Mrz 032011
 

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Auch an mir ging seinerzeit eines der schönsten Spiele des Jahres 2003 vollständig vorbei. Mir sind die Umstände nicht mehr klar im Gedächtnis wie es dazu kam, dass ich mir die Demo für den PC anschaute. Aber bereits nach ein paar Minuten war ich gefangen von dem wundervollen Artdesign und schon kurze Zeit später stand der Titel für meine damals aktuelle Konsole (GameCube) im Regal. Leider ist Beyond Good & Evil mit seinen zehn bis zwölf Stunden Spielzeit viel zu schnell vorbei, dafür bleibt es einem mit seinem variationsreichen Gameplay und den interessanten Charakteren für immer im Gedächtnis.

Dem Spiel war damals leider kein kommerzieller Erfolg vergönnt, umso schöner also, dass nun auch eine neue Generation Dank der HD-Neuauflage in den Genuss dieser Perle kommen darf. Was damals noch als Vollpreisspiel über den Tresen ging, wird von Ubisoft nun als Download für zehn Euro angeboten. Wenn ihr über die detailarme, aber dafür stilistische schöne Grafik hinwegsehen könnt, dann müsst ihr spätestens jetzt einen Blick riskieren.

Allerdings muss ich Ubisoft direkt zu Beginn noch einen dicken Rüffel verteilen. Bei der Steuerung existiert nämlich lediglich die Option, die komplette Steuerung, also X- und Y-Achse gleichzeitig zu invertieren. Dieser Umstand wird sicher viele davon abhalten, dass sie sich weiter mit dem Spiel beschäftigen (bitte bringt einen Patch hierfür raus!).

In guten wie in schlechten Zeiten

Der einst friedliche Planet Hillyus wird von geheimnisvollen Aliens, den DomZ, angegriffen. Der Bevölkerung wird von der militärischen Diktatur unermüdlich versichert, dass man sich um diese Bedrohung kümmere. Doch die Exekutive, die sogenannte Alpha-Abteilung, ist bei Angriffen stets zu spät zur Stelle und steht zudem unter Verdacht, an den mysteriösen Entführungsfällen in der Bevölkerung nicht ganz unbeteiligt zu sein. Jade und ihr Onkel Pey’j kümmern sich um obdachlose Kinder und quartieren sie in ihrem Leuchtturm ein. Als eines Tages bei einer weiteren Attacke der DomZ der Schutzschild aufgrund nicht bezahlter Rechnungen versagt, ist es dringend an der Zeit, sich nach neuen Einnahmequellen umzuschauen.

Reporterin Jade hatte schon längere Zeit keinen Job mehr, da kommt der Vorschlag ihres virtuellen Begleiters Secundo, der in ihrer Gürteltasche verbaut ist und das Inventar verwaltet, gerade recht. Das Wissenschaftsmuseum möchte einen kompletten Katalog allen organischen Lebens auf Hillys erstellt haben. Für jede Spezies erhält Jade direkt nach dem Fotografieren einen Betrag überwiesen, der sich nach dem Seltenheitsgrad richtet. In der Kamera ist zusätzlich ein Scanner verbaut, der sämtliche relevanten Objekte in der Umgebung identifizieren kann. Doch diese Credits sind nicht die einzige Währung, wertvolle blaue Perlen (insgesamt 88 sind im Spiel versteckt) wurden zwar von der Regierung als Zahlungsmittel verboten, gelten in der Mammago Garage aber noch immer als einzig veritables Kapital.

Was in anderen Spielen als „Dungeon“ bezeichnet wird, sind hier Aufträge, bei denen Jade Fotos als Beweise der kriminellen Machenschaften von Regierung und Aliens sammeln muss. Wenn sich der Beruf eines Journalisten auf der Erde allerdings ähnlich schweißtreibend und gefährlich gestalten würde, bekämen wir in Zukunft erheblich weniger visuelles Material in der Tagesschau zu sehen.

DIE klassische Szene, welche sich bereits kurz nach Spielstart ereignet.

