Apr 132011
 

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Kaum eine News der letzten zehn Jahre hat mich so sehr einem Spiel entgegenfiebern lassen, wie die Ankündigung von Puzzle Quest. Generell bin ich ein großer Freund davon, Rollenspiel-Elemente in alle (un)möglichen Genres mit einfließen zu lassen. Doch gerade die Idee, das simple Bejeweled-Konzept um eine ausufernde RPG-Komponente zu erweitern, erschien mir 2006 schon fast brillant. Wie überaus exzellent sich diese beiden eigentlich sehr fremden Spielkonzepte dann schlussendlich zu einem großen Ganzen zusammenfügen würden, hätte ich mir damals allerdings nicht zu träumen gewagt.

Das Herzstück von Puzzle Quest: Das Kampfsystem

Dabei ist das eigentliche Grundkonzept des Puzzle-Teils unverändert: drei, vier oder fünf farblich identische Steine müssen entweder vertikal oder horizontal in eine zusammenhängende Reihe gebracht werden. Dieses Konzept alleine ist schon stark genug und hat die Welt im Sturm erobert. Doch der Entwickler Infinite Interactive hat diesen Teil gehörig aufgebohrt und komplett umfunktioniert. Das Spielfeld ist nun Schauplatz von Gefechten mit erheblich erweiterten Regeln. Zwei Gegner stehen sich gegenüber und kämpfen so lange, bis eine der beiden Lebensanzeigen auf null (oder darunter) sinkt.

Die farblichen Steine (rot, grün, blau, gelb) repräsentieren jeweils eine Sorte Mana, welches für Zaubersprüche und Fähigkeiten benötigt wird. Lila Steine geben zusätzliche Erfahrungspunkte, Gold dürfte klar sein und die Totenköpfe fügen dem Gegner direkt physischen Schaden zu. Mit einer Viererkombination muss der Gegner einen Zug aussetzen, die Fünferkombi spendiert zusätzlich einen Multiplikatorstein, der aber lediglich auf die Manasteine anwendbar ist. Eine ungültige Aktion tut gleich doppelt weh: sie zieht ein wenig Lebensenergie ab und gibt das Zugrecht an das Gegenüber weiter.

Je nachdem, welche der vier Klassen zu Beginn gewählt wurde, stehen zunächst andere Zaubersprüche zur Verfügung. Jeder Spruch benötigt eine gewisse Menge von mindestens einer und bis zu vier Farben Mana.

Strategien en Masse

Wie gut dieses Konzept tatsächlich funktioniert, offenbart sich erst mit steigender Spieldauer. Mit stärkeren Fähigkeiten steigen auch die Möglichkeiten das Spielfeld zu manipulieren. Die daraus resultierenden Taktiken sind so variiert, wie man es selten in einem Rollenspiel-Kampfsystem gesehen hat. Hier ein paar Beispiel von grundlegenden Taktiken:

– immer den Vierer suchen und den Gegner überhaupt nicht zum Zug kommen lassen
– beständig das Mana, das der Feind für seine Zauber benötigt kombinieren
– geziehlt das Mana sammeln, was für die stärksten eigenen Fähigkeiten gebraucht wird
– keine Totenkopf-Kombination dem Gegenspieler überlassen
– möglichst die Steine am unteren Bildschirmrand abräumen, um Kettenraktionen zu erzwingen
– usw.

Je nachdem, welche Kombinationen von Zaubersprüchen verwendet werden, ergeben sich ganz neue Strategien. Neue Sprüche müssen zum Teil hart erarbeitet werden, insgesamt wird es wohl so an die einhundert verschiedene geben.

Die schwächsten Teile: Story und Quests

Die Schaltzentrale von Puzzle Quest ist eine große Landkarte. Zu Beginn ist hier nur ein ganz kleiner Bereich begehbar, neue Locations werden erst durch das Erledigen von Quests freigeschaltet. Wie üblich gibt es die Unterteilung in Story- und Nebenmissionen. Ohne Story wär es zwar auch blöd, aber leider bieten die Dialog weder Witz noch Spannung. Ähnlich verhält es sich bei den Quests, die über ein „Quest hier annehmen, dort hingehen und erledigen“ nicht hinausgehen. Aufgrund der Art und Weise, wie man sich auf der Karte fortbewegt, würden mir aber auch keine Verbesserungen für die Quest-Struktur einfallen. Glücklicherweise wird durch diese kleinen Mängel aber auch nichts kaputt gemacht, beides lässt sich absolut verschmerzen, weil der Rest des Spiels so gut gelungen ist.

