Sep 272010
 

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Stellt euch mal vor, ihr hättet Angst vor Wasser! Aber Hydrophobie ist zum Glück keine Krankheit, sondern beschreibt in der Biologie lediglich wassermeidende Pflanzen oder Tiere. Lustigerweise kann das H²O in dem so betitelten Spiel absolut nicht gemieden werden, es ist faktisch sogar „fester“ Bestandteil. Doch um was geht es denn eigentlich? Wir übernehmen die Rolle von Kate, die wie einst Isaac Clarke in Dead Space als (Sicherheits-)Mechaniker arbeitet, allerdings weit weniger wehrhaft als ihr interplanetarischer Kollege zu Werke gehen kann. In einem wenig originellen Storytwist ist es relativ schnell vorbei mit der Idylle zu Beginn des Spiels. Die Party auf dem riesigen Luxusdampfer „Queen of the World“ findet ein jähes Ende, als „Terroristen“ plötzlich die Kontrolle des Kahns übernehmen.

Den Grund für ihr Handeln muss nun also die arme Kate herausbekommen und uns fällt die undankbare Aufgabe zu teil, sie dabei zu unterstützen. Natürlich ist nichts so, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat und Stück für Stück kommt die grausame Wahrheit ans Tageslicht.

Poseidon (der Film, nicht der Gott) lässt grüßen

Da sind wir nun also, tief im Inneren des Schiffs, von Unmengen Wasser umgeben. Ob es ein Leck gibt oder nicht, ist unklar. Jedenfalls strömt sehr unregelmäßig (und eigentlich auch unsinnig) das kühle, salzige Nass in diverse Korridore und Räumlichkeiten. Der einzige große Unterschied zum Film Poseidon ist der, dass die Queen of the World nicht auf dem Kopf steht. Das Gefühl der Bedrohung dagegen ist auch hier allgegenwärtig. In Bioshock waren wir zwar von Wasser umgeben, stellenweise machte es auch den Anschein, als wolle sich der Ozean zurücknehmen, was ihm einst gehörte. Doch in Hydrophobia sind wir mittendrin. Endlich! Auf so ein Spiel hat sicher jeder gewartet, ein Spiel, dass uns die ungebremste Macht des vielseitigen Elements so richtig vor Augen hält.

Und was für eine Pracht es ist, ihm zuzuschauen. Ein trockener Raum füllt sich innerhalb weniger Sekunden. Nicht nur opulente Wellen schäumen vor unseren Augen, kräftige Strömungen reißen uns zudem die Beine weg, reißen alles mit was nicht niet- und nagelfest ist. Wer diesen Effekt das erste Mal live am eigenen (virtuellen) Körper zu spüren bekommt, ist restlos begeistert. Eine ähnlich dynamische und realistisch wirkende Darstellung hat es zuvor noch in keinem Videospiel gegeben. Hoffentlich ist dies nur der Anfang und wir sehen in Zukunft noch viel mehr von solchen Effekten.

Wehe, wenn es losgelassen

Diese ganze Physik ist freilich nicht nur Spielerei, sondern fest in das Gameplay integriert. An manchen Stellen habt ihr die Wahl, ob die Gegner im nächsten Flur auf relativ trockenem Untergrund oder komplett unter Wasser das Zeitliche segnen sollen. Doch immer gilt: Ein Element ist stets neutral! Wer den Fehler macht und denkt, das Wasser wäre auf der Seite des Spielers, der wird sich recht schnell in auswegslose Situationen bugsieren. Der Trick ist es, das Wasser gekonnt zum eigenen Vorteil und gleichzeitig zum Nachteil der Gegner einzusetzen. Abgesehen von solch bierernsten Geschichten macht es auch einfach nur Spaß, mit der Physik-Engine herumzutollen. Es ist auch nett anzusehen, wie sich die Fortbewegung der Protagonistin mit steigendem Wasserspiegel ändert. Reicht dieser bis zu zur Brust, hebt sie die Arme in die Luft und kommt nur noch schwerlich voran.

Fehlzündung

Die Physik bleibt auch bis weit nach dem Durchspielen faszinierend und spannend, zumindest in diesem Punkt erhalten wir also keine Techdemo. Beim Kampfsystem sieht die Sache leider schon ganz anders aus. Denn Kate verfügt über keinerlei Erfahrung im Nahkampf, dieser ist nicht existent. Die einzige Möglichkeit die fiesen Fieslinge auszuschalten, ist durch den Einsatz der Umgebung. Die einzige Waffe im Spiel verfügt lange Zeit nur über Schallmunition, welche auch als einzige in unendlichen Kapazitäten vorliegt. Schleichen ist zwar eine Option um unentdeckt zu bleiben, die Rückmeldungen ob man denn nun entdeckt wurde, sind leider sehr gering. Die Lautstärke auf dem sinkenden Schiff ist wirklich enorm (also müsste man eigentlich auch gar nicht schleichen). Außerdem fehlt ein Radar mit den Gegnerpositionen, um diese zu lokalisieren, muss in eine Kamera gehackt werden.

