Mrz 142011
 

Vielleicht mag sich der eine oder die andere noch an die tolle interaktive Gameshow 1 gegen 100 auf Xbox Live erinnern, bei der jedes Goldmitglied als Kandidat mitspielen und reale Preise gewinnen konnte. Es gab sicher einige Ärgernisse wie sich wiederholende Fragen oder Probleme mit der Verbindung, aber insgesamt hatte das Ganze, vor allem mit ein paar Freunden zusammen, doch wirklich sehr viel Spaß gemacht. Die Nachricht im letzten Jahr, dass es keine neue Staffel mehr geben wird, traf sicher nicht nur mich ziemlich unvorbereitet. Was hat das alles jetzt mit diesem Pokerspiel zu tun?

Ganz einfach: Full House Poker tritt sicher nicht an die Stelle von 1 gegen 100, so wie im Vorfeld gerne propagiert wurde. Es bietet einen speziellen Online-Modus, den man mit der Gameshow vergleichen kann, aber zum einen kostet Full House Poker Geld, zum anderen lassen sich (leider) keine realen Preise gewinnen, sondern lediglich Ingame-Items. Warum das Game aber trotzdem seinen Eintrittspreis von zehn Euro wert ist und eine Menge Spaß macht, lest ihr jetzt.

Zunächst möchte ich erwähnen, dass ich schon seit geraumer Zeit eigentlich nur noch um Geld pokere (online und von Angesicht zu Angesicht). Deshalb war ich auch mehr als ein wenig skeptisch, ob mich ein Titel mit Spielgeld wirklich fesseln kann. Die Punkte, in denen mich Full House Poker dann schließlich überzeugen konnte waren die Präsentation, die Erfahrungspunkte und der Texas Heat-Modus. Gespielt wird übrigens ausschließlich Texas Hold’em.

Präsentation – Da guggst du!

Im Vergleich zum anderen XBLA-Titel Texas Hold’em Poker ist dies wohl das überzeugendste Argument. Ihr spielt mit eurem Avatar, der hier nun endlich einmal zu einem überaus sinnvollen Einsatz kommt. Er kann entweder seine auf dem Marktplatz erworbene Garderobe tragen oder Outfits, die ihr im Spiel selber freigeschaltet habt. Egal wie viel in der Vergangenheit über diese angeblichen Mii-Imitate auch gemeckert wurde, in diesem Titel beweisen sie, dass sie durchaus einen entscheidenden Beitrag leisten können. Denn ohne das dynamische Alter Ego am Pokertisch wäre es nur halb so schön. Viele Animationen laufen zwar von alleine ab, aber ihr könnt immerhin Chip-Tricks ausführen und jegliche Aktion auf zwei Arten ausführen lassen: vorsichtig oder selbstbewusst.

Das hört sich nun vielleicht nicht sonderlich spektakulär an, aber aufgrund dieser optischen Spielereien lassen sich auch ausgesprochene Poker-Muffel mit Links zum pokern animieren. Ich habe mir Texas Hold’em Poker nochmal angeschaut und war von dessen Präsentation fast schon angewidert!

Erfahrungspunkte – Schalt! Mich! Frei!

Was lange den Rollenspielen vorbehalten war, findet sich heutzutage in jedem Titel wieder, der die Spieler über einen längeren Zeitraum vor die Daddelkiste binden möchte. Und das funktioniert auch mit Poker wunderbar. Egal welchen Modus ihr spielt, solange ihr gut seid (auch schlaues Folden wird belohnt) sammelt ihr EP, steigt Level auf und schaltet haufenweise Kram frei: Titel, Chiptricks, Klamotten und Stile für Karten, Stühle und Tische. Das motiviert ungemein, ganz unabhängig davon, dass der Einsatz darauf beschränkt ist, die Sachen in Online-Partien zur Schau zu stellen. Leider ist bei Level fünfzig schon Schluss und das haben in der kurzen Zeit vor der Veröffentlichung bereits einige Spieler geschafft. Da stellt sich die Frage, wie groß die Motivation nach erreichen der höchsten Stufe bleibt? Ich kann es bisher leider nicht beantworten.

