Nov 192010
 

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Es kommt nicht oft vor, dass vollwertige Rollenspiele als reine Download-Titel veröffentlicht werden. Auch wenn Faery auf den ersten Blick durch den einigermaßen komplexen Charaktereditor das Gegenteil vermuten lässt, so stellt man doch schnell fest, dass hier eher ein Snack bzw. ein Titel für Anfänger geboten wird (was die Spielmechanik betrifft, der Schwierigkeitsgrad ist wählbar). Zum einen bietet der Editor lediglich die Möglichkeit zur optischen Anpassung und nicht der Klasse, zum anderen ist das gesamte RPG-System doch stark vereinfacht. Dies muss freilich kein Nachteil sein, wenn andere Aspekte wie der Spielspaß stimmen. Ob dies gelungen ist, könnt ihr in den folgenden Zeilen nachlesen.

Kleine Helden ganz groß

Zumindest das Setting muss man als gelungen und innovativ bezeichnen. Als kompakte Fee reist ihr durch verschiedene Welten, welche maßstabgetreue Umgebungen und Widersacher zu bieten haben. Der weibliche oder männliche Protagonist ist nicht viel länger als der Kopf eines Menschen. Besonders schön zur Geltung kommt dies in Yggdrasil, einer Baumwelt, in der Vögel und Insekten bedrohliche Ausmaße annehmen. Sogar ein Waschbär ist mit von der Partie!

Wie es sich für Feen gehört, sind diese mit Flügeln ausgestattet, wodurch alle Landschaften von Beginn an komplett frei beflogen werden können. Die kleinen Fabelwesen betreten kein einziges Mal den Boden. Wie in einem Rollenspiel üblich, flattert ihr von NSC zu NSC, führt Gespräche in einem von Mass Effect inspirierten Gesprächsmenü, hört euch Sorgen an und erfüllt Aufträge. Die meisten der Haupt-Quests bieten einen friedlichen und einen kriegerischen Weg ans Ziel, allerdings hat die Gesinnung keine Auswirkungen auf das Spielgeschehen, kann also von Mal zu Mal gewechselt werden. Sämtliche Texte liegen leider nur geschrieben vor, eine komplette Synchronisation hätte wohl die Produktionskosten gesprengt.

Rollenspiel light

Kämpfe werden in guter alter, rundenbasierter Manier ausgeführt. Die Teilnehmer wählen ihre Aktionen und führen diese sofort aus, einer nach dem anderen. Anfangs steht lediglich ein Aktionspunkt zur Verfügung, im späteren Spielverlauf steigt die Zahl auf drei. Verschiedene Attacken und Zaubersprüche kosten eine unterschiedliche Anzahl. Das System ist so stark vereinfacht, dass es keine Magiepunkte gibt, jeder Spruch kann beliebig oft gesprochen werden. Lediglich die mächtigeren Zauber benötigen einige Runden, bevor sie (wieder) zur Verfügung stehen. Ein einfaches Positionssystem (vordere oder hintere Reihe) und eine handvoll Gegenstände für das leibliche Wohl, runden das Gesamtbild ab.

Waffen können nicht ausgerüstet werden, stattdessen legt man die Fähigkeiten und gleichzeitig die optische Erscheinung durch Metamorphosen fest. Wählt beispielsweise die Flügel der Liebelle und erhaltet einen Feuerzauber. Dieser lässt sich aufleveln und durch weitere Metamorphosen gesellen sich mächtigere Feuerzauber hinzu. Ebenso besteht die Party aus zwei weiteren Mitgliedern, die durch ihre Fähigkeiten den Hauptcharakter je nach Bedarf ergänzen. Die zweite Möglichkeit den eigenen Helden anzupassen, geschieht durch gefundene Ausrüstung. Insgesamt acht Kategorien verstärken alle möglichen Bereiche (Blitze, physische Attacken, Heilung etc.), ein komplettes Set bestehend aus fünf Ausrüstungsgegenständen verdoppelt sämtliche Boni.

Gutes Mittelmaß

So charmant und unterschiedlich sich die einzelnen Welten auch darstellen, das Aktionsfeld ist sehr stark eingegrenzt. Aufgrund der Größenverhältnisse findet man auch nach einiger Zeit noch versteckte Winkel, die einem vorher nicht aufgefallen sind. Dennoch vermiesen nervige Suchmissionen die Laune nachhaltig, vor allem, wenn man bestimmte Bereiche zum x-ten Mal abfliegt (vielleicht seid ihr da spitzfindiger als ich). Die Begleiter, die einem an engen Stellen ständig die Sicht rauben, sind der Motivation auch nicht gerade förderlich. Außerdem wird die verbrachte Zeit pro Setting sehr stark in die Länge gezogen, durch einfallslose „fliege dorthin, rede mit dem und dem, besorge das und komm‘ wieder“-Aufgaben. Die Verteilung der Erfahrungspunkte und der Gegenstände ist strikt festgelegt, was meine Aussage ganz zu Anfang nur noch untermauert. Auch die Kämpfe werden mit der Zeit etwas eintönig, ein Schuss mehr Innovation hätte hier sicher nicht geschadet.

Dennoch ist Faery: Legends of Avalon keine schlechtes Spiel. Vor allem die freie Erkundung im dritten Raum macht Laune. Mit einer adäquaten Länge von ca. zehn Stunden, ausreichenden Optionen zur Charakterentwicklung, hübscher Musik und einer Grafik, die absolut in Ordnung geht, erhält man einen ordentlichen Gegenwert für sein Geld. Das Ende ist eine Versprechung, dass wir zukünftig mit Erweiterungen rechnen dürfen, maximal noch so viele, wie deaktivierte Spiegel übrig sind.

Rating: ★★★☆☆

Preis: 14,99€ (nexwaygames)

Betriebssystem: Windows

Homepage / Forum

Preis: 14,99€ / $14,99

Homepage / PlayStation-Infoseite

Preis: 1.200 Microsoft Points (zum Marktplatz)

Unlockables: keine

Homepage / Forum

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  • Phill

    No Sword = No Chance

    • Fee

      bei so nem klassischen rollenspielsysthem is es doch egal ob mit oder ohne schwert… ich steh total auf die zauber 😉

  • FATTAH

    der FATTAH sagt

    SPART EUER GELD

    0000- POINTS