Vielfalt und Automatik

Das Gameplay setzt sich aus einem Sammelsurium an verschiedenen Elementen zusammen: mit dem Hovercraft erkunden und Rennen fahren, langsame Schleichpassagen wechseln sich mit hektische Verfolgungsjagden ab, die meiste Zeit spielt ihr jedoch ein Third-Person Action-Adventure. Das Kampfsystem wurde auf ein Minimum reduziert. Jade visiert automatisch den nächsten Gegner an und umkreist ihn, eine Taste dient zum ausweichen, eine weitere führt eine Attacke aus. Insgesamt übernimmt das Spiel ziemlich viele Aktionen selber. Die Protagonistin erklimmt selbstständig ohne Knopfdruck Vorsprünge und springt von Plattform zu Plattform, in den Tod stürzen kann sie nicht. Viele Handlungen werden durch eine Kontext-sensitive Taste ausgelöst, zudem geht Jade automatisch an einer Wand in Deckung.

Trotz dieser sehr vereinfachten Steuerung spielt sich Beyond Good & Evil flüssig und nicht hakelig oder gar frustig. Einzig die launige Kamera macht einem an engen Stellen arg zu schaffen. Das ist zu Beginn im friedlichen Leuchtturm noch zu verschmerzen, stört bei nervenaufreibenden Schleichpassagen, bei denen es um Leben oder Tod geht, jedoch enorm. Denn obgleich sich Jade gegen schwächere Gegner gut zur Wehr setzen kann, ist und bleibt sie nunmal eine Reporterin. Gegen die hochgezüchteten Soldaten der Alpha-Einheit hat sie lediglich im Kampf eins gegen eins eine reelle Chance. Bei höherem Gegenaufkommen zieht sie meist den Kürzeren, vor allem in beengten Verhältnissen.

Sofern sie nicht gerade alleine unterwegs ist, hilft Jade ihr aktueller Partner natürlich ebenfalls in den Gefechten. Aber auch mit dieser Unterstützung sind die Gegner meist im Vorteil. Besonders interessant wird die Kooperation mit der AI aber beim Lösen der diversen, nicht allzu schweren Rätseleinlagen. Ein System welches beispielsweise Enslaved auf der aktuellen Konsolengeneration wieder erfolgreich aufgegriffen hat. Die Verbindung/Beziehung zwischen den Protagonisten wird auf diese Weise immer sehr schön intensiviert.

Es hätte der Beginn von etwas Großem sein können…

Die recht kleine, aber doch nach und nach offenere Welt, lädt dennoch zum Erkunden ein. Es gibt einige Areale abseits der Hauptstory, in denen sich neue „Herzcontainer“, Credits, Starkos und K-Bups (fiktionales Essen für ein gesünderes Leben), sowie Perlen finden lassen. Besonders spaßig war für mich immer die Hatz nach den organischen Lebensformen, für die teilweise einige Tricks vonnöten sind, um sie vor die Linse zu bekommen. Denn gerade bei dieser Artenvielfalt wird die Phantasie der Entwickler deutlich. Zusammen mit den fluoreszierenden Höhlen wird so ein kreatives und zudem sehr schön anzusehendes Bild eines fernen Planeten gezeichnet.

Trotz einer teilweise nervigen Kamera, dem etwas zu simplen Kampfsystem aber vor allem der (leider) viel zu kurzen Spieldauer, ist Beyond Good & Evil ein wunderschönes Spiel, welches in jede Sammlung gehört. Ursprünglich war es als Trilogie geplant, wodurch sich die kurze Spielzeit erklären lässt. Viele der tollen Ideen wie z.B. das clevere Inventar, in dem man wie bei einem Adventure Gegenstände zwischen den Charakteren hin und herschieben kann, wurden viel zu spärlich verwendet. Man merkt an vielen Stellen, dass auch The Legend of Zelda als Vorbild diente (u.a. Perlen in Minispielen verdienen), welches bis heute leider immer noch viel zu wenige Entwickler vernünftig in ihre Kreationen als Inspirationsquell einfließen lassen.

Rating: ★★★★☆

Preis: Freeware 4,99€ (Steam)

Betriebssystem: Windows

Homepage / Forum (Steam)

Preis: €9,99 / $9,99

Extras: keine

Homepage / PlayStation-Infoseite

Preis: 800 Microsoft Points (zum Marktplatz)

Unlockables: Keine

Homepage / Forum

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  • Pflaume XVII

    Super Review zu einem super Spiel.

  • Malkavianer

    Jup, die HD-Variante ist sehr gut gelungen. Und das Spiel selbst ist über jeden Zweifel erhaben 🙂