Apr 182011
 

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Was war die Welt gespannt auf den den Nachfolger des Überraschungshit des Jahres 2007. Doch statt direkt den zweiten Teil hinterherzuwerfen, wagte sich Infinite Interactive in komplett neue Gefilde: die unendlichen Weiten des Weltraums. Bei der Erwartungshaltung von Spielern und Presse war eigentlich schon im Vorfeld klar, dass Galactrix keine guten Karten haben würde. Und so kam es denn auch, es wurde in den Medien erheblich schlechter bewertet als der Vorgänger und anscheinend kam es auch bei den Spielern nicht so gut an. Warum mir das total schleierhaft ist, möchte ich euch in den folgenden Zeilen gerne näher bringen.

Zunächst einmal ist es faszinierend, wie komplett unterschiedlich sich Galactrix anfühlt. Und das ist auch gut so, denn wer hätte sich schon über einen marginal verbesserten zweiten Teil mit nahezu identischem Gameplay gefreut? Also zunächst einmal Glückwunsch an die Entwickler, direkt mit dem zweiten Spiel solche Eier zu beweisen und ein Risiko einzugehen. Ob dem Titel ein finanzieller Erfolg vergönnt war, ist schwer in Erfahrung zu bringen. Ich vermute aber mal eher nicht.

Alles neu macht das Weltall

Wie einschneidend die Änderungen sind, zeichnet sich bereits bei der Charakterwahl ab. Zur Selektion stehen hier lediglich vier Avatare, die sich in ihren Werten allerdings null unterscheiden bzw. über gar keine spezifischen Werte verfügen. Die gesamte Anpassung läuft über das Raumschiff, denn damit werden auch die Kämpfe ausgefochten. Insgesamt stehen dreißig Modelle zur Auswahl, die sich mit ca. 150 Gegenständen ganz individuell anpassen lassen. Direkt ins Auge fallen die Story und die Dialoge, die nun erheblich besser sind als beim Vorgänger. Es wurde sogar ganz nebenbei eine komplette Galaxie mit eigenen Rassen und Hintergrundgeschichten erdacht. Für ein kleines Puzzle-RPG eine beachtliche Leistung!

Die Übersichtskarte aus Challenge of the Warlords ist wieder mit von der Partie, allerdings in zwei Zoomstufen. Die eine zeigt die Galaxien und ihre Verbindungen zueinander (durch Sprungtore), die andere eine Nahansicht mit Planeten, Raumstationen usw. Hier möchte ich gleich ein großes Ärgernis ansprechen, denn die Sprungtore müssen erst in einem Minispiel geöffnet werden. Bei der großen Anzahl an Systemen artet das richtig in Arbeit aus. Wenn zumindest das Minispiel vernünftig gelöst worden wäre, gäbe es keinen Grund zur Beanstandung. Allerdings müssen unter Zeitdruck Kombinationen mit bestimmten Farben in der richtigen Reihenfolge getätigt werden, was vor allem zu Anfang keine leichte Aufgabe ist.

Das Problem ist folgendes: steht die benötigte Farbe nicht in ausreichender Zahl auf dem Brett zur Verfügung oder sind die Steine wild verteilt, dann ist die Zeit meist abgelaufen, bis genügend Steine der richtigen Farbe beisammen liegen. Passiert einem das zu oft, geht ganz schnell die Motivation flöten. Mit steigendem Verständnis für das neue System und die Gravitation, gelingt einem dies zwar immer besser, aber das Hacken hört nie auf, sich nach Arbeit oder Bestrafung anzufühlen. Hier ist den Entwicklern ein ganz übler Design-Fauxpas passiert, den Fortschritt im Spiel derart zu verbauen. Wenn also jemand alleine aufgrund dieser Probleme das Spiel beiseite legt, dann kann ich das einerseits absolut nachvollziehen. Fände es andererseits aber auch jammerschade, da der Rest des Spiels so gut gelungen ist.

Pew, Pew, Pew: Laser satt im neuen Kampfsystem

Die größte Veränderung hat das Puzzle-Herzstück erfahren. Die Steine sind nun sechseckig und lassen sich in sechs Richtungen verschieben. Je nachdem, in welche Richtung die Kombination erfolgt, fällt der Nachschub entsprechend. Dieses Prinzip zu verstehen und zu beherrschen ist nicht ganz einfach, was dieses Mal viele Gelegenheitsspieler abschrecken dürfte. Natürlich kann jeder sofort loslegen und Steine der gleichen Farben kombinieren, die darauf folgenden Kombos zu berechnen ist erheblich schwerer als bei den herkömmlichen, gewöhnten Puzzlesystemen.

