Sep 232010
 

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Knapp 12 Jahre ist es nun her. Am 23. Dezember 1998 erschien Sonic Adventure in Japan für Segas kurz zuvor veröffentlichten Dreamcast. Ein Jahr später, am 14. Oktober 1999, waren wir Europäer an der Reihe. Sonic Adventure sollte die Überlegenheit des Systems gegenüber der Konkurrenz eindrucksvoll zur Schau stellen.

Und in der Tat, in puncto Schnelligkeit und Grafikqualität hängte Sonic alle ab. Auch kommerziell war der blaue Blitz auf der Überholspur: Sonic Adventure mauserte sich zum erfolgreichsten Dreamcast-Titel aller Zeiten. Doch die Zeiten ändern sich. Die Plattform heißt nun Xbox Live Arcade und die Konkurrenz, die Technik, ja sogar die Sonic-Reihe an sich hat sich seit damals enorm weiterentwickelt.

Kann das Spiel überhaupt noch den heutigen Ansprüchen und Erwartungen gerecht werden? Bleibt ohne den damaligen Wow-Effekt noch genug Spielspaß übrig? Kenner des Originals können, wenn sie möchten, nun direkt zum Abschnitt „Welche Version ist’s denn nun eigentlich?“ springen, alle anderen bekommen im Folgenden einen Überblick bezüglich Handlung, Spielaufbau und Gameplay.

Das Wettrennen um die Chaos Emeralds geht weiter

Die Handlung bedient sich vieler Elemente, die sich in den Sonic-Spielen der 90er Jahre als Standards etablierten. So heckt der ebenso böse wie geniale Wissenschaftler Dr. Robotnik mal wieder einen teuflischen Plan aus, um die Weltherrschaft an sich zu reißen. Diesmal hat er das mysteriöse Wasserwesen Chaos aus einem jahrhundertelangen Schlaf geweckt und plant nun gemäß der Serientradition erneut, sich die sieben Chaos Emeralds unter den Nagel zu reißen. Denn diese sollen Chaos laut einer alten Inschrift unbeschreibliche Macht verleihen.

Eine Story, sechs Schicksale

Ihr könnt die Geschichte nicht nur aus Sonics Sicht erleben, sondern auch aus der seines besten Kumpels Tails, seiner verschmähten Freundin Amy und seines naiven Kumpels Knuckles. Außerdem feiern der dicke Kater Big the Cat und der mechanische E-102 Gamma hier ihr Serien-Debut, und beide bringen ebenfalls ihre eigene spielbare Story mit.

Im Verlauf der Geschichte treffen dann alle sechs Charaktere immer wieder aufeinander. Will man also die ganze Geschichte und alle Ereignisse verstehen, muss man auch die Stories aller Charaktere spielen, da in einem einzelnen Durchgang sonst viele Fragen offen bleiben.

Jump’n Run meets Adventure

Anders als in allen vorhergehenden Sonic-Spielen besteht das Gameplay hier aus zwei Teilen: den Jump’n Run-Leveln (im Spiel Action Stages genannt) und den Adventure Fields. Letztere sind alle untereinander verbunden und fungieren als Oberwelt. Hier muss man (extrem simple) Aufgaben wie „Finde den Schlüssel X für Level Y“ lösen, um so nach und nach die Eingänge zu den einzelnen Action Stages zu öffnen. Außerdem lassen sich in der Oberwelt für jeden Charakter verschiedene Power-Ups finden, die ihm bzw. ihr dann neue Fähigkeiten verleihen oder alte Fähigkeiten verbessern.

Großer Umfang, viel Abwechslung

Aufgrund der Tatsache, dass es sechs spielbare Charaktere gibt, die alle ihre eigenen Levels oder zumindest eigene Varianten der Levels besitzen, ist der Umfang für ein zehn Euro Arcade-Spiel wirklich enorm. Und jeder Level hält auch noch zwei weitere, schwierigere Aufgabenstellungen bereit, wie beispielsweise Zeitlimits oder eine Mindestanzahl Ringe, mit denen man ins Ziel kommen muss.

Doch nicht nur die unterschiedlichen Level-Ziele sorgen für Abwechslung. Jeder einzelne Charakter steht für unterschiedliche Gameplay-Schwerpunkte. Sonic rennt und springt wie man es gewohnt ist mit einem Affenzahn durch seine Levels, Tails dagegen kann über kurze Distanzen fliegen, was ihm völlig neue Wege offenbart. Die Levels von Knuckles wiederum sind keine linearen Schlauchlevel, sondern eher große Bereiche, in denen man sich völlig frei bewegen kann und mit Hilfe von Knuckles’ Kletter- und Schwebekünsten die Umgebung nach den Splittern des sogenannten Master Emerald absucht.

Amy kann nicht sonderlich gut rennen oder springen, räumt dafür aber mit ihrem Piko-Piko-Hammer unter den Gegnern auf. Big bewegt sich eh sehr ungern und angelt daher in seinen Levels lieber. Und Gamma unterstützt seine Argumente am liebsten mit Zielsuchraketen. Abseits der normalen Levels findet man außerdem noch einige Minigames wie Snowboard- und Sandboardfahrten, Autoscooter-Rennen, zwei Flippertische, zwei Railshooter-Level und ein Whac-A-Mole-Spiel.