Der Texas Heat-Modus – Einsam, zweisam, tausendsam

Jetzt kommen wir zum eigentlichen Star und DEM Kaufgrund für Full House Poker. Texas Heat nennt sich ein spezieller Modus, den ihr nur zu bestimmten Zeiten spielen könnt. In einer Lobby bzw. einem Raum halten sich maximal dreißig Spieler auf, die an je drei Tischen zu zehnt pokern. Soweit nichts Besonderes, denn das ist auch im normalen Mehrspieler möglich. Bei Texas Heat habt ihr allerdings pro Runde nur 25 Minuten Zeit, so viele Erfahrungspunkte und Chips wie nur irgend möglich zu verdienen. Die drei Tische haben unterschiedliche Wertigkeiten, die durch eins bis drei Diamanten gekennzeichnet sind. Am höchsten Tisch (drei Diamanten) spielt ihr mit den höchsten Einsätzen und habt am meisten Chips zur Verfügung. Verliert ihr hier alles Geld, steigt ihr an den nächst niedrigeren Tisch ab, an dem nicht ganz so hoch gepokert wird. Um einen Diamanten aufzusteigen, müsst ihr zum richtigen Zeitpunkt Chipleader sein. Dieser Zeitpunkt wird angesagt, wann es allerdings genau jeweils soweit ist, konnte ich bisher nicht in Erfahrung bringen. Am besten bleibt ihr einfach so lange wie möglich an erster Stelle.

Diese Dynamik zwischen den Tischen macht zusammen mit ein paar Kollegen wirklich Laune. Ihr seht in den Statistiken nicht nur, wie gut ihr im Vergleich zu euren Freunden oder am jeweiligen Tisch seid, sondern auch auf globaler Ebene. Denn alle Spieler weltweit treten pro Show oder Folge (wie ihr es nennen wollt) gegeneinander an, wer die meisten Erfahrungspunkte sammeln kann. Die Möglichkeiten Chips und EP für das eigene Konto zu scheffeln sind zu vielfältig, um sie hier alle aufzuführen. Wie bei 1 gegen 100 gibt es „Staffeln“, welche ihr durch ein kleines Add-On herunterladen müsst. Scheinbar sind diese Staffeln nach Jahreszeit geordnet, die erste heißt zumindest „Frühjahr 2011“. Mit jedem Download werden zudem drei neue Erfolge mit insgesamt fünfzig Gamerscore hinzugefügt. Wie man hört, sollen Erfolge auch nicht ganz unbeliebt sein und die Langzeitmotivation fördern.

Spiel, Satz und Sieg

Wenn ihr keine Freunde habt und euch auch davor scheut, online zu spielen, dann werdet ihr mit Full House Poker sicher keinen Spaß haben. Der Einzelspieler ist doch arg eingeschränkt, lediglich die Möglichkeit einen Tisch oder ein Turnier zu spielen werden geboten und ihr dürft gegen neun frei erfundene Profis im Heads-Up (eins gegen eins) antreten. Da bieten alle anderen bisher erhältlichen Pokerspiele erheblich mehr Content. Auch der normale Multiplayer strotzt nicht gerade vor Vielfalt, aber vor allem Turniere mit bis zu dreißig Mitspielern haben natürlich ihren Reiz.

Mit jedem Freund/Bekannten/Kollegen, den ihr zu einem Kauf und zum regelmäßigen Spielen animieren könnt, steigt auch der Spaßfaktor. Wie lange sich dieser hält, ist schwer zu sagen. Wir spielen bisher lediglich zu dritt, aber dafür seit vier Tagen fast ununterbrochen und mit ungebrochener Begeisterung. Mit dabei ist ein Neuling, der zuvor nie gedacht hätte, dass ihm Poker Spaß macht und eben ich, der alte Hase der dachte, er könne Spielgeld nichts mehr abgewinnen. Das sagt glaube ich schon alles über die Qualitäten von Full House Poker aus.

Rating: ★★★★☆

Preis: 2,99€

Erforderlich: Windows Phone 7.5 oder höher

Homepage / zum Marktplatz

Preis: 800 Microsoft Points (zum Marktplatz)

Unlockables: Avatar Auszeichnungen (2)

Homepage / Forum

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