Okt 172010
 

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16 Jahre! 16 Jahre sind seit den Mega Drive-Episoden von Sonic the Hedgehog vergangen. Innerhalb kürzester Zeit gelang Sonic damals der Aufstieg zu Segas Firmenmaskottchen, und er gehörte schon bald zu den beliebtesten, bekanntesten und erfolgreichsten Videospielhelden seiner Zeit. Selbst dem dicken, italienischen Klempner aus dem Hause Nintendo wurde er gefährlich. Der blaue Nager stand für Geschwindigkeit, Coolness und großartiges Gameplay. Doch seinen guten Ruf konnte Sonic leider im Gegensatz zu Mario nicht durchgehend aufrecht erhalten. Seit dem Ende der 16Bit-Ära experimentierte Sega fast in jedem neuen Sonic-Titel mit neuen Gameplay-Elementen herum und führte dazu auch ständig neue Charaktere ein.

Doch Knuckles‘ und Rouges Schatzsucher-Einlagen oder Tails‘ und Gammas Ballereinlagen konnten die Fans ebenso wenig überzeugen wie zuletzt die Werigel-Kampfeinlagen in Sonic Unleashed. Lediglich einige Handheld-Ausflüge des Turboigels (Sonic Advance 1-3 sowie die beiden Sonic Rush-Episoden) konnten wertungstechnisch an die gute alte Zeit anknüpfen. Kein Wunder, besann man sich dort doch auf die guten, alten 2D-Tugenden.

Back to the Roots

Und genau dies haben sich die Mannen (und Frauen) vom Sonic Team nun wohl auch bei Sonics großem 2D-Comeback gedacht. Sonic 4 soll wieder das gleiche, unverfälschte Erlebnis bieten wie vor 16 Jahren. Und diesmal fährt Sega wirklich die Retro-Schiene. Keine Experimente. Keine weiteren Charaktere neben Sonic. Nur der blaue Igel, eine Wahnsinns-Geschwindigkeit, die typischen Loopings und unzählige goldene Ringe. Und natürlich unser Bösewicht Dr. Robotnik… ähm… Verzeihung… Dr. Eggman, wie er ja mittlerweile genannt wird.

Und in der Tat fühlt sich das neueste Sonic fast genauso an wie damals in den Jahren 1991/1992. Hinzugekommen ist lediglich die Zielsuch-Attacke, die man aus den neueren Sonic-Games schon kennt: Springt man in die Luft, werden Gegner, Bumper, Seilbahnen und zerstörbare Objekte mit einem roten Cursor markiert. Ein weiterer Druck auf die Sprungtaste lässt Sonic blitzschnell zum markierten Ziel hinpreschen. Den Rest des Gameplays kennt man. Sonic rennt und springt durch die Level, sammelt dabei goldene Ringe ein (die er bei Feindkontakt wieder verliert) und bekämpft allerlei Roboter, die Dr. Eggman ihm auf den Hals hetzt. Das Zusammenspiel aller Elemente klappt dabei ebenso einwandfrei wie damals und macht heute noch genauso viel Spaß wie Anfang der Neunziger.

Comeback der Bonus-Level

Doch ein Sonic-Spiel wäre kein Sonic-Spiel, gäbe es nicht auch die sieben mächtigen Chaos-Emeralds, mit deren Kraft sich Sonic in den goldglänzenden Super Sonic verwandeln kann. Wie zu 16Bit-Zeiten üblich sind diese Chaos Emeralds in Bonus-Leveln versteckt. Die Eingänge hierzu öffnen sich, ebenfalls wie in den guten alten Zeiten, sobald unser Held mit mindestens 50 Ringen das Ende eines Levels erreicht. Wenn Ihr dies geschafft habt, erlebt Ihr gleich Euer nächstes Déjà-vu, denn die Bonuslevel könnten direkt aus Sonic 1 stammen. Wie damals befindet sich unser Igel zur Kugel zusammengerollt in einem 2D-Labyrinth, prallt von den Wänden ab und muss versuchen, innerhalb eines Zeitlimits das Ziel und somit den Chaos Emerald zu erreichen. Doch es gibt einen kleinen aber feinen Unterschied zum Original von 1991: Ihr lenkt nicht Sonic in einem sich automatisch drehenden Labyrinth, sondern Ihr steuert vielmehr die Drehung des Labyrinths, während unser Held automatisch immer nach unten fällt. Anders, aber nicht minder spaßig!

Neuer, alter Glanz

Grafisch gesehen gibt sich Sonic 4 Episode I keine Blöße. Das gesamte Spiel erstrahlt in farbenfroher, detaillierter (und auf den HD-Konsolen hochaufgelöster) 16:9-Grafik. Der Look und das Design orientieren sich dabei an den ersten beiden Sonic-Titeln. Es herrschen also große, simpel gemusterte Flächen und einfache geometrische Formen vor. Die Level sehen dabei allesamt sehr plastisch aus und bieten viele animierte Elemente. Pflanzen bewegen sich, wenn man an ihnen vorbeirennt, und in der Casinowelt drehen sich kleine Würfel, die am Wegesrand stehen. Die Liebe zum Detail ist überall zu erkennen. Und auch wenn das Gameplay komplett zweidimensional daherkommt, so gibt es doch auch wenige, jedoch gut platzierte 3D-Effekte.

Der Soundtrack dagegen wird wahrscheinlich die Gemüter spalten. Hier entschied man sich für simple, sehr retro klingende Hintergrund-Melodien, was an sich ja nicht schlecht ist. Doch keine der Melodien erreicht die Eingängigkeit der alten Soundtracks. Die einzelnen Stücke klingen allesamt irgendwie belanglos und verschwinden aus dem Gedächtnis, sobald man die Konsole ausschaltet.