Unmengen an Aktionsmöglichkeiten

Wenn ich wirklich etwas an Puzzle Quest zu bemängeln hätte, dann wahrscheinlich die ungeheure Komplexität. Zaubersprüche die pro Charakterklasse ab einem gewissen Level freigeschaltet werden und Skillpunkte, die auf sieben Werte verteilt werden wollen, gehören ja noch zum normalen Heldenalltag. Auch die Möglichkeit, den Helden mit diversen Gegenständen auszurüsten, ist nichts Ungewöhnliches. Allerdings ist das Shop-Menü nicht gerade übersichtlich, die Effekte sind nicht immer ganz einfach zu verstehen. Hin und wieder gesellt sich auch mal ein NPC zu unserem Helden, welcher hierdurch einen Bonus erhält.

Doch dann darf die eigene Haupstadt auch noch ausgebaut werden, wodurch zusätzliche Optionen freigeschaltet werden. Das Verließ erlaubt es, jeden dreimalig besiegten Gegner gefangen zu nehmen und in einem Minispiel Zaubersprüche von ihm zu lernen. Weiter geht es mit Reittieren, die eine Mischung aus NPC und Gefangenem darstellen (Bonus plus Zauber) und sich in einem Minispiel aufleveln lassen. Städte dürfen belagert und in Gefechten erobert werden, wodurch sich Einkommen erzielen lässt. Aus drei Runen können, ebenfalls in einem Minispiel, Gegenstände gefertigt werden.

Man könnte jetzt natürlich argumentieren, dass man diese ganzen Aktionen einfach links liegen lassen kann und sich nicht weiter damit aufhält (so wie ich es größtenteils gemacht habe). Sie sind auch nicht weiter störend, aber meiner Meinung wurde hier zuviel halbherzig ausprobiert und nicht zufriedenstellend ausgearbeitet. Das System mit den Runen und den Waffen ist z.B. komplett überflüssig, weil es viel zu kompliziert und undurchsichtig ist.

Epic win

Doch auch diese kleinen Nicklichkeiten haben keinen wirklichen Einfluss auf das überragend positive Gesamtbild. Denn Puzzle Quest motiviert bis in die Haarspitzen und lässt einen erst nach Wochen und Monaten wieder einen geregelten Tagesablauf verfolgen. Die Möglichkeiten, den Charakter mit Zaubersprüchen an die eigenen Bedürfnisse anzupassen, sind riesig. Und es macht auch kriminell viel Spaß, mit den neu erlernten Sprüchen, neue Kombinationen auszutesten. Alles in allem übertraf Infinite Interactive mit seinem Erstlingswerk meine Erwartungen, was heutzutage auch nicht mehr allzu häufig vorkommt.

Rating: ★★★★☆

Preis: 9,99€ (Steam)

Betriebssystem: Windows

Homepage / Forum (Steam)

Preis: 12,99€ / $14,99

Homepage / PlayStation-Infoseite

Preis: 800 Microsoft Points (zum Marktplatz)

Unlockables: Keine

Homepage / Forum

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  • Malkavianer

    Puzzle Quest ist für mich eines DER langzeitmotivierendsten Spiele aller zeiten. Imemr wieder, wenn ich mal 20-30m Luft habe, greife ich zu diesem Spiel, weil es immer Spaß macht. Genial, einfach genial. Kein Spiel mit vergleichbaren Mechanismen kam auch nur in die Nähe des Spiels, es ist einfach perfekt…

  • Coxula

    Übrigens auch für den DS ein absoluter Tipp und – aufgepasst (!) – deutlich besser als sein Nachfolger "Puzzle Quest 2", das immerhin noch gut ist oder das meiner Meinung nach schlechte "Puzzle Quest Galactrix"!