Dez 092010
 

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Es gibt Spiele, die sträuben sich hartnäckig dagegen, sich in irgendeine Schublade stecken zu lassen. In den meisten Fällen liegt dies daran, dass verschiedene bekannte Genres zu einem innovativen, neuen Ganzen verschmolzen werden. Es gibt aber auch immer wieder Spiele, die jeglichen Vergleichen trotzen, weil sie einfach „anders“ sind. The UnderGarden ist so ein Titel.

Mysteriöser Gärtner

In The UnderGarden übernehmt ihr die Kontrolle über ein schwebendes Wesen, das sich inmitten einer labyrinthartigen, unterirdischen Höhlenlandschaft befindet. Wer oder was diese schwebende, knubbelige Erscheinung mit ausgeprägtem Kindchenschema und Hörnern auf dem Kopf ist, wird Euch allerdings nicht verraten. Ebenso wenig, wie es sie dorthin verschlagen hat. Fest steht allerdings, dass ihr auf dem Weg durch die 2D-Level, welche in wunderschöner 3D-Grafik dargestellt werden, allerlei Rätsel lösen müsst.

Dies könnt ihr jedoch nicht ohne die Unterstützung der einheimischen Flora. Denn eure Hauptaufgabe in jedem Level besteht ebenfalls darin, alleine oder im Offline-Koop überall neonfarbene Pflanzen und Pilze sprießen zu lassen. Hierzu sammelt ihr an den großzügig verteilten Pollensäcken Pollen ein, mit denen ihr automatisch alles zum Wachsen und Blühen bringt, an dem ihr vorbeischwebt. Wichtig sind hier besonders die Pflanzen, die Früchte hervorbringen.

Je nach Pflanze weisen die Früchte unterschiedliche Eigenschaften auf, die ihr zum Lösen der zahlreichen Rätsel geschickt ausnutzen müsst. So sind einige Früchte z.B. besonders schwer oder schweben nach oben, wodurch sich Druckplatten am Boden oder an der Höhlendecke aktivieren lassen. Andere Früchte sind explosiv und sprengen euch den Weg frei, wieder andere leuchten euch durch dichten Nebel oder stellen gute elektrische Leiter für mechanische Apparaturen dar.

Das Leben findet einen Weg

So müsst ihr Euch Rätsel für Rätsel, Level für Level immer komplexeren Aufgaben stellen. Doch nicht nur die Kombinationsgabe des Spielers wird einem Test unterzogen, auch seine Geschicklichkeit. Gleitet ihr anfangs noch fast wie von selbst durch die unterirdischen Gänge, trefft ihr schon bald auf die ersten Gefahren. Schwebende Plasmabälle sorgen bei Kontakt dafür, dass ihr alles, was ihr gerade mit Euch herumtragt, fallen lasst und ebenso jegliche Pollen verliert. Hier ist also geschicktes Manövrieren gefragt.

Und auch die Tierwelt sieht eurem Treiben nicht einfach teilnahmslos zu. Manche Höhlenbewohner, wie z.B. amöboide Riesenzellen, saugen alles, was ihnen zu nahe kommt, ein und spucken es in festgelegter Richtung wieder aus. Andere bilden wiederum Schwärme aus winzigen Einzellern, die sich an euch heften und eure Bewegungen verlangsamen. Diese Gegner im weitesten Sinne bewegen sich jedoch nicht frei in den Levels, sondern fungieren eher als weitere, stationäre Hindernisse, die geschickt in die Rätsel integriert wurden und oft sogar Teil der Lösung sind.

Neben dem Ziel, den Ausgang zu erreichen und dabei möglichst einhundert Prozent der Pflanzen erblühen zu lassen, gibt es zusätzlich in jedem der 15 Level einen gut versteckten Kristall, mehrere geheime Blumen und verschiedene Musiker zu finden. Musiker? Genau. Hierzu aber später mehr. Durch das Erfüllen der diversen Ziele und das Aufspüren der versteckten Items schaltet ihr nun nach und nach verschiedene Hautfarben, Hörner und Kostüme für Euer Alter Ego frei, die teilweise sogar die Geräusche und Grafikeffekte verändern, die der schwebende Wicht erzeugt.