Wie bereits erwähnt, stehen sich zwei Raumschiffe im Kampf gegenüber. Dementsprechend müssen zunächst die Schilde des Gegners zerstört werden, bevor die Schiffshülle an der Reihe ist. Blaue Kristalle laden die Schilde wieder auf. Statt Mana sind die Farben rot, grün und gelb nun Fähigkeiten zugeordnet: Geschützwesen, Ingenieur und Wissenschaft. Zum einen kann der Charakter in diesen Werten aufgelevelt werden, zum anderen verfügt jedes Schiff über eine bestimmte Menge dieser Werte, wodurch die zum Einsatz kommenden Gegenstände bestimmt und limitiert werden. Ein Laser verbraucht bspw. lediglich rote Energie, ein EMP gelbe und grüne.

Die Totenköpfe wurden ersetzt durch Minen, die über ein Display ihrer Stärke verfügen (1, 3, 5 oder 10). Zu guter Letzt lassen weiße Steine die Erfahrungspunkte wachsen (hier Intel genannt) und lila Steine die Psi-Kräfte. Letztere sind nur relevant, um Kämpfen auf der Übersichtskarte aus dem Weg zu gehen. Ferner gibt es nun ab einem Vierling nur einen Bonus und erst ab einer Fünferkombi zusätzlich einen Extrazug.

Elite light

Abseits der Story und der Schiffskämpfe gibt es wieder viel zu tun und zu entdecken. In vielen Galaxien hat es spezielle Planeten, die alleine als Rohstoffquelle dienen. In einem weiteren Minispiel baut man pro Planet drei Rohstoffe ab, die gleich mehrere Funktionen erfüllen. Zum einen benötigt man sie zum Herstellen von Gegenständen der bisher entdeckten Baupläne (Minispiel!), zum anderen kann mit ihnen Handel betrieben werden (wobei sich der Handel auf das Verkaufen beschränkt). Dazu einfach eine Raumstation anfliegen und schauen, ob der Verkaufswert im roten (gering) oder grünen (guter Deal) Bereich liegt. Auch im simplen Fraktionen-System haben die Rohstoffe ihren Platz. Denn verscherzt man es sich mit der einen oder anderen, steigt das Ansehen erst wieder, wenn man genügend Handelt treibt (also verkaufen was das Zeug hält) oder Missionen für die jeweilige Fraktion absolviert.

In feindlichen (rot gekennzeichneten) Systemen wird man ständig in Kämpfe verwickelt, denen man nur mit genügend Psi-Energie aus dem Weg gehen kann. Um möglichst stressfrei durchs Spiel zu kommen, sollte man also stets versuchen, sich mit allen zu vertragen. Wer aber gerne alle zwei Minuten kämpfen möchte, kann sich natürlich auch sämtliche Fraktionen zum Feind machen. Den Fortschritt der Story beeinflusst dies nicht.

Fast wäre das Kunststück geglückt

Puzzle Quest: Galactrix kommt nicht ganz leicht aus den Startlöchern und verschreckt sicher schon so manchen zu Beginn durch die oben beschriebenen Problemen. Wenn ihr aber dranbleibt, dann entwickelt es nach kurzer Zeit ein ähnliches Suchtpotential wie sein Vorgänger. Durch das neue Setting und das komplett umgekrempelte Kampfsystem fühlt sich das auch alles sehr frisch und anders an. Mit seiner kleinen Flotte (maximal drei Schiffe) von Galaxie zu Galaxie zu ziehen, immer auf der Suche nach Rohstoffen, besseren Gegenständen und neuen Raumschiffen, verleiht dem Puzzlegenre eine ungeahnte Dimension. Insgesamt fügen sich alle Minispiele und Mechaniken zu einem erheblich stimmigeren Bild als noch beim Vorgänger. Die Puzzlekämpfe machen mit ein wenig Übung ordentlich Laune und bieten die richtige Mischung zwischen Können und Glück.

Wäre das Malheur mit den Sprungtoren nicht passiert, welches zu einem echten Motivationskiller avancieren kann, würde Galactrix den Warlords die Enddüsen zeigen. Leider muss diese Schandtat aber mit einem nicht unerheblichen Punktabzug geahndet werden.

Rating: ★★★½☆

Preis: 19,99€ (Steam)

Betriebssystem: Windows

Homepage / Forum (Steam)

Preis: 19,99€ / $19,99

Homepage / PlayStation-Infoseite

Preis: 1.600 Microsoft Points (zum Marktplatz)

Unlockables: Spielerbilder

Homepage / Forum

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