Jul 232010
 

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Langsam baut sich vor unseren Augen ein leicht flackerndes schwarz-weiß Bild auf. Leises Rauschen ist zu vernehmen, vermutlich die Blätter der umstehende Bäume im Wind. Von einem Akteur fehlt zunächst jede Spur. Erst nach einem Druck auf eine der bunten Tasten am Controller erscheinen langsam zwei weiße Punkte. Nach und nach werden die Umrisse eines Menschen sichtbar. Es scheint sich um einen Jungen zu handeln, der sich behäbig erhebt. Die Punkte sind seine Augen und das Einzige, was seiner schwarzen Silhouette Leben einhaucht. Im Verlauf des Spiels erfahren wir nicht, wer er ist, wie er auf den Waldboden gelangte oder wieso er sich diesen Strapazen aussetzt, die noch auf ihn zukommen sollen.

In Limbo gibt es nämlich neben dem Menü keinerlei Text auf dem Bildschirm. Keine einzige Statusanzeige trübt den Blick auf die atmosphärisch tolle Grafik. Auch ein Tutorial oder andere Hilfestellungen sucht man vergebens. Unter dem Punkt „Hilfe & Optionen“ ist lediglich ein Controller zu sehen, der die zwei belegten Tasten zu erkennen gibt. Bereits in diesen ersten Sekunden spürt der Spieler, dass er es hier mit einem ungewöhnlichen Titel zu tun hat. Spielerisch muss man Limbo ganz klar den Puzzle-Platformer zuordnen: Es wird gelaufen, gesprungen, gedrückt und gezogen, in gewissen Abständen warten intelligente Rätsel auf ihr Lösung. Wer Titel wie Prince of Persia (das Original), Abe’s Oddyssey, Another World oder Heart of Darkness mag, dürfte auch von Limbo nicht enttäuscht werden.

Schön und tödlich zugleich, wie so viele Dinge in der Natur

Das zu Beginn idyllische Bild verkehrt sich bald ins Gegenteil. Ein toter Tierkadaver, hektisch von Fliegen umkreist, ist das erste Anzeichen dafür. Und schon wenige Augenblicke später beginnt der Kampf auf Leben und Tod gegen eine Riesenspinne. Ab hier lauert der Pixeltod auf Schritt und Tritt. Er wird den Spieler ereilen, hundertfach, es gibt kein Entrinnen. Egal, wie vorsichtig man sich auch forantasten mag. Das Ableben ist dabei meist überaus brutal in Szene gesetzt und steht damit im krassen Kontrast zur jugendlichen Unschuldigkeit des Protagonisten. Und auch die Umgebung vermittelt diesen Zwiespalt aus Schönheit und Grausamkeit auf überaus eindrucksvolle Weise. Das ohnehin schon ungemütliche Ambiente wird durch die sehr gezielt eingesetzten Geräusche und Klänge noch verstärkt. Durch diese Kombination vermittelt Limbo eine packende Atmosphäre, die nur farblos so eindrucksvoll funktionieren kann.

Die Brutalität spielt sich dabei größtenteils im Kopf ab, da durch die schemenhafte Darstellung gar keine Möglichkeiten geboten werden, optisch dies zu leisten. Und auch die Interpretation des gesamten Abenteuers ist dem Betrachter überlassen und dürfte für einigen Diskussionsstoff sorgen. Genau solche Titel braucht das Medium Videospiele auch, um eines Tages als Kunst anerkannt zu werden. Doch auch wenn ihr mit diesem ganzen hochtrabenden Kram nichts am Hut habt, werdet ihr sicher viel Vergnügen mit Limbo haben.

Kunst, Anspruch und Wirklichkeit

Wie bei einem Gemälde wurde jeder Strich mit bedacht gesetzt, jedes noch so unscheinbare Elemente hat eine Bedeutung. Diesen Feinschliff merkt man auch den kreativen Puzzlen an. Diese wirken auf den ersten Blick fast ausnahmslos unmöglich zu bewerkstelligen. Doch nur wenige Momente bevor sich eigentlich Frustration einstellen würde, offenbart sich die Lösung (hin und wieder zufällig) oder ein Schritt zu dieser hin. Dadurch wird die Motivation bis zum Ende konstant hoch gehalten. Anders als z.B. bei Winterbottom, wo einige Rätsel doch für Frust sorgen können. Sämtliche Puzzle in Limbo können sich nach einigen Fehlversuchen eigentlich von so ziemlich jedem Spielertyp lösen lassen.

Eine Frage die immer wieder aufkommt, ist die nach der Länge. Beim ersten Durchspielen vergehen je nach eurer Auffassungsgabe zwischen vier und fünf Stunden. Wer alle versteckten Eier finden und den letzten Erfolg ergattern möchte, kann gut und gerne noch einmal so viel Zeit dabei investieren. Diese Angaben gelten aber nur, wenn keine Lösungen zum Einsatz kommen. Meiner Meinung nach sind die überschwänglichen Wertungen der internationalen Presse ein wenig überzogen. Limbo ist definitiv eine tolle Erfahrung und sollte viel Beachtung finden. Aber wenn ein Spiel derart gehyped wird, dann bleibt es nicht aus, dass mancher Käufer zu viel erwartet und unweigerlich enttäuscht wird. Macht euch frei von solchen Konventionen und genießt diese relativ kurze Erfahrung in vollen Zügen, es dürfte in naher Zukunft nichts Vergleichbares geben.

Rating: ★★★★☆

Preis: 9,99€ (Steam)

Betriebssystem: Windows, Mac OS X

Homepage

Preis: 12,99€ / $14,99

Homepage / PlayStation-Infoseite

Preis: 1.200 Microsoft Points (zum Marktplatz)

Unlockables: Avatar Auszeichnungen (2)

Homepage / Forum

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