Der unmittelbare Zugang zum Einfachsten

Im Zen-Buddhismus heißt es, dass der Mensch als Verstandeswesen durch seine eigenen Ideen und Vorstellungen daran gehindert wird, das Leben wirklich zu leben. Das ständige automatische Bewerten, Urteilen und Analysieren des Erlebten verhindert die vollständige Erfahrung des Lebens an sich.

Daher zielt der Zen-Buddhismus darauf ab, den gegenwärtigen Augenblick und alle mit ihm verbundenen Empfindungen und Gefühle mit vollkommener Achtsamkeit und Konzentration wahrzunehmen. Durch die Beseitigung des analysierenden, bewertenden Ichs bekommt der Mensch wieder Zugang zum Einfachsten: zum Leben und Erleben.

Doch wozu nun dieser Exkurs in philosophische Sphären? Nun, laut Atari handelt es sich bei The UnderGarden um ein Spiel im Zen-Style. Und in der Tat beschreibt der Begriff des Zen am besten, wie man The UnderGarden spielen sollte. Die bloße Beschreibung des Spielprinzips, wie sie in den vorherigen Abschnitten erfolgte, wird dem Titel nämlich keinesfalls gerecht. Denn in erster Linie geht es hier um das Erleben und das Wahrnehmen der atemberaubenden Spielwelt und des meditativen Soundtracks, und nicht um das nüchterne Erfüllen von Levelzielen.

Am Ende eines jeden Levels wird euch z.B. gesagt, wie viele Punkte ihr erreicht habt, aber wie diese sich zusammensetzen oder welche Aktionen als Multiplikatoren fungieren, darüber lässt man euch bewusst im Unklaren. Der Spieler soll sich allein auf das Spielen und die Erfahrung konzentrieren können und nicht vom Punktesystem abgelenkt werden. Man soll der Erfahrung wegen spielen, nicht der Punkte wegen.

Im Rausch der Sinne

Dem Zen-Konzept entsprechend bietet The UnderGarden ein audiovisuell einzigartiges und gleichermaßen beruhigendes wie konzentrationsförderndes Erlebnis. Die Flut an Eindrücken, die auf den Spieler einströmen, während er die karge Höhlenlandschaft in einen neonfarbenen, leuchtenden Garten verwandelt, ist überwältigend. Je weiter man im Spiel voranschreitet, desto ausgefallener und komplexer wird die Flora. Das zentrale audiovisuelle Element stellen jedoch die zuvor bereits erwähnten Musiker dar. Diese kleinen Wesen erfüllen keinen wirklichen Gameplay-Zweck. Doch wenn man sie aufsammelt und mit sich herumträgt, wird die Hintergrundmusik um neue Instrumente bereichert, und alle Pflanzen in der Umgebung verändern rhythmisch ihre Farben und beginnen, sich zu bewegen, was einen wahren Sinnesrausch entfacht, der je nach Level und vorherrschendem Farb- und Musik-Thema unterschiedliche Stimmungen erzeugt.

Dieses Spektakel an Farben, Formen, Tönen und Bewegung stellt die Essenz dessen dar, was The UnderGarden wirklich ausmacht. Darüber sollte man sich im Klaren sein. Denn abstrahiert man diese sensorischen Eindrücke und reduziert das Spiel auf sein nacktes Gameplay, bleibt lediglich ein ruhiges, forderndes Denk-/Geschicklichkeitsspiel übrig, das zwar durchaus überzeugt, aber eben nur einen Teil der UnderGarden-Erfahrung darstellt. The UnderGarden ist somit das perfekte Beispiel für ein Spiel, das mehr ist als die Summe seiner (Gameplay-)Teile.

The UnderGarden Launch-Trailer

Wertung: ★★★★☆

Preis: 9,99€ (Steam)

Betriebssystem: Windows

Homepage / Forum (Steam)

Preis: 9,99€ / $9,99

Homepage / PlayStation-Infoseite

Preis: 240 Microsoft Points (zum Marktplatz)

Unlockables: Keine

Homepage / Forum

 

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  3 Antworten zu “The UnderGarden”

  1. das sieht wunderschön aus! Danke!

  2. Cool – gibts auch im PSN? Schau ich mir fix an! :-) DANKE!

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