Sep 132010
 

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Scott Pilgrim ist ein ganz normaler Teenager aus dem Herzen Torontos. Er hängt ‚rum, interessiert sich für Videospiele und spielt Bass in der Band „Sex Bob-omb“. Ramona Flowers ist das neue Mädel in der Stadt und arbeitet als Zustellerin für Pakete in der Region, in der Scott wohnt. Sie hat es ihm derart angetan, dass er tagelang CDs auf Amazon aussucht (der erste Eindruck ist enorm wichtig!), nur damit er eine Lieferung von ihr empfangen und mit ihr ins Gespräch kommen kann. Das klappt auch soweit alles ganz prima, allerdings kann Ramona erst seine Freundin sein, wenn Scott ihre sieben bösen Ex-Freunde besiegt.

Sowohl Film als auch Videospiel basieren auf den Graphic Novels von Bryan Lee O’Malley, die zwischen August 2004 und Juli 2010 in sechs Ausgaben herauskamen. Das Game erschien pünktlich zum US-Start des Films, bei uns kommt dieser erst Anfang nächsten Jahres in die Kinos.

Das Spiel zum Film zum Buch

Was schon auf den Screenshots unweigerlich ins Auge fällt, ist die unfassbar schöne grafische Präsentation. In Bewegung sieht das Game noch erheblich besser aus, mit wunderbar flüssigen Animationen, abwechslungsreichen Schauplätzen und abstrusen Endboss-Attacken. Jede einzelne Szene ist ein kleines Kunstwerk, schaut euch nur den Detailreichtum auf den Screenshots an. Auch musikalisch kann sich das Spiel absolut hören lassen. Der gesamte Soundtrack wurde von der Chiptune-Punkband Anamanaguchi aus New York vertont und macht die Illusion perfekt: SPGDRDWDS hätte in diesem Zustand auch Mitte der Neunziger auf einer Konsole erscheinen können.

Denn auch das Gameplay scheint 1:1 aus dieser Zeit entnommen. Zwar gibt es so tolle Dinge wie eine Übersichtskarte, Erfahrungspunkte und Level, durch die neue Moves freigeschaltet werden und Geld, mit dem sich Energie oder Statusverbesserungen in Shops erwerben lassen. Aber der Rest wirkt wie ein Relikt der Neunziger. Man trifft etwa die Gegner nur, wenn man ziemlich genau auf einer Ebene mit ihnen steht. Etliche herumliegende Dinge lassen sich als Waffe missbrauchen und wahlweise darf damit der Schädel der Widersacher eingeschlagen werden oder sie können als Wurfgeschoss zum Einsatz kommen.

Mit steigenden Leveln (mehr Moves) und höheren Statuswerten wird das Spiel zwar zunehmend leichter, aber gerade in den ersten Stunden gestaltet sich die Prügelei schon auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad ziemlich herausfordernd (vor allem alleine). Die gute alte Zeit lässt schön grüßen!

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Mehrspielerfreuden zwar zu viert, aber nicht online

Nicht nur wird Scott Pilgrim zunehmend leichter, je mehr Leute zum Joypad greifen, auch der Spaßfaktor steigt ganz enorm an. Es ist möglich, gemeinsame Attacken auszuführen, sich in Shops gegenseitig Geld zu leihen und gefallenen Kameraden wieder auf die Beine zu helfen. Allerdings entstammt auch der Mehrspieler-Modus der längst verloren geglaubten Zunft der Offline-Multiplayerspiele. Denken wir nur eine Generation zurück, war dies noch gang und gäbe, im Jahr 2010 ist dies leider eine traurige Ausnahme, welche die Regel bestätigt.

Gerade bei einem solchen Titel, der augenscheinlich sehr stark darauf ausgelegt wurde, mit mehreren Personen gleichzeitig genossen zu werden, ist dies ein großes Ärgernis. Wer in einer WG wohnt oder sowieso regelmäßig Bekannte mit gleichen Interessen im eigenen Wohnzimmer begrüßt, kann sich glücklich schätzen. Aber wo wir gerade bei Ärgernissen sind: Auf der Xbox 360 kommt es in regelmäßigen Abständen zu nicht erklärbaren Stotterern. Um beide Punkte wird sich hoffentlich in einem Update gekümmert.

Trotz kleiner Schwächen: Bitte mehr davon!

Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt: Das Spiel ist eine Liebeserklärung an die längst vergangenen 16-Bit-Tage. Eine Zeit, in der Pixelgrafik den Bildschirm zierte und raue Oszillatoren unsere Ohren mit den damals typischen Sounds beglückten. Wieviel Spaß ihr letztendlich mit dem Titel haben werdet, hängt zum großen Teil auch davon ab, wie sehr diese Nostalgie eine Rolle für euch spielt und/oder wie hoch eure Affinität zur Vorlage ist. Als reines Beat’em Up kommt es spielerisch nicht an die Qualitäten eines Castle Crashers heran, welches sich erheblich dynamischer spielt. Wer aber auch heute noch gerne Streets of Rage einlegt, der kommt zweifelsohne auf seine Kosten.

In jedem Fall muss ein großer Dank an Ubisoft ausgesprochen werden, in der heutigen Zeit so ein mutiges und wundervolles Produkt auf den Markt zu werfen. Hoffentlich beschreiten noch viele Publisher einen ähnlichen Weg, wenn es darum geht, eine Lizenz zu einer Graphic Novel oder einem Film zu versoften.

Rating: ★★★★☆

Preis: 9,99€

Homepage / PlayStation-Infoseite

Preis: 800 Microsoft Points (zum Marktplatz)

Unlockables: keine

Homepage / Forum

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