Mrz 152010
 

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Seit ich das erste Video gesehen habe, bin ich Feuer und Flamme für Scrap Metal. Das Autorennen mit Waffen aus einer isometrischen Draufsicht, vom kleinen Indie-Entwickler Slick Entertainment, tritt kein einfaches Erbe an. Mit Titeln wie Rock’n Roll Racing und Death Rally ist das Genre in 2D überaus gut und prominent besetzt, doch beide genannten Titel sind schon „ein wenig“ älter. Scrap Metal versucht im Jahr 2010 ein Wiederbelebung und schon alleine dafür sollten alle Fans der kleinen Flitzer sehr dankbar sein. Die Optik präsentiert sich der Zeit entsprechend komplett in drei Dimensionen, sogar ein anaglypher 3D-Modus lässt sich zuschalten (Brille wird beim Kauf nicht mitgeliefert).

Für ein Zwei-Mann-Projekt können sich Grafik und Physik auch durchaus sehen lassen (High-End-Fanatiker finden sicherlich den ein oder anderen Grund zum mosern): Die Fahrzeuge nehmen bei Beschuss Schaden und verlieren Teile, bis sie schlußendlich explodieren. Mit vielen Objekten auf der Strecke kann interagiert werden (drüberfahren, zerschießen, verschieben), was für ein ordentliches Gefühl der Dynamik sorgt. Übrigens seit langem mal wieder ein Titel, der nicht auf der Unreal-Engine basiert…

Andere Struktur als bei den Klassikern

Nach einem kurzen Tutorial geht es auch schon ans Eingemachte. Auf insgesamt (leider nur) acht thematisch unterschiedlichen Strecken warten 61 Aufgaben auf ihre Erfüllung. Auch wenn die Ziele teils stark variieren, wird eigentlich immer sehr viel Action geboten. Neben Destruction Derbys warten auch Schutz- und Überlebensmissionen auf den Spieler, natürlich dürfen Kämpfe gegen zahlreiche Zwischen- und Endgegner auch nicht fehlen. Wer einfach nur um die Wette fahren möchte, wird vielleicht ein wenig enttäuscht sein, denn normale Rennen (ob mit oder ohne Waffen) sind eher in der Minderheit (etwa 25%). Einen richtigen Cup mit Tabelle und Platzierungen sucht man sowohl im Single- als auch im Multiplayer vergebens.

Dreh- und Angelpunkt für alle Unterfangen ist die Garage. Hier dürfen maximal vier Vehikel gleichzeitig stehen, die man sich aus dem Schrottplatz für lau besorgt. Neue Fahrzeuge (20 an der Zahl) können durch das Erfüllen bestimmter Missionen verdient werden. Neben normalen Autos wie einem Pick Up oder einem Hotrod, zählen auch Bulldozer, Monster Truck, Luftboot und sogar ein futuristisch anmutender, weil schwebender fahrbarer Untersatz zum reichhaltigen Fuhrpark. Jedes Gefährt kann zudem mit einer individuellen Bewaffnung aufwarten. Die optischen Wahlmöglichkeiten sind leider nicht sehr vielfältig, dafür aber auch kostenfrei. Wenn man die Performance verbessern möchte, kostet das Upgrade-Punkte, die sich durch Platzierungen auf dem Siegertreppchen verdienen lassen.

Da der Platz schnell eng wird, muss relativ häufig eine bereits vergebene Stelle in der Garage neu belegt werden. In so einem Fall sind sämtliche bisher erworbenen Upgrades futsch, was ich ein wenig seltsam finde. Auch wenn der eingetauschte Wagen später wieder zum Einsatz kommt, muss man wieder bei null anfangen. Genaue Planung ist also sehr wichtig, wenn man nicht unnötig viel Zeit mit dem Sammeln neuer Punkte verbringen möchte.

