Aug 122010
 

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Blut. Zombies. Mutanten. Kettensägen. Testosterongeschwängerte, Anabolika konsumierende Supersoldaten. Epische Story, ultrarealistische 3D-HD-Grafik, verstörender Industrial-Soundtrack… Na, habe ich Euer Interesse geweckt? Ja? Okay, dann legt bitte umgehend Gears of War, Fallout 3 oder Dead Space in Eure Xbox 360 ein und lest bloß nicht weiter. All diejenigen jedoch, die auf der Suche nach ein wenig Entspannung im Action-Games-Alltag sind und lieber wieder mal ihre grauen Zellen fordern möchten, können nun erleichtert aufatmen und sich völlig relaxt dem Rest dieses Reviews widmen.

Blasen? … Blasen!

Also, was für eine Art Spiel ist Blow denn nun eigentlich? Ein Denk- bzw. Knobelspiel! Grob gefasst könnte man es wohl am ehesten als eine Art Lemmings mit Blasen beschreiben. Ähnlich wie die bekannten Nager strömen hier Blasen aus einem Portal, und der Spieler muss diese sicher zum Ausgang des 2D-Levels führen. Damit sich dieser Ausgang öffnet, muss man die Blasen so lenken, dass sie zuerst alle im Level verteilten „Blüten“ berühren. Dazu steht dem Spieler nur ein einziges Werkzeug zur Verfügung: Ventilatoren! Diese müssen so im Level platziert werden, dass die Blasen ohne Kontakt mit dem Levelinterieur ihr Ziel erreichen.

Im Gegensatz zu Lemmings ist das Spiel jedoch weit weniger stressig, da man weder ein Zeitlimit im Nacken hat noch extreme Geschicklichkeit oder schnelles Handeln vonnöten sind. Denn der Strom aus Blasen ist unendlich, so dass Fehler jederzeit korrigiert werden können und man durch Trial & Error so lange herumexperimentieren kann, bis man die perfekte Einstellung eines Ventilators gefunden hat.

Doch gar nicht so einfach

Doch so simpel sich diese Spielmechanik auch anhört, schon nach wenigen Leveln wird klar, dass hier ein sehr durchdachtes (Physik-)System am Werk ist, welches zwar Unmengen an Möglichkeiten zur Problemlösung offeriert, gleichzeitig aber auch durch seine Komplexität eine angenehme Herausforderung darstellt. So lässt sich nicht nur der Ort der Ventilatoren frei wählen (Voraussetzung ist hierbei allerdings, dass der Ventilator ein Levelobjekt berühren muss, um befestigt werden zu können), sondern man kann auch den Winkel des Ventilators stufenlos über die analogen L- und R-Trigger einstellen. Doch damit nicht genug: Auch die Geschwindigkeit des mechanischen Bläsers lässt sich in drei Stufen einstellen, wodurch man die Blasen unterschiedlich weit befördert. Und zu guter Letzt kann man sogar die Temperatur des Luftstroms ändern, den der Ventilator erzeugt. Werden die Blasen abgekühlt, färben sie sich blau und sinken schneller zu Boden, erhitzte Blasen zeigen dies durch eine Rotfärbung an und steigen schneller auf.

All diese Kniffe müssen beherrscht werden, will man die King Bubble (welche man rufen kann, sobald der Weg geebnet wurde) unbeschadet ans Ziel bringen. Doch auch die Umgebung stellt den Spieler immer wieder vor neue Herausforderungen. So kann es vorkommen, dass in einem Level eine bestimmte Temperatur herrscht, die kontinuierlich die Blasen erhitzt bzw. abkühlt. Ein Effekt, dem man gezielt entgegenwirken muss. Und in manchen Abschnitten weht Wind, was unseren Blasen meist gar nicht gefällt. Und als wenn das nicht schon genug wäre, gibt es noch eine Reihe Levelobjekte, die ebenfalls die Flugbahnen unserer Blasen manipulieren: Heiße und kalte Zonen, Pull- und Push-Zonen (welche die Blasen anziehen oder abstoßen), Tautropfen (die wie Bumper wirken und die Blasen unkontrolliert abprallen lassen) und sogar Zahnräder, welche die Blasen gezielt weitertransportieren, je nachdem, wie schnell man sie antreibt.

