Mrz 252010
 

gameroom1-tngameroom2-tngameroom3-tngameroom4-tn

Nun ist es also endlich so weit, auch die Xbox 360 und Windows PCs bekommen ihre ganz eigene Spielhalle, nach dem Vorbild von Nintendos Virtual Console. Es war wohl nur eine Frage der Zeit bis das Erfolgskonzept Nachahmer findet, welches bereits unzählige Millionen in die Kassen des japanischen Konzerns gespült hat. Big N verfügt natürlich über den großen Vorteil, dass auf über 20 Jahre erfolgreiche Videospiel-Systeme und zahllose unvergleichliche Markennamen wie Zelda, Mario und Donkey Kong zurückgegriffen werden kann. Auf diesen Lorbeeren wurde sich auch größtenteils ausgeruht und die alten Titel sind quasi ohne jeglichen Mehrwert über den Wii Shop erhältlich.

Hier liegt auch die einzige Chance von Microsoft begraben. Wenn es um das Thema Online-Funktionalität geht, liegt man mit der Xbox 360 derzeit auf dem Konsolenmarkt vor den Mitbewerbern. Auch wenn der Game Room streng genommen kein eigenes Spiel ist und somit eigentlich nicht ganz in das Konzept unserer Seite passt, wollen wir dennoch einen Blick auf das abgeliefert Produkt werfen. Lest in den folgenden Zeilen, ob der Game Room das Zeug dazu hat, die Virtual Console alt aussehen zu lassen.

Nach dem Programmstart wird man in einem umfangreichen Menü mit allerlei Optionen konfrontiert. Diese Ansicht ist der Dreh- und Angelpunkt, hier lassen sich sämtliche Funktionen aufrufen. Die 3D-Ansicht, die man immer wieder auf Bilder und in Videos zu sehen bekommt, ist nicht viel mehr als ein glorifiziertes Auswahlmenü. Die eigene Spielhalle darf optisch rausgeputzt und von Freunden besucht werden, frei umherlaufen ist dagegen nicht möglich. Es können Deko-Elemente und gekaufte Automaten an bestimmten, dafür vorgesehenen Stellen platziert werden. Das ganze System fühlt sich im Endeffekt aber doch sehr oberflächlich an. Zum Glück steckt unter der Haube einiges an Funktionalität.

Das Preismodell erklärt

Jeder Titel kann genau ein Mal für zehn Minuten uneingeschränkt zur Probe gespielt werden, danach wird man zur Kasse gebeten. Die einzige Ausnahme von dieser Regel: Hat jemand auf eurer Freundesliste einen Automaten gekauft und in seiner Spielhalle aufgestellt, dürft ihr mit der „Ingame“-Währung von fünf Tokens ein Spielchen wagen. Man startet mit 20 dieser Tokens und bekommt jedesmal einen dazu, wenn ein Kumpel die eigene Arcade besucht (pro Kopf und Tag ist das genau ein Mal möglich). Kostenloses spielen ist somit zu einem gewissen Grad durchaus drin.

Doch nun zu den Wahlmöglichkeiten die richtiges Geld kosten. Der simulierte Münzeinwurf kostet 40 Microsoft Points und ist wohl als Hommage an die damalige Zeit zu verstehen. Für lediglich das sechsfache dieses Preises, nämlich 240 MSP, kauft ihr euch bereits lebenslanges Spielrecht an einem einzelnen Automaten. Dieses gilt aber nur für die Xbox 360, wer zusätzlich überall auf seine erworbenen Titel Zugriff haben möchte (über Games for Windows Live), der zahlt einmalig 400 MSP. Selbst wer die zweite Option wählt, kann jederzeit zum nächst höheren Preismodell upgraden.

