Apr 042011
 

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Zu Beginn der Goldenen Ära der Arcade-Spiele, genauer gesagt im Jahre 1980, erschien ein Automat, der weltweit die Herzen aller Spieler im Sturm eroberte: Pac-Man. Auf dem Erfolg und dem Ruhm dieser Zeit aufbauend erschienen über die Jahre und Jahrzehnte hinweg immer wieder Nachfolger und Neuauflagen. Selbst heutzutage gibt es eigentlich kaum jemanden, der den kleinen, gelben Vielfraß nicht kennt.

Back to the Roots, die Erste

Und um dem kleinen Helden nach unzähligen (eher mauen) Ausflügen, die sich mittlerweile weit vom ursprünglichen Gameplay entfernt hatten, wieder auf die (nicht vorhandenen) Beine zu helfen, besann man sich bei Namco wieder auf die eigentlichen Pac-Man-Wurzeln und veröffentlichte im Jahr 2007 die Pac-Man Championship Edition DX. Diese behielt das ursprüngliche Konzept (in einem 2D-Labyrinth Pillen und Früchte aufsammeln und dabei Geistern ausweichen, die bei Kontakt tödlich sind) bei und peppte das Ganze gelungen mit einer Neon-Retro-Grafik und einigen kleinen, aber ungemein feinen, Gameplay-Kniffen auf.

So füllten die Pillen die Labyrinthe nicht mehr vollständig aus, sondern füllten nur einige bestimmte Bereiche und Wege. Bei genauerer Betrachtung bildeten die Pillen dabei meistens sogar eine Art ideale Route, der man während der Sammelei folgen sollte. Ein weiteres Novum war die Teilung des Spielfeldes in zwei Hälften. Hatte Pac-Man in einer Hälfte alle Pillen gefuttert, erschien auf der gegenüberliegenden Seite des Spielfeldes eine Frucht, die beim Verzehr nicht nur Bonuspunkte versprach, sondern auch die leergefressene Spielhälfte komplett entfernte und durch eine neue Labyrinth-Hälfte ersetzte. Inklusive verändertem Level-Layout und neuen Pillen. Anstatt also einen Level komplett zu leeren und dann in den nächsten zu wechseln, blieb man hier nun permanent im Spiel und arbeitete sich dadurch vor, dass man eine Hälfte nach der anderen abgraste und kontinuierlich das Layout des Levels veränderte.

Back to the Roots, die Zweite

Ende 2010 erschien nun mit der Pac-Man Championship Edition DX eine nochmals erweiterte und ausgefeiltere Version. Das Grundprinzip orientiert sich hierbei ganz klar an der soeben beschriebenen Championship Edition. Soll heißen, Eure Hauptaufgabe besteht nach wie vor daraus, eine Spielfeldhälfte nach der anderen leer zu futtern, um immer komplexere Level-Layouts aufzudecken. Der Clou und das eigentliche Novum der DX-Version stellt nun der neuartige Gegnertyp dar. Die bereits bekannten vier Geister, welche völlig autark kreuz und quer durch das Labyrinth wuseln, treten nämlich nur noch vereinzelt auf. Dagegen sind die Level nun von einer Vielzahl neuer, schlafender Geister bevölkert, die sich erst in Bewegung setzen, wenn Pac-Man an ihnen vorbeimarschiert.

Die Geister, die er rief

Doch sie laufen dann nicht wie ihre Vorgänger planlos durch den Level, sondern heften sich schnurstracks an Pac-Mans (imaginäre) Fersen. Je länger Ihr also durch das Labyrinth lauft und je mehr Geister Ihr dabei weckt, desto länger wird die Schlange aus Geistern, die Ihr hinter Euch her zieht. Gleichzeitig steigt auch die Spielgeschwindigkeit immer weiter, wodurch das Spiel wesentlich flotter und dynamischer wird als sein berühmter Urahn.

Doch wie wird Pac-Man die Geister nun wieder los? Logisch, mit Hilfe der berühmten Power-Pillen! Schluckt der Vielfraß eine dieser seltenen Pillen, werden (wie schon im Original-Automaten und auch so ziemlich allen Nachfolgern) die Geister blau gefärbt und treten die Flucht an. Denn nun wird der Spieß umgedreht, und Pac-Man kann die transzendenten Quälgeister nun für einen begrenzten Zeitraum ebenfalls verspeisen. Je mehr Geister Ihr am Stück vernascht, desto höher steigt die Geister-Kombo und somit Eure Punktzahl. Somit zahlt es sich aus, riskant zu leben und immer möglichst viele Geister hinter sich her zu locken.