Erfahrungspunkte oder Bonuspunkte – Die Qual der (Modus-)Wahl

Blow bietet dem Spieler zwei unterschiedliche Spielmodi, die jeweils eine völlig andere Herangehensweise an die Level erfordern. Der erste Modus trägt den einfallsreichen Namen „Play“. Hier knobelt man sich der Reihe nach durch 70 vorgegebene Level. Das Kennzeichen dieses Modus ist, dass man in jedem Level eine begrenzte Anzahl von Gold besitzt. Jeder Ventilator kostet je nach eingestellter Laufgeschwindigkeit eine bestimmte Menge dieser wertvollen Ressource. Hat man einen Level geschafft, wird der Goldvorrat wieder aufgefüllt und man erhält für seine Leistung Erfahrungspunkte gutgeschrieben. Je weniger Gold verbraucht wird und je mehr Wegstrecke die Blasen zurückgelegt haben, desto mehr Erfahrungspunkte sackt man ein. Diese erfüllen zwar keinen wirklichen spielerischen Zweck, motivieren aber dennoch dazu, die Level auf immer effektivere Weisen zu lösen, da man durch sie in Rängen aufsteigt und dadurch neue Titel erntet.

Der zweite Modus nennt sich „Adventure“, besteht aus zufallsgenerierten Levels und bringt strategische Elemente mit ins Spiel. Denn im Gegensatz zum Modus „Play“ wird hier der Goldvorrat nicht am Ende eines Levels wieder aufgefüllt. Dafür gibt es hier überall in den Levels bestimmte Items, die sogenannten „Flames“, zu finden. Wenn man diese aufsammelt, werden sie der Sammlung hinzugefügt. Insgesamt gibt es 192 unterschiedliche Flammen. Auf Wunsch lassen sie sich jederzeit verkaufen und somit in Gold umwandeln, wobei seltenere Exemplare natürlich auch mehr Gold einbringen. Dies ist die einzige Möglichkeit, hier seinen Goldvorrat aufzufrischen. Die Erfahrungspunkte gibt es im Adventure-Modus ebenfalls, doch hier heißen sie nun „Bonus Points“ und können dazu benutzt werden, sich weitere Flames hinzuzukaufen. Entweder für die Sammlung oder um sie wiederum in Gold umzuwandeln.

Man muss sich also entscheiden, wie man vorgehen möchte: Alle Flammen einsammeln und dabei Gefahr laufen, doch zuviel Gold zu verbrauchen? Oder lieber möglichst viele Bonus Points ergattern, um sich davon dann Flammen zu kaufen? Oder wollt Ihr sogar die Flammen-Sammlung komplettieren und nur Doppelte verkaufen? Die meisten Spieler werden ihren Weg wohl irgendwo in der Mitte finden.

Chillig, chilliger, Blow

Wenn ich das Gefühl benennen müsste, das ich beim Spielen von Blow empfunden habe, würde ich wohl als Erstes Entspannung nennen. Als Zweites wahrscheinlich Konzentration. Ja, das ist kein Gefühl, ich weiß. 😉 Das Spiel schafft es jedenfalls gekonnt, diese beiden auf den ersten Blick konträren Begriffe zu einer wunderschönen Symbiose zu verschmelzen. Entwickler David Flook erschuf mit Blow meiner Meinung nach eines der schönsten, stimmungsvollsten Indie Games auf dem Xbox Live Marktplatz. Und das liegt nicht an einer wunderschönen Grafik, denn diese sieht eher zweckmäßig aus und kann aufgrund ihrer aus den immer gleichen Bausteinen bestehenden Elemente auch nicht mit Titeln wie Braid oder Lumi mithalten. Aber das ist auch gar nicht notwendig.

Einziger Wermutstropfen ist in meinen Augen das Fehlen eines Leveleditors. Denn den einzelnen Leveln sieht man deutlich an, dass sie lediglich mit Grafikbausteinen eines Editors gefüllt wurden. Was hätte also näher gelegen, als so einen Editor auch dem Spieler an die Hand zu geben, damit dieser sich eigene hirnzermarternde Aufgaben erschaffen (oder sogar mit anderen Spielern tauschen) kann. Dennoch reicht das stressfreie Gameplay, das einem stundenlanges Knobeln ohne nervigen Zeitdruck erlaubt, und der wundervolle Soundtrack von Gary Stadler (der mich ein wenig an die Musik der irischen Sängerin Enya erinnert) aus, um eine der bisher chilligsten Indie-Game-Erfahrung zu erschaffen. Mit anderen Worten: Lasst Euch darauf ein!

Rating: ★★★★½

Preis: 400 Microsoft Points (zum Marktplatz)

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  • "Blut. Zombies. Mutanten. Kettensägen. Testosterongeschwängerte, Anabolika konsumierende Supersoldaten. Epische Story, ultrarealistische 3D-HD-Grafik, verstörender Industrial-Soundtrack"

    Danach dachte ich: wie geil!
    Aber dann habe ich den Screenshot gesehen und gedacht: "häh?"

    Nichts für mich…..
    🙂