Somit bleibt also nur der offene Schlagabtausch aus der Ferne. Die Schallwaffe kann durch halten aufgeladen werden, tötet einen Gegner bei direktem Beschuss aber erst mit drei Ladungen (die einige Zeit brauchen). Explosive Fässer, elektrisch geladene Kästen und Leitungen sind da die bessere Alternative. Und auch ertränken ist ein adäquates Mittel. Hydrophobia versagt aber leider als Actionspiel aus mehrerlei Hinsicht.

Das Spiel verlangt von uns, dass wir auf den rechten Stick klicken, um die Ansicht zu zoomen. Hierdurch wird jedoch gleichzeitig die Position verraten, weil Kate aus der Deckung herauslugt. Die Bösewichte können nur an bestimmten Stellen, nämlich dort wo etwas Abschießbares herumliegt, getroffen werden. Sind sie dort vorbei, befindet sich nichts in der Nähe oder rücken sie Kate zu nahe auf die Pelle, dann sieht es mau mit der Verteidigung. Ein Malus, der auch durch andere Munitionstypen nicht so recht beseitigt wird. Das ganze System fühlt sich oft zu kompliziert und Kate zu wehrlos an. Um das Game auch noch nach dem recht flotten Durchspielen interessant zu halten, existiert ein Punktesystem. Belohnt werden hier kreative Kombinationen (viele Gegner und Gegenstände gleichzeitg oder nacheinander), die aber meist eher zufällig als geplant über die Bühne gehen.

Sehr dosierte Exploration

Trotz relativ gradlinigem Leveldesign, bleibt ein kleiner Rest für Entdecker bzw. Sammler. Viele Dokumente (teils nur in einer spezieller Ansicht sichtbar) und Objekte wollen gefunden werden, außerdem gibt es zusätzlich zu den Erfolgen noch Ingame-Medaillen für besondere Leistungen. Kates Gedanken lassen sich in einem automatisch geführten Journal nachlesen. Insgesamt werden so eine ganze Menge an Hintergrundinformationen indirekt vermittelt, Resident Evil lässt schön grüßen. Viele Kraxelpassagen erinnern frappierend an Lara Croft in ihren besten Tagen, diese gehen nach ein wenig Übung auch sauber von der Hand. Gleiches lässt sich über die Steuerung unter Wasser sagen. Normalerweise sind mir Unterwasser-Level ein Graus, doch nach kurzer Eingewöhnungsphase macht es sogar richtig Spaß, sich wie ein U-Boot fortzubewegen.

Optisch wird eine breite Palette an Effekten geboten, von Feuer, austretendem Gas, Elektrizität und Wasserspritzern auf der Kamera, bis hin zu tollen Lichtspielereien und Explosionen, ist alles dabei. Mancherorts geht sogar etwas zu viel des Guten auf dem Bildschirm ab. Dennoch muss die Optik als wirklich gelungen bezeichnet werden. Leider sehen viele Korridore zu ähnlich und die meisten Räume wirklich langweilig-mechanisch aus, was man dem Setting anlasten kann. Ich hätte wirklich gerne noch das Passagierdeck betreten, aber frecherweise endet Hydrophobia sehr abrupt, sozusagen in der Mitte und beantwortet kaum Fragen. Ein Blick auf die Bestenliste verrät: Wir spielen nur die erste Episode. Wann und wie viele zu welchem Preis auf den Markt kommen, hat bis dato noch niemand verlauten lassen.

Schaut euch das Spiel alleine schon wegen der tollen Wasserphysik an, was ja schon in der Demo ausreichend möglich ist. Vielleicht kommt ihr auch besser mit dem Kampfsystem zurecht als ich und findet Gefallen daran? Ich habe es wohl auch nach dem zweiten Durchspielen immer noch nicht so recht begriffen, weshalb ich etwas enttäuscht über einen vielversprechenden Titel zurückbleibe. In Erinnerung wird mir mein erster gefluteter Raum aber trotzdem noch lange bleiben. Und gespannt auf die zukünftigen Episoden bin ich auch.

Rating: ★★★☆☆

Preis: €4,99 / $4,99

Extras: Move-Unterstützung

Homepage / PlayStation-Infoseite

Preis: 4,99€ (Steam)

Betriebssystem: Windows

Homepage / Forum (Steam)

Preis: 400 Microsoft Points (zum Marktplatz)

Unlockables: Avatar Auszeichnungen (2), Spielerbilder

Homepage / Forum

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