Der wichtigste Punkt: Die Steuerung

Durch die beiden Werte „Geschwindigkeit“ und „Grip“ lässt sich schon ungefähr erahnen, wie sich das jeweilige Fahrzeug auf der Strecke verhält. Doch die individuellen Eigenschaften wirken sich ebenfalls sehr stark auf das Steuerverhalten aus. Der schwach gepanzerte Formel-1-Flitzer liegt wie ein Brett auf der Straße, während der Monstertruck eher schwammig auf die Eingaben reagiert, dafür aber auch mehr Treffer einstecken und stärker austeilen kann. Als Faustregel gilt: Die Wägelchen lassen sich besser kontrollieren, je weiter man voranschreitet. Es wird allerdings zu jederzeit eine ordentliche Portion Feingefühl vom Spieler erwartet. Frustmomente blieben diesbezüglich (zumindest bei mir) größtenteils aus, allerdings kann es ein Weilchen dauern, bis man die Steuerung und das Gefühl für die Kurven richtig raus hat. Zur Wahl stehen die beiden Modi „absolut“ – in die Richtung in die gelenkt wird, wird auch gefahren – und „relativ“ – man lenkt immer, als würde man hinter dem Steuer sitzen.

Langzeitmotivation?

Leider ist der Einzelspieler-Modus recht zügig durchgespielt, selbst wenn man in jeder Mission nach einer Goldmedaille strebt. Im Mehrspieler darf man sich sowohl offline im Splitscreen als auch online mit bis zu vier Spielern in drei Modi messen (Derby, Race und King of the Hill). Wie lange das Spiel euch dann letztendlich ans Pad fesselt, liegt wohl ganz daran, wie sehr ihr euch alleine um die weltweite Bestenliste schert oder ihr Gleichgesinnte vor den Bildschirm karren könnt. Mir persönlich macht das Fehlen eines echten Cups vor allem im Multiplayer schwer zu schaffen, einzelne Rennen können einfach nicht die Befriedigung einer gewonnenen Serie vermitteln.

Alles in allem ist Scrap Metal beileibe kein schlechtes Spiel. Von der Präsentation bis zu den Features bekommen wir einen sehr soliden Titel geliefert, der einiges richtig macht. Wenn der Umfang etwas üppiger ausgefallen wäre oder die Entwickler sich ein paar witzige Einfälle mehr geleistet hätten, dann könnte man wohl eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen. Mit den vorhandenen Fahrzeugen wäre m.E. erheblich mehr drin gewesen, da hätte man auch gerne mal bei Micro Machines ordentlich klauen können. Im jetzigen Zustand kommen Fans sicherlich auf ihre Kosten, wer mit dem Genre bisher aber nichts anzufangen wusste, der wird auch durch Scrap Metal nicht eines Besseren belehrt. Auf eine Fortsetzung oder ordentlichen DLC würde ich mich aber sehr freuen.

Zum Schluss müssen noch ein paar Dinge angesprochen werden: Auch wenn sich durch die Perspektive nur selten Probleme ergeben (bei hohen Gebäuden z.B.), wäre es doch ganz schön, wenn man die Kamera ein wenig nachjustieren könnte. Doch leider gibt es weder zum Winkel noch zum Zoom irgendwelche Optionen. Die lineare Ausrichtung der Missionen – es muss erst eine geschafft werden, bevor die nächste zur Verfügung steht – birgt enormes Frustpotential, wenn jemand an einer bestimmten Stelle mal partout nicht weiterkommt. In diesem Zusammenhang fällt auch das Fehlen von einstellbaren Schwierigkeitsgraden negativ ins Gewicht. Absolut positiv sind natürlich die Avatar Auszeichnungen, neben einem T-Shirt kann auch ein ferngesteuerter Wagen freigeschaltet werden.

Rating: ★★★½☆

Preis: 0,79€

Kompatibilität: Universell

Homepage / App Store

Preis: 1.200 Microsoft Points (zum Marktplatz)

Unlockables: Avatar Auszeichnungen (2), Spielerbilder

Homepage / Forum

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