Schnapp sie Dir alle!

Ein Feature, welches bei vielen Fans immer besonders beliebt war, ist die Chao-Aufzucht. Diese kleinen, putzigen Wesen leben in den drei freischaltbaren Gärten und lassen sich dort streicheln, füttern, großziehen und sogar vermehren. Wer nicht ganz so nett ist, kann sie auch gegen die Wand oder ins Wasser werfen, aber wer macht schon so etwas? 😉

Die Chaos sind, wenn man möchte, ein ziemlich großer Bestandteil des Spiels. Man befreit in jedem Level kleine Tiere aus besiegten Gegnern, die man dann in den Chao-Gärten mit seinen Zöglingen kreuzen kann, um ihre Eigenschaften wie Rennen, Schwimmen, Fliegen oder Kraft zu erhöhen. Dies ist nämlich wichtig, wenn man die Chaos in Rennen schicken und dort auch gewinnen möchte. Wer sich mit diesem integrierten Pokémon– bzw. Tamagotchi-Feature näher auseinandersetzt, ist alleine damit schon etliche Stunden beschäftigt.

Welche Version ist’s denn nun eigentlich?

Auch wenn das Spiel auf dem Marktplatz lediglich als Sonic Adventure angeboten wird, handelt es sich dennoch um den Director’s Cut, der 2003 für GameCube und PC erschienen ist. Allerdings ohne die 60 Bonus-Missionen, denn diese werden inklusive Metal Sonic als spielbarem Charakter gesondert als Download angeboten.

Da es sich um den Director’s Cut mit all seinen Verbesserungen handelt (schärfere Texturen, Charaktermodelle mit höherem Polygon-Count, verbesserte Wassereffekte, eingeblendete Statusanzeigen bei der Chao-Aufzucht), haben wir hier sogar die beste Konsolenversion des Spiels vor uns, die es derzeit gibt. Denn das nervige Ruckeln der Gamecube-Version wurde glücklicherweise ausgemerzt.

Sogar der Chao-Händler, der zu Dreamcast-Zeiten nur über den damaligen Online-Dienst zur Verfügung stand, wurde nun in das Offline-Spiel integriert und residiert nun in einem der Chao-Gärten. Es wurde also wirklich an alles gedacht.

Die 360-Version bietet als neues Feature nun sogar Online-Ranglisten, was zumindest Highscore-Jäger freuen wird. Lediglich der Verzicht auf einen 16:9-Modus und die damit verbundenen dicken Balken an den Seiten könnten einigen von Euch sauer aufstoßen.

Der Zahn der Zeit

Doch einige negative Dinge, über die man früher noch hinwegsehen konnte, fallen heute viel deutlicher auf. So scheint die Kamera z.B. direkt aus der Hölle zu stammen! Hilft sie dem Spieler noch in den Action Stages, indem sie immer in die Richtung zeigt, in die er oder sie laufen muss, so scheitert sie in den Adventure Fields, in denen man sich frei bewegen kann, vollends. Ständig zeigt sie in die falsche Richtung und muss manuell nachjustiert werden. Am besten deaktiviert man die automatische Kamera daher in den Optionen direkt. Doch auch dann scheint die Kamera nichts lieber zu machen, als sich an Objekten oder hinter Wänden festzuhaken, bis der Charakter gar nicht mehr im Bild ist.

Doch auch an anderen Stellen treten gelegentlich Bugs auf. So kommt es vor, dass unsere Helden durch den Boden fallen, nach dem Sprung auf einen Bumper durch die Decke schießen oder durch einen Looping hindurch schießen, statt ihn entlangzulaufen. Und die Oberwelt wirkt heutzutage nur noch aufgesetzt, da es dort nicht wirklich viel zu tun gibt und sie oft nur die Spielzeit streckt, wenn man von einem Level zum nächsten möchte. Zum Glück gibt es wie früher noch die direkte Levelanwahl im Hauptmenü.

Diese Mängel gab es allesamt schon im Original. Doch vor 12 Jahren ließen sie sich wesentlich leichter verschmerzen als heutzutage, zumal man damals von der grandiosen Technik so begeistert, um nicht zu sagen geblendet, war. Zwar verliert man nicht immer gleich ein Leben, wenn die Kamera mal zickt, doch die genannten Probleme zehren manchmal schon am Spielspaß.

Trotz einiger Mängel solides Jump&Run-Futter

Aufgrund des für ein Arcade-Game enormen Umfangs und des spaßigen Gameplays kann man den Titel trotz der angesprochenen Defizite eigentlich jedem Jump&Run Fan ans Herz legen. Zumal dieses Genre auf der Dreisechzig deutlich unterrepräsentiert ist. Sonic Adventure zeigt sogar, dass Dreamcast-Titel grafisch gar nicht so schlecht gealtert sind, wie man meinen könnte.

Rating: ★★★½☆

Preis: 9,99€ (Steam)

Betriebssystem: Windows

Homepage / Forum (Steam)

Preis: €7,99 / $9,99

Homepage / PlayStation-Infoseite

Preis: 800 Microsoft Points (zum Marktplatz)

Unlockables: Avatar Auszeichnungen (2)

Homepage / Forum

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