Mrz 182010
 

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Das 2001 exklusiv für das N64 erschienene Perfect Dark von Rare gilt in meiner Erinnerung als einer, wenn nicht sogar DER beste Egoshooter, welcher bisher plattformübergreifend veröffentlicht wurde. Durch die eingeschränkte Verbreitung der Nintendo-Konsole hat der Titel leider nie die breite Beachtung erhalten, die er verdient hätte. Doch das ändert sich nun zum Glück mit dieser Veröffentlichung. Eins kann ich nämlich schon vorweg nehmen, Perfect Dark ist zwar nicht optisch, dafür aber spielerisch hervorragend gealtert. Quasi das Starcraft der Egoshooter. Doch dazu weiter unten mehr.

Glücklicherweise musste ich feststellen, dass die Erinnerung und das tatsächliche Erlebnis auch heute noch absolut im Einklang sind, was bei vielen Dingen ja leider nicht der Fall ist. Es ist schon erstaunlich, wie ein und das selbe Spiel quasi ohne eingreifende Änderungen innerhalb von zehn Jahren zwei Mal den gleichen Effekt auf einen haben kann. Perfect Dark ist auch heute noch so gut wie am ersten Tag, da kann auch die klobige 3D-Optik nichts daran ändern.

Falls ihr bisher noch nicht in den Genuss dieses Klassikers gekommen sein solltet und über die altbackene Optik hinwegsehen könnt, dann erwartet euch eine echte Perle des Genres. Weiter unten möchte ich versuchen Neulingen die Genialität dieses Titels ein wenig näher zu bringen. Wer den Rare-Shooter dagegen bereits kennt, interessiert sich wahrscheinlich eher für die Neuerungen. Diese könnt ihr im folgenden Paragraph nachlesen.

Was ist anders?

Perfect Dark spielt in einer eigenen Liga, dass muss ich euch nicht extra erzählen, wenn ihr den Titel auf dem N64 gespielt habt. Doch die Neuauflage ist mehr als nur eine Emulation mit besserem Rendering (so wird’s gemacht, Nintendo und Virtual Console!). Optisch kann das Game natürlich nicht mit aktuellen Shootern mithalten, dennoch sorgen schärfer Texturen und vor allem in den Gesichtern überarbeitete Modelle für eine ordentliche visuelle Präsentation. Besonders interessant sind natürlich die vielen Multiplayer-Modi die dieses Mal auch online funktionieren. Allen voran Co-Operative und Counter-Operative (die Gegner werden von einem menschlichen Mitspieler gesteuert), wovon letzterer damals Maßstäbe setzte und bis heute leider immer noch ziemlich einsam auf dem Markt dasteht. Die üblichen Modi wie Deathmatch und Capture the Flag sind natürlich ebenfalls an Bord und mit bis zu acht Spielern online oder vier offline zockbar. Näher kommen Goldeneye-Jünger durch klassische Karten und Waffen nicht an das revolutionäre Spielgefühl Mitte der Neunziger, die ebenfalls von Rare integriert wurde.

Als zusätzlichen Bonus haben die Entwickler ein Award-System integriert, durch das sich allerhand Ingame-Awards verdienen, sowie einige Goodies freischalten lassen. Hierdurch wird auf die ohnehin schon monströse Langzeitmotivation nochmals einer draufgesetzt (mehr Infos dazu findet ihr hier). Last but not least muss natürlich noch die Steuerung Erwähnung finden, die damals mit einem einzigen analogen Thumbstick oder zwei (!) Controllern für einen Konsolenshooter eigentlich sehr gut von der Hand ging. Doch lasst mich euch sagen, das ist alles kein Vergleich zu dem Pad der Xbox 360! Nach ein wenig Eingewöhnung und herunterdrehen der Sensibilität schiesst man wie ein junger Gott auf Körperteile und Zielscheiben. Lediglich die Feinjustierung mit gedrückter L-Taste erfordert weiterhin einiges an Fingerspitzengefühl.

Durch die Auto Aim-Funktion wird zudem eine ordentliche Last vom Schwierigkeitsgrad genommen, aber keine Sorge: Der Schwierigkeitsgrad „Perfect Agent“ ist fordernd wie eh und je, auch mit dieser kleinen Hilfe. Vor allem, da noch immer nicht während eines Einsatzes gespeichert werden darf. Auf der einen Seite eine absolute Frechheit, besonders auf der schwersten Stufe, denn wenn man ein Level dreißig Minuten perfekt spielt und dann nur durch eine kleine Unachtsamkeit wieder von vorne beginnen muss, dann kennt der Frust keine Grenzen. Auf der anderen Seite würde durch eine Quicksave-Funktion auch irgendwo der Reiz flöten gehen. Zumindest ein Checkpoint-System wäre wohl fair gewesen.

