Okt 042010
 

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Das Team von Twisted Pixel liefert im dritten Spiel mit Comic Jumper das bisher hochwertigste Produkt ab, zumindest was die Präsentation betrifft. Spielerisch ist es leider ein Rückschritt gegenüber dem grandiosen ‚Splosion Man, doch dazu später mehr. Immerhin ist es eines der witzigsten Games die ich jemals gespielt habe, ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so herzhaft und lauthals lachen musste. Captain Smiley und Star sind das ungleichste Duo seit es „Buddy“-Komödien gibt. In dieser Hinsicht kann man nur den Hut ziehen, zu welch ausgereiftem Humor und hoher Produktionsqualität ein so kleines Studio im Stande ist.

Grandioses Charakterdesign

So stellt man sich eigentlich keinen Superhelden vor: Ein großes Smiley-Gesicht auf einem muskulösen Körper. Das Selbstbewusstsein von Captain Smiley lässt sich wohl nur durch diese Materialisierung des Positiven erklären. Denn niemand in seiner Umgebung, weder seine Angestellten, noch sein auf der Brust fest verankerter Sidekick, sind besonders gut auf ihn zu sprechen. Gerda hatte den Job als Handlanger sowieso nur angenommen, weil sie dringend Arbeit suchte und nichts anderes auf dem Handlanger-Markt verfügbar war.

Irgendwo ist der Captain auch selbst Schuld an der miesen Einstellung Gerdas ihm gegenüber, schreibt er sie doch ständig als „Damsel in Distress“ (Jungfer in Nöten) in seine Geschichten und lässt sie ein pinkfarbenes Kostüm tragen, welches sie furchtbar findet. Für die miese Einstellung von Star dagegen, kann keiner was. Er ist einfach eine mies gelaunte Type mit einer großen Fresse. Zu allem Überfluss steht er auch noch total auf den Erzrivalen von Captain Smiley und versucht ständig ihm in den Hintern zu kriechen. Brad hat sogar seine eigene Titelmusik, sobald er die Szene betritt.

Warum sie tun, was sie tun

Nach dem ersten Level sehen wir in Realszenen, wie die Bevölkerung auf die aktuelle Ausgabe von Captain Smileys Comic reagiert. Keiner möchte das Heft mehr kaufen, geschweige denn lesen. Um seine Rechnungen zu begleichen, muss unser Held gegen seinen Willen Gastrollen annehmen. Nur wenn er dadurch genügend ansehen erlangt hat, bekommt er wieder seine eigene Serie. Und so begleiten wir die beiden durch drei Genres mit jeweils drei Stufen: Fantasy (Conan-like), das silberne Zeitalter (fluchen verboten) und Manga. Jeder Stil hat seine ganze eigene Farbgebung, natürlich sehen auch die Gegner und unser Gaststar der Epoche entsprechend gekleidet aus, was optisch ein wahrer Genuss ist.

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Das Gameplay bleibt in allen vier Umgebungen jedoch gleich, Comic Jumper hat eine Kombination an Genres zu bieten, ganz grob lassen sich hier vier unterscheiden:

Das Beat’em Up: Wir laufen von links nach rechts und prügeln mit der X-Taste. Mit A halten wir uns Gegner vom Leib, die von beiden Seiten gleichzeitig heranstürmen. Sehr simple Angelegenheit und auch überaus leicht zu bewältigen.

Das Run and Gun: In typischer Dualstick-Manier laufen wir mit dem linken Stick, geben mit dem rechten Stick die Schussrichtung an und feuern mit RB. Gesprungen wird wieder auf A.

Der Dualstick-Shooter: Wie zuvor, nur dass man sich in diesem Modus frei über den Bildschirm bewegen kann.

Der Rail-Shooter: Captain Smiley läuft in den Bildschirm hinein, wir weichen mit dem linken Stick herannahenden Projektilen aus. Mit dem rechten Stick bewegen wir ein Fadenkreuz, gefeuert wird wieder mit RB.

Das mag sich nun nach einer Menge Abwechslung anhören, aber nach einigen Stunden ist einfach die Luft raus. Jeder der elf Storylevel und die acht Herausforderungen haben in puncto Leveldesign absolut nichts zu bieten. Wir laufen von links nach rechts, ballern alles nieder und weichen Schüssen aus, das war’s. Es gibt absolut nichts zu entdecken, belohnt werden nur die Zeit, fehlerfreie Passagen (sprich: nicht getroffen werden) und einen Level ohne Tod abzuschließen. Letzteres ist gar nicht so einfach zu bewerkstelligen, da es keine Möglichkeit gibt, die Energie aufzufrischen.

Die meiste Zeit der etwa acht bis zehn Spielstunden verbringt ihr im Gameplay-Modus Nummero due (Run and Gun), der zu Beginn auch wirklich Spaß macht. Da die Gegner einem aber einer nach dem anderen lustlos in den Weg geworfen werden und der Schwierigkeitsgrad gegen Ende hin wirklich ordentlich anzieht, geht der Spaß leider recht schnell flöten.

Extraaablatt

Alle Finanzmittel, die das ungleiche Duo durch Storylevel und Herausforderungen einnimmt, stehen uneingeschränkt dem Spieler zur Verfügung. Dieses kann zum einen in verbesserte Fähigkeiten des Protagonisten gesteckt werden. Auf der anderen Seite hat sich Twisted Pixel ein cleveres System ausgedacht. Diverse Boni wie den Soundtrack, Konzeptzeichnungen oder Videos, müssen gegen bare Münze erworben werden. Mit jedem Kauf steigt aber ein Bonuszähler (bis zu einem Maximum von 325%), der auf jeden Verdienst draufgeschlagen wird. Als ganz besonderes Bonbon sind in dieser Kategorie auch zwei Spielerbilder, ein Premium-Thema und sogar zwei Bonuslevel für ‚Splosion Man (1x Einzel-, 1x Mehrspieler) zu finden! Nicht nur für Arcade-Spiele ein wirklich vorbildliches Angebot.

Spielspaß vs. Präsentation

Hierauf läuft es schlussendlich hinaus. Wenn ihr über die Charaktere lachen könnt, dann ist das durchaus genug Motivation, Comic Jumper einmal durchzuspielen. Die Schwächen beim Gameplay können hierdurch ganz gut überdeckt werden. Ringt euch dagegen die Demo kein einziges Grinsen ab, dann hat das Spiel leider nicht viel zu bieten. Wenn man nämlich nur das reine Gameplay betrachtet, ist das neuste Twisted Pixel leider keine Sternstunden. Es ist wirklich verdammt schade, dass scheinbar keine Kreativität mehr hierfür übrig blieb, strotzt das Game in allen anderen Bereichen doch nur so davon. Mein Wunsch wäre es daher, alle Charaktere einfach in ein neues, besseres Game zu stecken. Ich möchte unbedingt mehr von Captain Smiley und Star sehen und hören!

Rating: ★★★½☆

Preis: 800 Microsoft Points (zum Marktplatz)

Unlockables: Avatar Auszeichnungen (2), Thema, Spielerbilder

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