Mrz 132011
 

Wenn ihr Diablo oder einen der vielen Klone (Titan Quest, Sacred 2 etc.) kennt, dann kennt ihr auch Torchlight. Und das kommt nicht von ungefähr. Denn sämtliche Mitarbeiter des Entwicklers Runic Games arbeiteten zuvor an ähnlichen Projekten. Dem ikonischen Dungeon Crawler aus dem Jahre 1996 selber, an Fate, Hellgate: London und Mythos. Bei einer derart geballten Fachkompetenz wundert es nicht, dass Torchlight von allen Seiten überschwängliche Lobgesänge einheimsen konnte. Was sich auf dem PC seit nunmehr über 15 Jahren als überaus erfolgreiche Gattung tummelt, kann auf Konsolen nur vergleichsweise wenige herausragende Vertreter vorweisen.

Das erste Projekt von Runic Games erfindet das Genre keinesfalls neu oder hat irgendwelche Innovationen zu bieten. Es legt stattdessen Wert darauf, die Kernkompetenzen eines Dungeon Crawlers – kämpfen ohne Ende, bergeweise Beute sammeln und den Charakter aus einem großen Pool von Fähigkeiten personalisieren – besonders hervorzuheben und ihnen den nötigen Feinschliff zu verpassen.

Des einen Freud, des anderen Leid

Natürlich schmeckt diese starke Fokussierung nicht jedem. Die zwar vorhandene, aber doch stark nebensächliche und wenig packende Story, die immer gleiche „Quest“-Struktur – in einem Verlies ein Monster töten und den Gegenstand an die Oberfläche bringen – und das sehr repetitive Gameplay sind wahrlich nur für eine spezielle Gattung Gamer geeignet. Wer aber darauf steht, der wird in Torchlight fürstlich damit bedient. Es dauert keine zwei Minuten von der Charakterauswahl bis zu den ersten Kämpfen, kein Tutorial steht der Schlachtplatte im Weg. Und auch im späteren Spielverlauf werden die Wege Verlies >> Stadt >> Händlern >> Verlies auf ein Minimum reduziert.

Als ob die unausweichlichen Flut an Ausrüstungsgegenständen noch nicht genug wäre, dürfen zusätzlich zu den Fähigkeiten bis zu vier Zaubersprüche (unabhängig zur gewählten Klasse) gleichzeitig erlernt werden. Wer eine Pause von dem vielen Blutvergießen benötigt, kann an speziell dafür vorgesehenen Plätzen die Angel auswerfen und neben Fischen auch nur so erhältliche Gegenstände ergattern. Das Geangelte dient aber nicht als Nahrung im herkömmlichen Sinne, sondern bringt dem treuen Tierbegleiter zeitlich begrenzte Statusveränderungen (inkl. Metamorphosen). Weiter lassen sich gefundene Juwelen mit identischen Ebenbildern fortwährend veredeln und sorgen dann in Gegenstände gesteckt für bessere Werte. Zusätzlich darf auch eine permanente Verzauberungen gegen Bares versucht werden (Juwelen lassen sich wieder entfernen), wobei hier bei einem erfolglosen Versuch das Geld leider futsch ist.

Steuerung am PC vs. Konsole

Auf dem Personal Computer erwartet euch das gewohnte Bild: ihr klickt an eine Stelle und euer Charakter bewegt sich dorthin, mit Hotkeys löst ihr Fähigkeiten und Zauber aus. Das funktioniert wie man es seit Jahren gewöhnt ist wunderbar. Diese indirekte Steuerung ist für ein Joypad natürlich gänzlich ungeeignet, weshalb ihr euren Charakter in Torchlight auf der Konsole direkt steuert, wie in einem handelsüblichen Action-Adventure. Maximal vier Zauber/Fähigkeiten legt ihr auf die Tasten, Tränke für Mana und Lebensenergie haben einen fest zugewiesenen Knopf. Per D-Pad kann auf eine Zweitbelegung dieser vier Tasten geschaltet werden, wodurch ihr faktisch über acht Aktionen jederzeit schnell verfügen könnt.

Obwohl mit der Maussteuerung natürlich alles in Ordnung ist, fühlt man sich auf der Konsole durch die direkte Steuerung mehr mit der Figur verbunden. Für den einen ist dies Geschmackssache, für den anderen eine Ideologie. Mir hat diese Art jedoch besser gefallen und ich war zudem überrascht, wie natürlich sich insgesamt das ureigene PC-Genre auf der Konsole doch anfühlt. Letzteres gilt auch für die komplett überarbeitete Benutzeroberfläche, die PC-Spieler nicht mehr wieder erkennen werden. Es bedarf ein wenig Übung sich durch die drei parallel angezeigten Inventare (Händler, Charakter, Haustier) zu bewegen, aber danach geht alles flott und unkompliziert von der Hand. Schmerzlich vermisst wird lediglich die Möglichkeit, die jeweilige Kategorie (Waffen, Rüstungen) nach Art zu sortieren (Schilde, Schuhe usw.). Dadurch wird das Vergleichen der Werte ein wenig erschwert. Zudem haben Besitzer eines SD-Fernsehers keine Chance, die Massen an zum Teil doch sehr kleinen Text zu entziffern. Mein Tipp: es ist sowieso an der Zeit, endlich aufzurüsten!

