Mai 272010
 

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Ich halte Jogging für sinnlos. Einfach stur ohne besonderen Grund durch die Gegend zu rennen erscheint mir jedenfalls blöd. Trotzdem mache ich es. Um Argumente für das Weiterrennen zu finden, stelle ich mir dann vor, ich werde von einem gazellenschnellen Wesen verfolgt. Oder, was noch besser ist, ich platziere mir einfach einen Ball jeglicher Größenordnung (Tennisball, Fußball) vor die Nase und renne diesem hinterher. Schon wird aus der lachhaften Sinnfreiheit (die mich depressiv macht) eine tiefernste Angelegenheit. Das Stadion tobt, die virtuose, mit Kabinettstückchen versehene Ballbehandlung wird vom mich frenetisch feiernden Publikum honoriert.

Warum ich das vorausschicke? Weil sobald ein Ball vorkommt, meine Synapsen anscheinend schneller schalten. Deswegen ist das von Jörg mir übermittelte SFG Soccer auch ein Glücksfall für mich. Fußball. Egal wie. Und dieses Spiel macht viele viele Dinge richtig richtig. Warum?

Als Fußball einfach und verständlich war

Es ist simpel. Eine Partie kann schon innerhalb von zwei Minuten abgehandelt werden, ohne dass man das Gefühl bekommt, es entstünde kein richtiges, zwischen zwei Mannschaften sich entwickelndes Spiel. Es verlangt keine zirkusreifen Steuerungsakrobatiken. Bei heutigen Fußball-Spielen müssen Neulinge ganze Betriebshandbücher lesen, um die ganzen Handhabungsfeinheiten zu erlernen (okay mittlerweile gibt es da auch zeittypische Vereinfachungen). Vier Tasten, vier Aktionen. Pass, Schuss, Flanke und eine Taste für den Bicycle Kick (Fallrückzieher), der sich aber auch mit der Schuss-Taste bewerkstelligen lässt und mir deswegen sinnlos erscheint (nein ich werde jetzt nicht depressiv, vielleicht habe ich auch irgend etwas nicht mitbekommen).

Und aus diesen simplen Grundkomponenten entsteht ein rustikales, mit wenig Hürden verstelltes, reinrassiges Arcade-Fußball-Spiel. Trotz dieser bewusst einfach gehaltenen Anspruchslosigkeit entstehen auf dem grünen Rasen manchmal erstaunlich filigrane Spielzüge, über die man selbst überrascht ist. Wir können in SFG Soccer nicht dribbeln, keine Doppelpässe vollführen. Fußball wird hier auf eine Grundformel gepresst, die aber erstaunlich gut funktioniert. Es ist ein herrliches Gefühl, eine beherzte Flanke zu schlagen, während diese mittels eines feinen Timings wuchtig mit einem Fallrückzieher in das sich aufwölbende Netz gewuchtet wird. Dann kommt richtiges Arcade-Feeling auf. Ich bin ein leidenschaftlicher Fan von Spielen wie Super Soccer (SNES) oder International Superstar Soccer (SNES, N64). Also bin ich die genau richtige Zielgruppe.

Fußball als motivierendes Rollenspiel

Auf härteren Schwierigkeitsgraden müsst ihr aufgrund des hartnäckigen Pressings des Gegners mit eleganten, freie Räume ausmachenden Passkombinationen den Abwehrriegel knacken. Und jetzt möchte ich auch gleich auf den größten Pluspunkt dieses Spiels eingehen: den Karriere-Modus. Es gibt wohl nichts Motivierendes in einem Sport-Spiel als einen solchen Spielmodus. Jener verspricht Langzeitmotivation und inhaltliche Substanz. Auch hier. Er wird sogar mit RPG-Anleihen spürbar angereichert, weil nach jedem Spiel gemäß eurer dargebotenen Leistung Erfahrungspunkte vergeben werden, welche ihr auf jeden eurer Spieler verteilen könnt. So lassen sich Schussstärke, Tackling, Schussgenauigkeit oder die Lufthoheit individuell verbessern. Ich habe beispielsweise meinen zentralen, offensiven Spieler erst mit einer kometenhaften Schusskraft ausgestattet, um diesen, aus dem tiefen Raum auftauchend, schussgewaltig abschließen zu lassen. So schält sich ein individueller Spielstil heraus.

Es dauert zwar seine Zeit, bis ihr aus euren Amateurteam Ballvirtuosen gemacht habt, dafür müsst ihr aber auch mehrere Ligen bis zur absoluten Spitzenklasse durchstürmen. Das dauert seine Zeit und gibt dem Spiel einen auf Langzeit justierten Spielspaß. Das macht die Motivation aus. Die einzelnen Ligen wie ein Bergsteiger hochklettern, die anfangs minderbemittelten Spieler verbessern und sich am Ende feiern lassen. Ihr könnt auch, um den persönlichen Bezug herzustellen, ein individuelles Team erschaffen, das sich überraschend umfangreich generieren lässt. Sogar das Aussehen einzelner Spieler lässt sich haarklein verändern (Haarpracht, Hautfarbe…)! Großartig! Achja, positiv zu erwähnen sind auch die detaillierten Statistiken, die eure ganze Karriere in Zahlen und Daten fassen.

Machen wir es kurz: SFG Soccer gefällt mir richtig gut und entgegen meiner Gewohnheit werde ich dieses Spiel auch nach dem Review hier weiter spielen. Ich möchte meine Spieler auf ein absolutes Spitzenniveau hieven, und mit zahlreichen Fallrückziehern das Tornetz zum Bersten bringen. Natürlich gibt es auch einige Kritikpunkte: Das Grätschen als einzig richtige Tackling-Möglichkeit funktioniert behäbig, die Aufputschmittel mit Schlaftabletten verwechselnde Fan-Kulisse ist ausbaufähig und die taktischen Variationsbreite ist begrenzt. Aber wir haben es mit einem Indie-Spiel zu tun, das erstaunlich viel richtig macht. Ja selbst die Feiermöglichkeiten nach jedem Tor lassen sich individuell gestalten. Schöner Fußball!

Rating: ★★★★½

Preis: €5,94 (Kaufen)

Betriebssystem: Windows

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