicht werden. Den Anfang des einmonatigen Unterfangens machen die Spielzeugsoldaten von Signal Studios. Das Game verbindet gekonnt Elemente aus den beiden Genres ‚Tower Defense‘ und ‚Action‘, gepaart mit einem fantastischen Look, der auf der Konsole seinesgleichen sucht. Wer bei den Worten „Turm“ und „Verteidigung“ bereits abschalten möchte, der sollte unbedingt weiterlesen. Mich selbst konnte dieses Genre nie wirklich begeistern, doch Toy Soldiers hat erheblich mehr zu bieten als andere Titel in diesem Bereich.

Da wäre zunächst die bereits erwähnte Aufmachung besonders hervorzuheben. Wer früher als Kind mit kleinen Plastiksoldaten gespielt hat (machen das Kinder heutzutage noch?), den werden die erfundenen und auf Nostalgie getrimmten Verpackung in den Ladepausen unweigerlich etliche Jahre zurückwerfen. Diese Optik setzt sich auch im eigentlichen Spiel fort: Das Schlachtfeld ist ein Miniaturgelände, welches auf jedem beliebigen Tisch errichtet sein könnte, alle Fahrzeuge, Infanterie-Einheiten und Soldaten sind eindeutig als Spielzeuge zu identifizieren. Die zauberhafte Präsentation zieht einen sofort in ihren Bann und trotz der Tatsache, dass es sich um kriegerische Spielsachen handelt, kann man sich ein „Och, wie süüüß!“ einfach nicht verkneifen.

Strategie…

Die Schlachtfelder wurden sehr variiert entworfen und stehen denen von „richtigen“ Kriegsspielen wie Call of Duty oder Medal of Honor in Nichts nach. Viele Elemente wie Bäume, Sandsäcke und Gebäude lassen sich zerstören und verleihen somit den Scharmützeln ein wunderbar dynamisches Gefühl. Die typischen Merkmale von Tower Defense-Spielen sind alle vorhanden: Verteidigungseinheiten lassen sich upgraden und nur an festgelegten Stellen platzieren, die Gegner kommen in Wellen auf die zu schützende Basis (Toybox genannt) zu. Je nach Schwierigkeitsgrad schwenkt die eigene Seite nach einer bestimmten Anzahl Fehltritte die weiße Flagge. Alle drei Level wartet am Ende sogar ein besonders dicker Obermotz, der ordentlich einstecken kann.

…und Aktion

Das Besondere an Toy Soldiers ist die (optionale) Interaktion mit den eigenen Truppen: Mörser-, Maschinengewehr-, Artillerie-, Flammenwerfer- und Flakgeschütze dürfen von Hand bedient werden. Das Spiel wechselt in eine besondere Ansicht, in der wir das Gerät um die eigene Achse drehen und die Entfernung der Munition justieren können. Zusätzlich zu den Einheiten die sich käuflich erwerben lassen, stehen je nach Karte diverse andere „Spielzeuge“ bereit. Etwa ein Turm mit einem Scharfschützen, der auch auf große Entfernung einzelne Infanterie punktgenau beseitigt, zwei verschiedene Panzertypen, ein Bomber und ein kleiner Doppeldecker, mit dem sich feindlichen Lufteinheiten wunderbar vom Himmel pflücken lassen.

Diese Einheiten stehen quasi unbegrenzt und kostenlos zur Verfügung, geht eine im Kampf verloren, erscheint sofort Ersatz, der nach einer kurzen Wartezeit wieder in die Schlacht geführt werden kann. Auf den ersten drei Schwierigkeitsgraden darf man eine beliebige Mischung der beiden Elemente verwenden – wer keine Lust auf Action hat, beschränkt sich auf das Taktieren und umgekehrt. Lediglich auf „Elite“ feuern die Verteidigungsanlagen nicht mehr selber und der Spieler MUSS selbst Hand anlegen.

