Mrz 282011
 

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Beim Anschauen der Screenshots denkt man sich: „Ist es Lemmings? Ist es Pikmin?“ Die Antwort lautet: Ein bisschen von beidem, aber keines so richtig. Aus Pikmin kennen wir die direkte, gleichzeitige Steuerung einer großen Zahl „Anhänger“ und dass sich bestimmte Schalter nur mit einer festgelegten Anzahl dieser aktivieren lassen. Aus Lemmings hingegen wurde die Idee aufgegriffen, dass der Einzelne sich dem Kollektiv unterzuordnen und für dieses bereitwillig zu opfern hat. Letzteres ist sogar ein elementares Spielelement, denn selten wird so oft, so grausam-schön und so wichtig gestorben wie in Swarm.

Das beginnt schon im Hauptmenü, wo der psychologisch betitelte „NICHT DRÜCKEN“-Knopf dem immer wiederkehrenden, bildschirmgroßen Schwarmling eine von vielen verschiedenen Todesarten beibringt. Es gibt sogar für jede der neun Möglichkeiten des Verreckens™ diverse Medaillen zu verdienen. So brutal die Darstellung auch sein mag, sie kommt ohne Blutvergießen aus und ist generell eher witzig denn abstoßend. Trotzdem würde ich meinem sechsjährigen Sohn (wenn ich denn einen hätte) natürlich nicht Swarm in die Finger geben, egal wie comic-haft es auch zugehen mag.

Alles für den Dackel den Schwarm, alles für die Mama

Mama ist ein riesiges blaues Alien und Mama braucht einen neuen Hut (…fragt nicht…). Um an diesen zu gelangen schickt sie ihre Sprösslinge, die wie unerschöpfliche Legionen aus ihrem gebärfreudigen Uterus herausströmen, in den Kampf gegen das – klar – böse Hutmonster. Auf dem Weg dorthin gilt es, tausende von Fallen in zehn (teils recht langen) Leveln auszulösen und zwei Endgegner zu besiegen. Swarm spielt sich wie ein Platformer, im Grunde lauft und springt ihr die meiste Zeit. Maximal fünfzig Swarmies steuert ihr gleichzeitig, welche weitere Tricks beherrschen: sie können sich zusammenrotten oder großflächig ausschwärmen, zu einem Turm auftürmen, eine kollektive Attacke ausführen, aber auch Gegenstände wie explodierende Bälle benutzen. Bis die Steuerung der großen Herde in Fleisch und Blut übergegangen ist, bedarf es einiger Übung. So einfach sich das Grundkonzept auch anlässt, die Feinheiten des Gameplays (und damit höherer Punktezahlen) offenbaren sich erst nach einigen intensiven Sitzungen.

Auf ins Verderben!

Zunächst setzt euch Mama am Beginn des Levels in voller Besetzung aus. Das Ziel lautet in erster Linie, eine gewisse Punktzahl zu erreichen und das Level abzuschließen. Die Punkte liegen entweder einfach so auf der Straße, offenbaren sich per Schalterdruck oder müssen durch artistische Aktionen freigelegt werden. Während der ganzen Zeit addiert sich ein Multiplikator, der nach wenigen Sekunden abläuft, sollten keine weiteren Punkte gesammelt werden. Geschieht dies, werden die bis dahin verdienten Punkte dem Konto gutschreibt. Um höhere Punktezahlen zu erreichen, muss der Multiplikator möglichst lange (bevorzugt über die Dauer des gesamten Levels) am Leben gehalten werden. Im Zweifel gelingt dies nur durch opfern einiger Swarmies, was nämlich ebenfalls das Punktekonto erhöht und den Multiplikator füttert.

Als zusätzliche Voraussetzung muss natürlich mindestens ein Schwarmling am Leben bleiben. Sind alle tot, ist logischerweise auch der Multi, sowie alle bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gutgeschriebenen Points futsch. Glücklicherweise stehen verstreut am Wegesrand von Zeit zu Zeit Checkpoints, die den aktuellen Punktestand und die Position sichern. Ebenfalls von elementarer Bedeutung sind die blauen Respawn-Punkte, welche euren Schwarm wieder aufstocken. Meist ist dies bis zur vollen Stärke und auch mehrmals möglich, die Quelle versiegt allerdings früher oder später.

Würden sie diesen süß dreinblickenden Kerl töten? SIE MÜSSEN!

Von Zeit und Zufall

Während man also anfangs noch bemüht ist, die nötigen Punkte für das Freischalten des nächsten Levels zusammen zu kratzen und sich gegen die mannigfaltigen Unwegsamkeiten zu behaupten, steigt mit größer werdendem Spielverständnis nicht nur die Punktzahl pro Level, sondern auch der Ehrgeiz, besser zu sein als die Freunde/Bekannte. Für fortgeschrittene Spieler bietet der stetig schwindende Zeitbonus einen weiteren Anreiz, die Level möglichst schnell und möglichst gut zu absolvieren.

Allerdings kommt in diesem Zusammenhang ein recht nerviges, weil unberechenbares Element zum tragen. Aufgrund der hohen Zahl der gleichzeitig zu steuernden Akteure und der mancherorts doch sehr fies platzierten Fallen, ist man nicht zu jedem Zeitpunkt HerrIn der Lage. Der Zufall spielt eine nicht von der Hand zu weisende Rolle, ob eine Sektion besser oder schlechter gemeistert wird, was ich bei der Jagd nach ernsthaften Highscores als störend empfunden habe. Grund dafür ist meines Erachtens das Leveldesign, welches den Stärken von Swarm nicht gerade in die Karten spielt.

Momma’s Got A Brand New Hat

Vor allem die späteren (der ohnehin etwas zu wenigen) Stufen, bieten statt neuen, ausgeklügelten Designs ein wenig zu viel Frust und Uninspiriertheit für meinen Geschmack. Alles in allem ist Swarm aber dennoch ein mehr als gelungener Download-Titel. Er bietet genau die Portion Innovation und Einzigartigkeit, welche in der heutigen Zeit benötigt wird.

Bis auf das oben erwähnte Zufallselement, gibt es kaum Grund zur Klage. Die Steuerung geht nach ein wenig Übung hervorragend von der Hand, die Langzeitmotivation ist durch Bestenliste und Medaillen-System für dieses Preissegment absolut zufriedenstellend. Wer also auf der Suche nach einem etwas anderen Platformer mit Puzzle-Bestandteilen und viel Action ist, der sollte einen Blick riskieren. Allerdings bleibt am Ende des Tages ein kleiner, fader Beigeschmack, ob sich aus dem eigentlich tollen Grundkonzept nicht doch hätte mehr herausholen lassen.

Rating: ★★★★☆

Preis: 12,99€ / $14,99

Homepage / PlayStation-Infoseite

Preis: 400 Microsoft Points (zum Marktplatz)

Unlockables: Avatar Auszeichnungen (2)

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