Okt 112010
 

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Musikspiele gibt es viele. Geschicklichkeitsspiele wahrscheinlich sogar noch mehr. Doch sucht man Geschicklichkeitsspiele, in denen die Musik das zentrale Gameplayelement darstellt und den Level aktiv beeinflusst, sieht es schon ganz anders aus. Die berühmten Vertreter lassen sich wahrscheinlich an einer oder zwei Händen abzählen. Vib Ribbon auf der guten alten PlayStation fällt mir da spontan ein. Auch das kürzlich veröffentlichte Space Invaders Infinity Gene bietet einen Modus, in dem die eigene Musik immer neue Levels generiert. Dennoch ist dieses Feature extrem selten, was wohl vor allem daran liegt, dass es extrem schwierig ist, darauf ein funktionierendes und sinnvolles Gameplay aufzubauen. Weniger ist dabei oft mehr. Minimalismus ist anscheinend angesagt, wenn man Musik und Gameplay sinnvoll verbinden will, was die oben genannten Vertreter allesamt bestätigen. Dies scheinen die Entwickler von Tunescape definitiv verinnerlicht zu haben, und das Endergebnis überzeugt.

Tunescape? Was’n das?

Als Tunescapes werden im Spiel planetenähnliche Sphären bezeichnet, die passend zum Takt der Musik Unmengen bunter, geometrischer Formen (Quadrate, Kreise und Dreiecke) ausstoßen. Diese gilt es, mit einem kreisförmigen Cursor einzusammeln, um möglichst viele Punkte zu sammeln. Je größer die eingesammelten Objekte, desto mehr Punkte bringen sie. Doch ganz so simpel, wie es auf den ersten Blick scheint, ist es nicht. Denn wenn man wirklich etwas reißen und in den Olymp der Highscores vordringen will, benötigt man zusätzlich kleine, orangene Sterne, die als Multiplikatoren fungieren. Und auch das wäre noch nicht wirklich schwierig, gäbe es da nicht diese fiesen, knallroten Sechsecke, die bei Kontakt einige unserer mühsam erworbenen Multiplikator-Sterne wieder zurück ins All schleudern. Noch gefährlicher sind hingegen schwarze Löcher, die alles um sie herum einsaugen. Das alleine schadet dem Spieler zwar nicht direkt, die dadurch unkontrolliert herumfliegenden roten Sechsecke dagegen schon.

Ist das alles?

Vertieft wird das Ganze, indem jede der drei Objektfarben (blau, gelb, grün) jeweils einer bestimmten Spezialfähigkeit (und der jeweiligen Knopffarbe am Controller) zugewiesen ist. Sammelt der Spieler genügend grüne Objekte ein, lässt sich ein kurzzeitiger Geschwindigkeits-Boost aktivieren. Gelbe Objekte ermöglichen einen Schutzschild und somit riskante Rammattacken, und blaue Objekte schenken einem die Möglichkeit, gezielt ein alles verschlingendes schwarzes Loch zu erschaffen, um die ungeliebten Sechsecke loszuwerden.

Faszinierend!

Damit wäre eigentlich schon das gesamte Spiel erklärt. Doch durch die Einbindung der (im Idealfall eigenen!) Musik entsteht ein faszinierendes Erlebnis, da man wirklich jeden Takt, ja jede Note eines Liedes direkt auf den Bildschirm gezaubert bekommt. Je nach Musikrichtung entstehen so völlig andere Spielsituationen. Klassische Lieder und Balladen laden zum Chillen ein, während Techno oder Rock den Bildschirm mit bunten Partikeln nur so überfluten und sogar den Hintergrundnebel zum Leuchten bringen.

Die Modi

Das Spiel selbst bringt acht eigene Lieder und somit auch acht Level mit. Die meisten davon muss man allerdings erst einmal freischalten. Hierzu sammelt man Diamanten, die man für das Erreichen bestimmter Mindestpunktzahlen bekommt. In jedem Lied lassen sich so bis zu drei dieser Diamanten verdienen. Außerdem gibt es in einigen Levels Sonderregeln wie eine erhöhte Anzahl der bösen Sechsecke oder den Umstand, dass man den Cursor nicht direkt, sondern nur über ein Gummiband steuern darf. Doch der Kernpunkt des Spiels ist und bleibt der Modus „Music Library“, wo Ihr Eure eigenen Songs spielen könnt. Alle Lieder, auch die eigenen, lassen sich außerdem mit bis zu vier Spielern gleichzeitig im Koop oder gegeneinander zocken und auch hier lassen sich die Gummibänder hinzuschalten. Das kann dann schon mal ziemlich chaotisch enden, macht aber unerwartet viel Spaß!

Ein kleines Juwel für zwischendurch

Natürlich bietet Tunescape kein abendfüllendes Programm, aber es ist genau das richtige Spiel für die kleine Runde zwischendurch. Sei es nun zum Entspannen oder um auf Highscorejagd zu gehen. Ob alleine oder mit bis zu drei Freunden. Und selbst wenn man nur seine neueste CD in Ruhe genießen will, kann man dies mit Tunescape noch ein wenig intensiver.

Rating: ★★★★½

Preis: 80 Microsoft Points (zum Marktplatz)

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