Episode I? Also nur ein halbes Spiel?

Nein, zum Glück nicht! Der Umfang entspricht mit 12 Leveln (aufgeteilt in 4 Zonen à 3 Level) plus 5 Boss-Akte ungefähr dem, was auch ein Sonic 3 bot. Doch auch wenn die Level an sich recht groß ausfallen und viel Raum zum Entdecken alternativer Routen bieten, so hat man das Spiel doch innerhalb von wenigen Stunden durchgespielt. In Anbetracht des Preises ist dies natürlich dennoch sehr kurz. Diejenigen jedoch, die das „wahre“ Ende mit Super Sonic sehen wollen, werden allerdings ein wenig länger an dem Spiel sitzen, denn die Bonuslevel sind mindestens ebenso knackig wie damals.

Fortsetzung oder Remake?

Wer mit Sonic 4 Episode I jedoch eine Fortsetzung der Geschichte oder gar eine Weiterentwicklung des Gameplays erwartet, wird mit Sicherheit enttäuscht. Denn genau genommen handelt es sich eher um ein Best of oder Remake als um eine Fortsetzung. Alle Zonen, Gegnertypen und selbst die Endgegner stammen ausnahmslos aus den ersten beiden Sonics. Richtig gelesen: Die Settings und die Endgegner werden allesamt recycelt! Dass die Green Hill Zone in Form der Splash Hill Zone ein Comeback feiern wird, war ja zu erwarten. Doch auch die übrigen Zonen stammen allesamt aus Sonic 1 oder 2.

Das Lost Labyrinth erinnert frappierend an die Labyrinth Zone aus Sonic 1, inklusive der Sequenz, wo man bei steigendem Wasserspiegel Eggman verfolgt und dabei Speeren ausweichen muss. Die Mad Gear-Zone ist ein Remake der Metropolis-Zone aus Sonic 2. Und so weiter und so fort. Fans der Reihe bekommen also fast nichts Neues zu Gesicht. Nur ganz wenige neue Features haben es ins Spiel geschafft, so z.B. ein Abschnitt, wo Sonic mit einer Fackel die Dunkelheit erleuchten muss. Dieser Abschnitt ist zwar wirklich ein Highlight des Spiels, aber ein paar eigenständige Ideen mehr hätten es ruhig sein dürfen.

Doch nicht nur das Recycling bereits bekannter Level und Gegner erinnert eher an einen HD-Neuanfang als an eine Fortsetzung. Auch die Tatsache, dass viele Elemente aus Sonic 3 und Sonic & Knuckles einfach wieder gestrichen wurden, verstärkt diesen Eindruck. Die verschiedenen Schilde, durch die unser Igel neue Attacken beherrschte, unter Wasser atmen oder Ringe ansaugen konnte, gibt es zum Beispiel nicht mehr.

Verzicht auf etablierte Features

Ein Intro oder In-Game-Zwischensequenzen oder irgendetwas anderes, das eine Art Story beschreiben könnte, fehlt ebenso. In Sonic 3 wurde im Intro gezeigt, wie Knuckles Sonic die Chaos Emeralds gestohlen hat. Und in den Levels tauchte er dann immer wieder mal auf und stellte Sonic eine Falle. Und in Sonic & Knuckles sah man, wie Knuckles von Dr. Robotnik hintergangen wurde. So etwas gibt es in Sonic 4 Episode I überhaupt nicht mehr, was auch daran liegt, dass es überhaupt keine anderen Charaktere ins Spiel geschafft haben. Weder Tails noch Knuckles. Nicht einmal als NPCs tauchen sie irgendwo auf. Man bekommt daher gar nicht das Gefühl, dass man sich zeitlich gesehen nach den Ereignissen in Sonic & Knuckles befindet oder überhaupt irgendeine Geschichte erlebt.

Seit Sonic 3 hatte man außerdem Wert darauf gelegt, den Eindruck einer großen, zusammenhängenden Welt zu vermitteln, indem man die Übergänge zwischen den Levels durch kleine Zwischensequenzen veranschaulichte. So sah der Spieler, wie die Protagonisten in den nächsten Bereich liefen, irgendwo herunterfielen oder auch mal irgendwo hingeschossen wurden. Dies fehlt in Sonic 4 Episode I ebenfalls. Man wählt die Level ganz schlicht auf einer Oberweltkarte aus.

Best of Sonic 1 and Sonic 2

Man muss sich einfach von dem Gedanken lösen, dass es sich hierbei um eine Fortsetzung handeln soll (sei es gameplay- oder storytechnisch). Denn das ist Sonic 4 Episode I definitiv nicht! Die 4 im Namen ist daher eher irreführend und gehört meiner Meinung nach auch nicht dorthin. Wenn man das Spiel aber als das betrachtet, was es eigentlich ist, nämlich ein gelungenes (HD-)Remake bekannter Sonic 1 und Sonic 2-Szenarien, dann macht es einfach unheimlich viel Spaß und man erfreut sich an den ganzen kleinen Detailverbesserungen – an dem gelungen in die heutige Zeit geretteten Sonic-Feeling der ersten Stunde.

Rating: ★★★★☆

Preis: 2,99€

Kompatibilität: iPad, iPhone, iPod touch

Homepage / App Store

Preis: 6,99€ (Steam)

Betriebssystem: Windows

Homepage / Forum (Steam)

Preis: 12,99€ / $14,99

Homepage / PlayStation-Infoseite

Preis: 1.500 Wii Points

Homepage / Nintendo-Infoseite

Preis: 800 Microsoft Points (zum Marktplatz)

Unlockables: Avatar Auszeichnungen (2), Spielerbilder

Homepage / Forum

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