Spielmöglichkeiten zum Spaß oder mit Wettkampfcharakter

Einmal gekauft darf sich an dem erworbenen Klassikern auf zwei Arten vergangen werden: Im klassischen und im Ranglistenmodus. Fangen wir mit letzterem an. Wie bei diesen Ranglisten-Geschichten so üblich wird hier das Feld für alle geebnet. Der Münzeinwurf ist deaktiviert, es gilt mit den Startmitteln eine besonders gute Punktzahl zu ergattern, um diese dann mit Freunden oder den Weltbesten zu vergleichen. Für diese Mühen lassen sich pro Titel drei Medaillen (Bronze, Silber, Gold) in drei Kategorien (Punkteknacker, Überlebenskämpfer, Zeitverschwender) einsacken, diese sind allerdings maximal für einige Achievements interessant oder für den eigenen Statistikwahn. Von den zwanzig Weltbesten stehen Wiederholungen des kompletten Spiels, dass sie an die Spitze bugsiert hat, online bereit! Hier kann man einige Kniffe lernen oder sich einfach nur unterhalten lassen.

Der klassische Modus gestaltet sich noch ein wenig interessanter. Zum einen erscheint bei Druck auf die Starttaste eine Komponente der Original-Hardware (die Urversion des Atari 2600, das Joypad des Intellivision usw.), die sich dann bedienen lässt, um einige Optionen einzustellen. Bei bestimmten Automaten dürfen auch die DIP-Schalter nach Herzenslust verstellt werden. Aber das coolste Feature nach den unendlich Continues ist die Wiederholfunktion. Bei gedrückter LT-Taste kann so zu jederzeit, beliebig oft und beliebig lange zurückgespult werden. Das macht wirklich ausserordentlich viel Spaß, vor allem bei den hektischeren Titeln, in denen man alle Nase lang den Löffel abgibt. Highscores und auch zwei Medaillen-Kategorien können hier allerdings nicht verdient werden.

An die Medaillen gekoppelt ist auch ein Levelsystem. Nach einer bestimmten Zahl steigt man einen Rang auf und schaltet so neue Gegenstände oder Themen für die eigenen vier Wände frei. Die lustigen (aber sinnfreien) Maskottchen, die in der Gegend herumschwirren, erhält man am Erscheinungstag der Spiele kostenlos beim Kauf eines Games dazu, danach kosten sie 40 MSP pro Stück.

Gemeinsam zum größten Vergnügen

Werden für den Einzelspieler schon genug Möglichkeiten geboten, ist es besonders die soziale Komponente, die den Game Room von der Konkurrenz abheben soll. Natürlich ist es möglich, an einer Konsole zusammen (nacheinander oder gleichzeitig) die Titel anzugehen, die dies ermöglichen. Das Salz in der Suppe sind aber wohl die Herausforderungen. Bis zu acht Spieler messen sich in einem konfigurierbaren Wettkampf, um den Besten zu ermitteln. Als einziges Manko muss natürlich jeder der Teilnehmer auch diesen Titel erworben haben, der einmalige Münzeinwurf ist hier nicht möglich. Wer in der Freundesliste aktuell den Highscore an einem Automaten hält, wird beim Rundgang durch die Spielhalle optisch darauf aufmerksam gemacht: Ein grünes „Fähnchen“ bedeutet, einem selbst gebührt die Ehre, bei rot ist es jemand anderes.

Unter dem Menüpunkt „Nachrichten“ erscheinen zudem noch alle wichtigen Meldungen wie Spielhallenbesucher, neue Highscores und welche Achievements die Kumpels freigeschaltet haben. Zusammen mit den weiter oben bereits erwähnten Funktionen ergibt sich so ein recht ordentliches Bild. Leider ist die Auswahl der Freundeliste etwas dämlich geraten, es können auch keine Räume von Fremden besucht werden, was vielleicht zu neuen Freundschaften geführt hätte und man sieht auch nirgends eine Übersicht, wer welche Spiele gekauft hat.