Für Einsteiger und Unwissende

Ihr habt keine Ahnung, wovon hier die meiste Zeit die Rede ist? Dann möchte ich euch mit diesem Paragraphen eine kleine Einführung geben. Zu Beginn wählt ihr einen von drei Charakteren – Kämpfer, Alchemist oder Bogenschützin – die jeweils spezielle Fähigkeiten erlernen können. Der Alchemist kann beispielsweise aus 33 Fähigkeiten wählen (die beiden anderen nur jeweils 30), verfügt über die stärksten Angriffszauber und kann Kreaturen beschwören, während die Bogenschützin besonders gut mit Pistolen, Gewehren, Bogen und Armbrüsten (hihi) umzugehen weiß, und bevorzugt mit ein wenig Abstand attackiert.

Als nächstes entscheidet ihr euch für eines von drei Haustieren, welche sich lediglich optisch unterscheiden. Sie stehen euch bei Kämpfen zur Seite, können mit Schmuck ausgerüstet werden und erlernen maximal zwei Zaubersprüche gleichzeitig, die sie automatisch im Kampf einsetzen. Die Tierchen haben ihre eigene Lebens- und Manabalken, welche sich mit Tränken in ihrem Inventar auf Vordermann bringen lassen. Das Inventar des Begleiters ist genauso groß, wie das des Helden. Mit einem Tastendruck rennt das Viech los in die Stadt und verkauft alle nicht angelegten Gegenstände automatisch, während ihr tiefer in die Verliese vordringt.

Das gesamte Spiel ist in einer feststehenden isometrischen Sicht von schräg oben zu sehen, die Kamera kann nicht gedreht, aber gezoomt werden. Passiert etwas Wichtiges hinter soliden Wänden, bekommt ihr es in blauen Umrissen zu Gesicht. Das Kampfsystem könnte einfacher nicht sein: per Knopfdruck löst ihr eine Attacke mit der zugewiesenen Waffe, der Fähigkeit oder dem Zauberspruch aus. Permanentes Klicken für sukzessive Aktionen ist nicht nötig, es reicht völlig, die Taste gedrückt zu halten. Den Bösewichten wird nicht aktiv ausgewichen (ihr könnt euch natürlich positionieren), stattdessen ist es enorm wichtig, stets einen erschöpfenden Vorrat an Heiltränken im Gepäck zu haben und ständig ein Auge auf die Lebensenergie zu richten.

Neben dem fortwährenden Kämpfen lautet die zweite große Komponenten dieser Spielegattung: vergleichen. Im Sekundentakt lassen besiegte Kreaturen neue, potentiell bessere Angriffs- und Verteidigungsgegenstände fallen. Die einzige Möglichkeit herauszufinden, ob der neue Kram dem bisherigen den Rang abläuft ist es, jeden einzelnen Wert und jedes Item gegenüberzustellen. Die Vielfalt der Wertekombinationen kennt nahezu keinen Grenzen und auch in diesem Bereich bietet Torchlight ein enormes Spektrum, den Charakter zu spezialisieren bzw. den eigenen Wünschen anzupassen. Da im Spiel selber, wie bereits erwähnt, so gut wie kein Tutorial existiert, möchte ich euch die offizielle Anleitung als PDF hier ans Herz legen (leider nur auf englisch), mit einer Fülle an guten Tipps für den richtigen Einstieg: Downloadlink Anleitung.

Das Ende vom Lied

Mit vier Schwierigkeitsgraden und der Option, den Tod permanent zu machen, mit gegen unendlich gehenden Verliesen, die per Zufall erzeugt werden und einer erdrückenden Vielfalt an Gegenständen, bietet Torchlight unzählige Stunden Spielspaß zu einem Budget-Preis. Schon auf dem PC eine Kaufempfehlung, kommen Besitzer einer Dreisechzig mit dem Hang zu diesem Genre kaum um Anschaffung herum. Das Fehlen eines Koop-Modus mag schmerzlich vermisst werden, in diesem Punkt verspricht zum Glück die Fortsetzung, die noch dieses Jahr erscheinen soll, nachzubessern. Alle Ego-Klopper mit Hang zu Loot greifen zu, wer Story und abwechslungsreiche Quests braucht, sollte lieber woanders schauen.

Rating: ★★★★½

Preis: 14,99€ (Steam)

Betriebssystem: Windows, Mac OS X

Homepage / Forum

Preis: 1.200 Microsoft Points (zum Marktplatz)

Unlockables: Avatar Auszeichnungen (2), Spielerbilder (2)

Homepage / Forum

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