Jul 112010
 

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Eine Umsetzung des Uralt-Brettspiels Risiko für eine aktuelle Konsole? Wie langweilig…“ mag sich der ein oder andere jetzt vielleicht denken. Doch weit gefehlt! Die Entwickler Stainless Games (u.a. Magic the Gathering: Duels of the Plainswalkers) aus England haben hier eine überaus durchgestylte Spaßbombe abgeliefert. Es soll ja tatsächlich Leute geben, denen sogar die Regeln von Risiko zu kompliziert sind, doch auch solche Menschen werden nach dem Tutorial von R:F den Durchblick haben.

Was zuerst ins Auge sticht sind natürlich die bunte Comic-Optik und die fünf unterschiedlichen Fraktionen – Menschen, Katzen, Roboter, Zombies und Yetis. Entgegen dem Beschreibungstext weisen diese allerdings keine unterschiedlichen Fähigkeiten auf. Sie dienen lediglich dazu, die Kämpfe optisch und humoristisch aufzupeppen. Die kurze Einzelspieler-Kampagne (fünf Karten) stellt uns diese Fraktionen eine nach der anderen mit einem witzig gemachten Video vor, in den darauf folgenden Mehrspieler-Schlachten muss auf so etwas wie eine Story komplett verzichtet werden. Hier dienen Yetis, Zombies und Co. nur noch zur farblichen Differenzierung. Doch das soll den visuellen Eindruck überhaupt nicht schmälern. In der detaillierten Kampfansicht stehen sich die Fraktionen mit liebevoll gezeichneten Einheiten gegenüber und sogar die Würfel wurden thematisch angepasst (bei den Katzen z.B. mit Fell).

Eine kurze Geschichte des Krieges

Das dem Brettspiel zugrunde liegende Konzept ist eigentlich denkbar einfach. Es gilt Länder und Kontinente zu erobern, um Einheiten-Boni zu erhalten und festgelegte Ziele zu erreichen (z.B. „Erobere Asien, Australien und einen dritten Kontinenten deiner Wahl“). Die Schlachten werden durch normale sechsseitige Würfel entschieden und basieren somit komplett auf Glück. Dennoch geht nur derjenige als Sieger hervor, der eine taktisch kluge Vorgehensweise an den Tag legt. Die bei uns bekannte Variante aus den Siebzigern (das Original erschien übrigens 1957!) ist als separater Modus komplett in die Neuauflage integriert.

2008 veröffentlichte der derzeitige Rechteinhaber Hasbro eine völlig neue Version, mit einschneidenden Regeländerungen. Auf dieser basiert auch der größte Teil von Risiko: Fraktionen. Diese Änderungen wurden sehr unterschiedlich von den Fans des Originals aufgenommen, mir persönlich macht die neue Version erheblich mehr Spaß. Neben den aus dem Brettspiel stammenden (Haupt)Städten, Missionen und Boni, verfügt das digitale Ebenbild über eine Reihe Eigengewächse. Da wäre zum einen der „Overkill“: Werden zwei oder drei Sechsen gewürfelt, verliert der Gegner mehrere Einheiten (oder gleich alle) auf einen Schlag.

Zu viel des Guten?

Als größte Änderung muss man aber die dynamischen Spielbretter erwähnen. Wenn ein Spieler eine Reihe bestimmter Länder zu Beginn seines Zuges okkupiert, kann er auf diverse Spezialfähigkeiten zurückgreifen oder Rohstoffe für Missionsziele abbauen. Die Grüfte erlauben es z.B. ein Land bis zum nächsten Zug einzufrieren, mit dem Tempel ist es möglich, ein feindliches Land inkl. aller darin befindlichen Armeen zu konvertieren und der Damm überflutet eine bestimmte Region, in der alle Einheiten bis auf eine pro Land weggeschwemmt werden. Einzig der Vulkan birgt keinen Vorteil für die Spieler, sondern zwingt zum vorsichtigen taktieren.

Leider lassen sich diese Features nicht an- und abschalten, da einige (wie etwa der Tempel) doch etwas sehr stark auf das Gleichgewicht Einfluss nehmen. Im Fraktionen-Spiel steht lediglich eine Karte (die Welt) zur Verfügung, die komplett auf diese Fähigkeiten verzichtet. So bleibt nur die Möglichkeit, auf weitere Karten als Download zu hoffen. Bei der ganzen Optionsvielfalt hätte ein Editor sicher auch nicht geschadet.

Vergnügen trotz kleinerer Probleme

Doch das ist schon der einzige wirkliche Kritikpunkt. Besonders online gegen Bekannte entwickelt dieses Risiko ein ungeheures Spaßpotential und ist in meinen Augen die bis dato beste digitale Umsetzung. Durch die optische Auflockerung werden auch jene Menschen angesprochen, die bisher mit dem Brettspiel nichts anfangen konnten. Allerdings sollte jedem klar sein, dass bei einer Partie zu fünft die Wartezeit etwa 80% ausmacht, was ungeduldigen Naturen einen Strich durch den Spielspaß machen könnte.

Übrigens wird auch die Möglichkeit geboten, als Siegkriterium gleich die Weltherrschaft auszugeben. Außerdem lassen sich die Startländer automatisch oder von Hand platzieren. Leider treten (zumindest bei mir) öfter Probleme mit der Online-Verbindung gegen „Fremde“ auf. Ein Problem, das sicher bald per Patch behoben wird. Das unsportliche Verhalten der anderen Teilnehmer (zu früh das Spiel verlassen) ist leider ein weit verbreitetes Phänomen. Leider lässt sich die Einstellung der meisten Spieler nicht so einfach patchen…

Rating: ★★★★½

Preis: 800 Microsoft Points (zum Marktplatz)

Unlockables: Avatar Auszeichnungen (2)

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