Noch viel Raum für Verbesserungen (Fazit)

Alles in allem kann der gesamte Ansatz als wirklich gelungen bezeichnet werden. Im Vergleich zu MAME oder kostenlosen Java-Angeboten im Netz bekommt man schon einen Mehrwert geboten, das Ganze ist zudem 100% legal und viele Retro-Bedürfnisse können zentral gedeckt und mit Freunden geteilt werden. So weit, so gut. Doch in einigen Punkten fragt man sich echt, was bzw. ob sich die Verantwortlichen dabei überhaupt etwas gedacht haben. Der größte Kritikpunkt ist sicherlich, dass man scheinbar nicht direkt zusammen online spielen kann, nur über den Umweg mit den Herausforderungen. Wenn später Titel erscheinen sollten, die über einen Vier-Spieler-Modus verfügen, wäre dieser Mangel zum einen furchtbar ärgerlich und zum anderen eine verschenkte Riesenchance der Virtual Console zu zeigen, was eine Harke ist.

Ein weiterer unsäglicher Monsterfleck auf der Weste ist die Art und Weise, wie die Inhalte unter das Volk gebracht werden. Es ist schlicht und ergreifend nicht möglich, sich Titel einzeln zu kaufen. Stattdessen muss man sich komplette „Packs“ herunterladen, die Sammlungen von Spielen enthalten. Selbst wenn ich hier von nur ein einziges Spiel kaufe, bleiben alle anderen als überschüssiger Ballast ewig auf der Festplatte und erscheinen in sämtlichen Menüs. Ob man dadurch die Leute dazu bringen möchte, mehr zu kaufen? Zudem gab es zum Start und gibt es teilweise immer noch Probleme mit dem Server, zu dem sich der Client beim Start verbindet. Entweder man kommt gar nicht rein oder kann nichts kaufen. Herausforderungen dürfen ohne Server zwar geschickt und gespielt werden, am Ende erscheint aber eine tolle Meldung, dass die ganze Anstrengung komplett für die Katz war.

Das waren aber auch schon die größten Kritikpunkte, alles andere fällt in die Rubrik „Wäre schön gewesen“. Zum Beispiel sieht man nicht in Echtzeit, wer gerade in der eigenen Spielhalle umherstreift und kann den Besuchern auch nicht beim spielen über die Schulter schauen. Ob einem der Game Room zusagt, hängt zum einen von der Spielauswahl ab (pro Woche sollen sieben neue Titel erscheinen), zum anderen wohl auch davon, ob man überhaupt genug Leute findet, mit denen man um die höchsten Punktzahlen streiten kann bzw. ob einen das überhaupt juckt. Glücklicherweise ist der Eintritt ja kostenlos und jeder kann diese Frage nach einer Probefahrt selbst für sich beantworten.

Rating: ★★★★☆

Preis: 40, 240 oder 400 MSP (zum Marktplatz)

Betriebssystem: Windows

Entwickler-Homepage / Forum

Preis: 40, 240 oder 400 MSP (zum Marktplatz)

Unlockables: keine

Entwickler-Homepage / Forum

Ähnliche Beiträge:
CarneyVale Showtime
Der CarneyVale-Zirkus ist ein magischer Ort. Hier finden das ganze Jahr über die halsbrecherichsten akrobatischen Vorführungen statt und aus aller Welt strömen die Leute herbei, um sich die Shows anzusehen. ...
Weiterlesen
CarneyVale Showtime

  • Was mich am meisten stört ist das man einen Automaten für Herausforderungen oder die Medaillen kaufen muss.
    Für was gibt es die Münzen und die Einmalkäufe?

    Frage: Wie bekommt man ein Maskottchen und kann dieses "aktivieren"?

    • Tja, so soll man halt zu einem Kauf "überredet" werden. 😉

      Maskottchen bekommst du am Erscheinungstag beim Kauf eines Automaten kostenlos dazu, danach kostet eins 40MSP. Wenn du eins erhalten hast, erscheint automatisch ein Bildschirm wo du die aktivieren kannst.