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Heutige Strategiespiele sind oft heillos überladen – mit üppig Funktionen, Typen von Gebäuden und Einheiten. Im Indie-Bereich übergibt man sich den Umständen bedingt oft dem Minimalismus, der in vielen Fällen gut funktioniert und Inhalte gerade wegen eines beim Spieler vorausgesetzten Abstraktionsvermögens wunderbar transportiert. Für die Darstellung eines Krieges bedarf es eigentlich ziemlich wenig. Schon wenige visuelle Indikatoren geben uns eine Vorstellung von konfliktgeladenen Auseinandersetzungen zwischen kriegswilligen Hegemonialmächten.

Hexfelder regieren die Welt

In unserem getesteten Indie-Spiel besteht das Schlachtfeld aus hexagonalen Feldern, auf denen ihr euch ausgehend von eurer spartanischen Basis ausbreiten könnt. Um euer imperialistisches Herrschaftsstreben zu befriedigen, vergrößert ihr euren Machteinfluss mit röhrenartigen Leitungen, die bestenfalls bei maximaler Ausbreitung das ganze Feld netzartig durchziehen und Kontakt mit Zwischenbasen herstellen, welche über den Level verteilt sind und bei Eroberung eurem Konto Ressourcen zuspielen, die sich in weitere Einheiten investieren lassen. Doch natürlich haben die Feinde gegen eure Expansionspolitik etwas einzuwenden. Zur Verteidigung und zum Ausbau eurer Basen könnt ihr auf einen aus wenigen Einheiten bestehenden Grundstock an Waffensystemen zurückgreifen. Für Offensivaktionen, sprich die Zerstörung von feindlich gesinnten Stationen, eignen sich besondere Kanonen, für defensiv ausgerichtete Verteidigungsanlagen stehen dafür vorgesehene MG-Geschütztürme zur Verfügung.

Dies sind eigentlich die zwei primären Angriffs- und Schutzwaffen, mit deren Hilfe sich ein Sieg gegen eine bissige KI erfechten lässt. Doch das Spiel gibt euch noch etwas mehr waffenfähiges Spielzeug an die Hand: Artilleriegeschütze bombardieren die Antagonisten auf Wunsch ziel- und punktgenau. Und manchmal, um das Gefecht unberechenbarer zu gestalten, tauchen bestimmte Boni auf der Karte auf, die beim Einsammeln bestimmte schlagkräftige und explosive Sonderangriffe zum einmaligen Einsatz frei schalten (von einfachen Luftangriffen, die vergleichsweise weniger Schaden verursachen, bis zu atomaren Anschlägen, welche die Karte schon mal verwüsten können). Das gibt dem Geschehen eine noch wetterwendischere Note. Man kann sich mit der Hilfe solcher elaborierter Waffensysteme aus dem Schlamassel ziehen, oder vom Gegner ordentlich eins auf die Mütze bekommen. Ihr könnt die verschiedenen Geschütze aber nur auf diesen Macht erweiternden Pipelines installieren, so dass planloses hexagonales Bebauen weniger angebracht ist.

Chaos ist nicht nur nicht gesehene Ordnung

Es ist erstaunlich, wie wenig es bedarf, um ein Strategie-Titel zu erschaffen. Es kommt auf das Design, auf das Regelwerk an und das ist hier bestens, intelligent ausgefeilt. Das Spiel verfügt über eine handvoll Einheiten, über einen rudimentären Basenbau und über leidenschaftslose Hexfelder, die den einen oder anderen ernüchtern dürften, weil sie vielleicht von Vorurteilen geleitet denken, mit solch einer Optik lassen sich keine spannenden Schlachten erzeugen. Falsch gedacht. Es funktioniert wunderbarerweise sehr gut. Das Game entwickelt eine rasante Dynamik und wer da nicht mitkommt, wird von der KI eiskalt abserviert. Es geht relativ schnell zur Sache und schnelles Denken ist hier Pflicht. Das ist auch für mich als „Langsamdenker“ ein Kritikpunkt. In der Kampagne wird es nach drei, vier erfolgreichen Schlachten ernst. Wenn sich vier Gegner gegenseitig auf einer hexagonalen Karte beharken, triumphiert oft die heillose Unübersichtlichkeit. Die KI zieht gleich einer hyperaktiven Spinne ihre Netze über die Karte, verteilt ihre Waffensysteme und bald fliegt ein Schwarm von Kugeln und MG-Projektilen über die Landschaft, die unsere Stützpunkte ernsthaft unter Beschuss nehmen. Es ist schwer dann noch den Überblick zu bewahren, und strategisch die Lage zu überdenken.

Strategie Pur

Aber trotz allem, oder gerade deswegen, ist das Spiel ein empfehlenswerter, ernstzunehmender Strategie-Titel, der euch mit vielen Modi auch längerfristig unterhalten könnte. In der Kampagne könnt ihr schrittweise die Weltherrschaft an euch reißen und im Skirmish-Modus bleiben euch die Modalitäten des Matches selbst überlassen – ein integrierter Editor sorgt ebenfalls für Langzeitmotivation. Und natürlich offeriert das Spiel auch einen Mehrspieler-Modus mit bis zu vier Spielern (an einer Konsole oder online). Als gelungene Abwechslung rettete sich ein Geometry Wars-Klon in das Programm, das für einige Minuten höllisch viel Spaß bereitet, einfach weil man sich relativ schnell in der wenig frequentierten Highscore-Liste verewigen kann. Für das wenige Geld bekommt ihr also viel geboten.

Um es nicht länger als nötig werden zu lassen: Das Game verirrt sich nicht in einer unübersichtlichen Anzahl an Einheiten und Baumöglichkeiten, sondern lässt die Quintessenz eines Strategiespiels aufleben. Trotzdem ist das Spiel alles andere als simpel oder schlicht. Alle militärischen Feldherren, die Strategie noch in destillierter, unbehandelter Form genießen, sollten mindestens die Demo ausprobieren und sich davon überzeugen lassen, dass es nicht viel braucht, um nervenzerfetzende Schlachten auf den Bildschirm zu zaubern. Mehr davon!

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