Lebensverlängernde Maßnahmen

Da es jedoch mit fortschreitender Spieldauer und -Geschwindigkeit immer schwieriger wird, den Gegnern auszuweichen, wurde das Gameplay um 3 nette Gimmicks erweitert. Zum einen darf man (wie bereits in der 2007er Championship Edition) schon vor einer Kurve in die entsprechende Richtung drücken, so dass Pac-Man funkensprühend an der Wand entlang schrammt und ein paar Hundertstel Sekunden spart, wenn er die Kurve enger nimmt. Zum anderen schaltet das Spiel nun automatisch kurz vor Feindkontakt (und somit dem eigentlich sicheren Tod) in die Zeitlupe, so dass man die Gelegenheit bekommt, im allerletzten Moment doch noch auszuweichen. Das dritte Lebensretter-Feature sind die Bomben, welche Ihr nun im Notfall auf Knopfdruck auslösen dürft. Die folgende Explosion vernichtet zwar nicht die Geister, lässt diese jedoch immerhin kurzzeitig wieder in ihr Versteck in der Mitte des Bildschirms zurückkehren.

Es gibt viel zu tun, packen wir’s an

Die Modi- und Levelauswahl gibt sich erfreulich umfangreich. So findet Ihr im Hauptmenü sieben verschiedene Level-Grundtypen, die sich in ihren Layouts deutlich unterscheiden. Die „Autobahn“-Level bestehen z.B. vorwiegend aus parallel verlaufenden Wegen, während sich dagegen hinter „Spirale“ (wie der Name schon sagt) spiralförmige Levelgrundrisse verbergen. Hat man sich für einen der sieben Leveltypen entschieden, stehen einem drei verschiedene Modi zur Auswahl: Punkteangriff (innerhalb eines Zeitlimits möglichst viele Punkte abstauben), Zeitangriff (eine vorgegebene Menge Levelhälften möglichst schnell absolvieren) und Geister-Kombo (möglichst viele Geister hintereinander fressen). Anhand der Online-Highscore-Liste könnt Ihr jederzeit sehen, wie Ihr Euch so im Vergleich mit Euren Freunden oder dem Rest der Welt schlagt.

Zusätzlich zu den genannten Modi lassen sich im weiteren Spielverlauf noch die Optionen Halb, Dunkelheit, und Frei freispielen. Ersteres ist quasi der Quickie-Modus, denn Ihr müsst jeweils nur eine einzige Levelhälfte absolvieren, um einen Level abzuschließen. Dunkelheit erschwert das Spiel dadurch, dass Ihr immer nur einen kleinen Bereich um Pac-Man herum sehen könnt, und Frei stellt eine Art Free Play mit unendlich Leben und Bomben dar.

Verjüngungskur par excellence

Audiovisuell ist Pac-Man Championship Edition DX ein richtiger Leckerbissen. Die Retro-Grafik mutiert dank wunderschöner Neonfarben und -Effekte gekonnt zum Eye-Catcher, und die geniale Mischung aus bekannten Pac-Man Melodien und neuen Elektro-Stücken begeistert ebenfalls. Ein besonderes Schmankerl ist die Möglichkeit, jederzeit den Look des Spiels nach Belieben anpassen zu können. So stehen dem Spieler von Anfang an acht verschiedene Grafik-Designs (vom Neon- bis zum Lego-Look), sechs verschiedene Charakter-Designs (vom 2D-Retro- bis zum Render-Plastik-Look) und bis zu sechs verschiedene Farbsettings zur Verfügung. So gleicht keine Runde optisch der anderen.

Männlich, ledig, gelb sucht…

Die jüngste Pac-Man-Iteration kann sich wohlverdient den Titel “Bestes Pac-Man aller Zeiten” auf das virtuelle Cover drucken lassen. Hier werden alle Tugenden der letzten 30 Jahre vereint und mit gelungenen neuen Elementen derart unverschämt aufgewertet, dass jedem Freund der gelben Pampelmuse das Herz aufgehen wird. Lediglich der Verzicht auf einen Multiplayer schmerzt ein wenig. Wer Pac-Man zusammen mit seinen Freunden zocken will, greift daher weiterhin zur Multiplayer-Perle Pac-Man vs. auf Nintendos Gamecube. Doch was den Singleplayer angeht, muss man sagen: Niemals war Pac-Man attraktiver!

Rating: ★★★★★

Preis: 9,99€ / $9,99

Homepage / PlayStation-Infoseite

Preis: 800 Microsoft Points (zum Marktplatz)

Unlockables: Keine

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