Alleine und zusammen

Für den Einzelspieler ist eine Menge offeriert. Die zwölf Schlachten bieten durch je vier Schwierigkeitsgrade, erreichbare Ränge und globale Bestenlisten schon auf lange Sicht viel Motivation. Nachdem die erste Kampagne geschafft wurde, dürfen alle Level, teils leicht verändert, nochmals aus Sicht der anderen (deutschen) Seite angegangen werden. In jeder der somit insgesamt 24 Missionen warten zudem sekundäre Ziele auf ihre Erfüllung (je eins pro Level). Diese Aufgaben sind eine nette Ergänzung und erfordern teilweise auch einige Interaktion mit Elementen auf den Karten (Toy Commander lässt schön grüßen), denen man normalerweise kaum Beachtung schenken würde. Natürlich darf auch ein Überlebens-Modus nicht fehlen (Survival), dieser wird ebenfalls nach beenden der Kampagne freigeschaltet.

Im Mehrspieler treten immer zwei Personen gegeneinander an. Man sendet dem gegenüber in einem speziellen Menü vorher festgelegte Einheiten auf den Hals, je nachdem, wie viel Geld zur Verfügung steht. Natürlich können auch hier die aus dem Singleplayer bekannten Fahrzeuge bemannt werden, wodurch von Zeit zu Zeit Erinnerungen an das grandiose North & South wach werden. Dieser Modus darf sowohl online als auch offline im Splitscreen angegangen werden. Leider lassen sich online gegen Fremde keine Optionen festlegen und die Verbindung wird sehr häufig mitten in einer Schlacht getrennt (evtl. kommt dafür ja bald ein Patch).

Insgesamt hat mich Toy Soldiers mehr als nur positiv überrascht. Nach dem ersten Dämpfer, dass es sich doch „nur“ um ein weiteres Tower Defense handelt, zog mich die fantastische, stimmige Aufmachung sofort in ihren Bann. Die große Optionsvielfalt mit denen in die Offensive aktiv vom Spieler eingegriffen werden kann, erlaubt nicht nur allerhand unterschiedliche Strategien, sondern hält auch viele Spielertypen bei Laune. Die gesamte Atmosphäre wird durch die grandiose Musik und die tollen Soundeffekte noch intensiviert, letztere vermitteln einem das Gefühl, sich inmitten einer Schlacht zu befinden, wirklich überzeugend. Der Höhepunkt ist ohne Frage die Schlacht gegen den Zeppelin in Level sechs, die man immer wieder spielen möchte und an die man sich noch lange erinnern wird.

Rating: ★★★★½

Preis: 8,99€ (Steam)

Betriebssystem: Windows

Homepage / Forum

Preis: 800 Microsoft Points (zum Marktplatz)

Unlockables: Avatar Auszeichnungen (2), Spielerbilder

Homepage / Forum

Ähnliche Beiträge:
The War of the Worlds
Es hätte alles so schön sein können. Ein erwachsenes Thema wird in Form eines 2D-Paltformers als Hommage an die guten alten Zeiten aufbereitet. Als Vorlage dient ein Klassiker der Sciene-Fiction-Literatur, ...
Weiterlesen
Mad Riders
Das Entwicklerstudio Techland ist vor allem für Call of Juarez und Dead Island bekannt. Nun wagen sich die Jungs aus Polen auf die Arcade-Plattform von Microsoft. Mit Mad Riders wollen ...
Weiterlesen
Wer wird Millionär? Special Editions
Die große Zeit der Quizspiele scheint vorbei zu sein. Bis ins Jahr 2010 beglückte uns Sony mit unzähligen Buzz-Ablegern, You don't know Jack feierte auf den Heimcomputern große Erfolge und ...
Weiterlesen
Comic Jumper
Das Team von Twisted Pixel liefert im dritten Spiel mit Comic Jumper das bisher hochwertigste Produkt ab, zumindest was die Präsentation betrifft. Spielerisch ist es leider ein Rückschritt gegenüber dem ...
Weiterlesen
Puzzle Quest: Challenge of the Warlords
Kaum eine News der letzten zehn Jahre hat mich so sehr einem Spiel entgegenfiebern lassen, wie die Ankündigung von Puzzle Quest. Generell bin ich ein großer Freund davon, Rollenspiel-Elemente in ...
Weiterlesen
Space Invaders Infinity Gene
Wer kennt es nicht? Space Invaders. Quasi einer der Urgroßväter der Videospielegeschichte. Es war quasi der erste große Megastar, den die Branche hervorgebracht hat und stellte alles zuvor dagewesene in ...
Weiterlesen
The War of the Worlds
Mad Riders
Wer wird Millionär? Special Editions
Comic Jumper
Puzzle Quest: Challenge of the Warlords
Space Invaders Infinity Gene