Apr 012010
 

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Die Zeit als vierte Dimension hat schon etwas länger einen festen Patz in Videospielen, doch erst mit dem Indie-Darling Braid konnte das Konzept den Durchbruch feiern. Kein anderer Titel zuvor hat Games im Generellen und Puzzle-Platformer im Speziellen derart genial mit einer zeitlichen Komponente versehen. The Misadventures of P.B. Winterbottom, im Folgenden nur noch Winterbottom genannt, muss trotz des prominenten Publishers 2K ebenfalls als Indie-Titel betrachtet werden und hat mit Braid lediglich das Genre und einige grundlegende Ideen gemeinsam.

Beim Start des Spiels fällt nicht nur die überaus stylishe 2D-Optik in schwarz-weiß auf, sondern auch die tolle Musik. Beides zusammen vermittelt mühelos den Charme alter Stummfilme, ohne langweilig oder aufgesetzt zu wirken, findet aber wohl bei einem Großteil der heutigen Jugend keinen Anklang (was ich eigentlich sehr schade finden würde). Die Story ist so wirr wie die Einführung durchgedreht daherkommt und muss für das Verständnis keine Erwähnung finden. Die zwischen den Leveln auftauchenden gereimten Sprüche erzählen zwar etwas, sie dienen aber im Großen und Ganzen nur als Hinweise und zum Amüsement.

Protagonist P.B. Winterbottom ist ein kauziger kleiner Kerl mit länglichem Kopf, dünnem schmalen Hut und bewaffnet mit einem Regenschirm. Jede Faser seines Körper ist für die Lösung der Rätsel die ihm in den Weg gelegt werden von Bedeutung. Als primäres Gamplay-Element dürfen in denen als Szenen aufgeteilte Level eine festgelegte Anzahl Klone seiner selbst erstellt werden. Mit einem Druck auf die RT-Taste zeichnet man einen Bewegungsablauf auf, welcher danach so lange wiederholt wird, bis wir den Klon mit einem Schlag rüde von seinem ihm vorgezeichneten Weg abbringen. Der so misshandelte Doppelgänger löst sich nach einer bestimmten Zeitspanne, die von Missachtung geprägt sein muss, so schnell wieder auf, wie wir ihn beschworen haben. In der Zeit seiner Existenz ist dieser Klon jedoch eine vollwertige Kopie, mit der uneingeschränkt interagiert werden kann.

Kuchen als oberste Direktive

So ist es möglich ihn als Leiter zu benutzen, ihn durch die Lüfte zu schleudern bis ihm (oder uns) schwindelig wird. Umgekehrt kann er natürlich dem Original ebenfalls Schläge verpassen und es so zu anders unzugänglichen Bereichen befördern. Doch wozu die ganze Aufregung? Nun, P.B. ist nur so lange glücklich, wie er einen Kuchen zum verspeisen in Händen hält. Er macht vor nichts und niemandem Halt, bis er nicht auch die letzte der süßen Leckereien aufgesammelt hat. Doch ganz so einfach machen es uns die Entwickler The Odd Gentleman freilich nicht, einfaches drüberlaufen zum einsammeln funktioniert nur ganz zu Anfang. Im fortschreitenden Verlauf des Spiels müssen immer neue Regeln befolgt werden, um dieses Ziel zu erreichen.

Etwa fünfzig Level warten im Storymodus auf ihre Erfüllung, die wiederum in fünf Akte unterteilt wurden. Mit jedem geschafften Akt schaltet man fünf Herausforderungen frei. Hier gelten leicht abgewandelte Richtlinien: Es gilt zum einen alle Kuchen in einem vorgegebenen Zeitlimit einzusammeln und zum anderen nur eine bestimmte Anzahl Klone einzusetzen. Da die Story recht schnell durchgespielt ist, sind diese 25 Herausforderungen auch die einzige Quelle für Langzeitmotivation. Die Jagd nach immer schnelleren Zeiten wird auf einer globalen Bestenliste festgehalten.

Frust und Vergnügen liegen eng beieinander

Während die Level der Geschichte recht linear verlaufen und meist wenig Spielraum beim Ertüfteln lassen, steht bei der Hatz nach guten Platzierungen die Kreativität im Vordergrund. Die wenigen spielerischen Elemente erlauben erstaunlich viele unterschiedliche Wege ans Ziel zu gelangen. Doch diese Kreativität ist gleichzeitig das stärkste und das schwächste Feature von Winterbottom. Viele Spieler sind überfordert mit den Möglichkeiten und schaffen schon das normale Zeitlimit kaum, wodurch sich schnell Frust einstellen kann. Wer sich aber stärker mit der Materie befasst, entdeckt immer wieder neue Ansätze durch die sich ein paar Sekunden gut machen lassen. Das empfundene Vergnügen ist also ganz stark an die eigene Möglichkeit geknüpft, wie sehr man um die Ecke denken kann.

Wenn eine mühsam aufgebaute Klon-Stafette nach aberwitzigen Umwegen zum Ziel führt, ist die Befriedigung groß und man möchte lauthals zu lachen anfangen. Doch gemütliche Puzzlenaturen müssen sich darüber im Klaren sein, dass auch viel Geschicklichkeit für einige der komplizierteren Manöver zwingend erforderlich ist. Durch den sehr linearen Aufbau (das nächste Level wird erst freigeschaltet, wenn das vorherige geschafft wurde) ergibt sich natürlich auch das Problem, dass die Lust am Spiel nach etlichen Fehlversuchen entweder komplett flöten geht oder man sich eben den Spaß dadurch kaputt macht, dass man die Lösung im Internet in Erfahrung bringt.

Insgesamt ist The Misadventures of P.B. Winterbottom ein sehr gelungener Titel geworden, der durch tolle Spielmechanik und viel Charme begeistern kann. Leider ist der Umfang ein wenig dünn ausgefallen und einige, doch sehr frustige Level, drücken schon stark auf die Motivationskurve beim Gelegenheitsspieler. Dennoch sollte sich jeder, der mit Braid, Platformern und Zeitmanipulation etwas anfangen kann, zumindest einmal die Demo zu Gemüte führen. So kurz die Spielzeit insgesamt auch sein mag, kaum eine Sekunde davon bereut man am Ende des Tages.

Rating: ★★★★☆

Preis: 3,99€ (Steam)

Betriebssystem: Windows

Homepage / Forum (Steam)

Preis: 800 Microsoft Points (zum Marktplatz)

Unlockables: Spielerbilder

Homepage / Forum

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