Videospiel-Geschichte zum angreifen

Perfect Dark ist die perfekte Symbiose aus Shooter und Abenteuerspiel. Man kann jedes Level als Actionheld angehen oder versuchen komplett unentdeckt zu bleiben. Das Spiel bietet in seiner Anlage einfach die Möglichkeiten dazu, ohne das vorgeschrieben Genre zu verlassen. Das Gesamtkonzept ist so ausgeklügelt, dass sich sogar kleine Entscheidungen in einigen Missionen direkt auf das Level danach auswirken. Etwa welche Waffen oder ob ein Gleiter zur Verfügung steht, oder diverse Personen uns durch ihre Dienste behilflich sind. Perfect Dark ist bis zur Oberkannte vollgestopft mit Geheimnissen, witzigen Details und Betätigungsmöglichkeiten (Speed Runs usw.). Wäre es ein Buch, sollte es meiner Meinung nach als Pflichtlektüre an Universitäten eingeführt werden. Jeder der einen Egoshooter selbst entwickelt, muss dieses epische Machwerk als fast schon heilige Inspirationsquelle würdigen. Leider wurden viele der hier eingeführten Design-Meisterleistungen in 3D-Shootern danach sträflich und konsequent ignoriert.

Rating: ★★★★★

Preis: 800 Microsoft Points (zum Marktplatz)

Unlockables: Avatar Auszeichnungen (2), Thema, Spielerbilder

Homepage / Forum

Perfect Dark 101

Die Protagonisitin Joanna Dark ist eine Agentin, die zwar im Training Fabelwerte erzielte, bisher aber noch über keinerlei Einsatzerfahrung verfügt. Doch das wird sich natürlich schon bald ändern. Ihr stehen nicht nur massenhaft tolle Gadgets zur Verfügung, die einen gewissen Geheimagenten aus England neidisch machen würden, diese wurden auch besser ins Gameplay integriert, als das jemals in einem James Bond-Spiel der Fall war. Zu Beginn kann man sich erst einmal im Carrington Institute nach Herzenslust umsehen, das einem u.a. als interaktives Tutorial alle Waffen und Gadgets näher bringt. Das Game präsentiert sich als klassischer Shooter, die Lebensenergie kann nicht aufgefrischt werden, lediglich durch Schilde verlängert. Man kann Widersacher entwaffnen und ihr Kampfgeräte selbst benutzen, nach dem Ableben hinterlassen sie auch immer ein wenig Munition.

Tolle Missionen…

Die Story ist weder sonderlich packend erzählt noch schaffen es die Wendungen, den Spieler aus den Socken zu hauen. Dafür ist die Rahmenhandlung herrlich abstrus und genügt als roter Faden, um euch durch wunderbar abwechslungsreichen Missionen zu jagen. Das erste absolute Highlight ist nämlich das Missionsdesign. Jedes Level bietet perfekt platzierte Gegner und erlaubt einen für das Genre recht großen Handlungsspielraum. Auf den Schwierigkeitsgraden „Agent“ und „Special Agent“ macht man sich mit der Struktur und den Zielen vertraut, aber erst auf „Perfect Agent“ kommt die ganze Genialität ans Tageslicht. Alle drei Schwierigkeitsgrade erzählen zwar die gleiche Geschichte, mit steigendem Grad gesellen sich aber immer neue Ziele in den Leveln hinzu. Es gibt meist mehrere Wege das geforderte Ergebnis zu erzielen, erkunden und ausprobieren machen die Strecke dorthin zu einem echten Erlebnis.

…grandiose Gegner…

Der nächste Höhepunkt ist bei den Reaktionen der Gegner zu finden. Im Gegensatz zu den meisten anderen Egoshootern reagieren diese nämlich auch auf die Aktionen des Spielers. Sie laufen weg und rufen Hilfe herbei oder verstecken sich und halten nach einem Treffer kurz inne. Wir können ihnen ins Bein schießen, wodurch sie hinfallen oder zu humpeln anfangen. Wenn wir ihre Waffe aus der Hand schießen versuchen sie diese wieder aufzuheben, falls wir schneller sind, ergeben sie sich mit erhobenen Händen oder ziehen kurzerhand eine Pistole. Auch bei den Todesanimationen wurde auf große Abwechslung gesetzt, außerdem haben sie immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. Wenn man diese ganzen Kleinigkeiten kombiniert (um nur einige zu nennen), vermitteln die Gegner in Perfect Dark einen derart lebendigen Eindruck, wie es kaum ein anderes Spiel vermag.

…riesiger Umfang

Der dritte große Punkte ist sicherlich der enorme Umfang. In den 17 normalen Storymissionen können weitere vier „Special Assignments“ freigeschaltet werden. Durch die unterschiedlichen Ziele fühlen sich die Level in den drei Schwierigkeitsgraden fast schon wie verschiedene Spiele an. In jeder Mission lassen sich durch das Erreichen bestimmter Ziele verstecke Waffen oder Cheats freischalten, auch Geheimräume dürfen natürlich nicht fehlen. Nicht weniger als 32 Waffen im Singleplayer inkl. wilder Alientechnologien und einige mehr im Multiplayer sorgen für ordentlich Abwechslung. Apropos Multiplayer: Wer sich hier auf den Ernstfall erst einmal vorbereiten möchte, der kann dies bei 29 Herausforderungen in jeweils vier Schwierigkeitsgraden gegen Bots tun. Diese Bots haben alle bestimmte Eigenschaften und sind ein weiterer besonders witziger Schachzug. Für Gefechte gegen menschliche Spieler lassen sich unzählige Optionen einstellen.

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