Jun 072011
 

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Aufmerksam auf Inertia! wurde ich eigentlich erst, als es bei der diesjährigen Indie Game Challenge so richtig absahnte: Gewinner in vier Kategorien und Preisgelder im Gesamtwert von 130.000 Dollar. Wow! Davor ist es mir absolut nicht aufgefallen, denn weder die Screenshots, noch die Beschreibung versprechen besonders viel. Inertia! ist auch recht schnell „durchgespielt“, bietet sehr wenig Content, sieht wirklich nicht besonders gut aus und hat auch sonst die eine oder andere Macke. Wie kann SO ein also Spiel derart abräumen? Könnte es vielleicht sein, dass Inertia! die eine Sache, auf die es wirklich ankommt (das Gameplay), richtig macht? Um das zu erfahren, müsst ihr schon weiter lesen.

Fassen wir also nochmal zusammen: das Spiel kostet einen Euro, sieht genau danach aus und hat nicht viel mehr Umfang als eine Tech-Demo. Um ehrlich zu sein ist es eigentlich auch genau das: eine Tech-Demo. Es gibt nur neun Level und hat man die alle durch, darf man entweder alle nochmal von hinten nach vorne durchlaufen (Modus „Reverse“), oder sich an einem knackigen Zeitlimit probieren (Modus „Time Trial“).

Das Gegenteil von cineastisch

Kommen wir nun also zu den eigentlichen (und einzigen) Prunkstücken von Inertia!: Physik und Steuerung. Ihr könnt mit dem kleinen Astronauten laufen und springen; wenn ihr X oder RT gedrückt haltet, versetzt ihr ihn in einen Zustand der Schwerelosigkeit. Er fliegt dann ohne Unterlass in die aktuelle Richtung, mit der derzeitigen Geschwindigkeit. Erst wenn ihr den Knopf loslasst, greift die Schwerkraft wieder und ihr dürft wie gehabt steuern. Wichtig ist nun, dass ihr in der Luft weiter nach links und rechts lenken und die Schwerelosigkeit beliebig oft (auch während des gleichen Sprungs) aktivieren und deaktivieren könnt.

Ein Beispiel: ihr springt nach oben und drückt sogleich den Knopf. Der Astronaut fliegt so lange nach gerade oben, mit der Geschwindigkeit die er durch den Sprung erhalten hat, bis er ein Hindernis berührt. Dann kommt die alte Regel „Einfallswinkel = Ausfallswinkel“ zum tragen und er wird entsprechend reflektiert. Wie der Ball bei einem Breakout-Klon. Das Ganze ist recht komplex und klappt nicht auf Anhieb. Mit ein wenig Übung funktionieren aber immer kompliziertere Manöver.

Und das Beste: durch Zufall oder ausprobieren findet ihr immer neue Wege, die Hindernisse erfolgreich, schneller oder mehrere hintereinander mit nur einem Versuch zu umgehen. Da mag es den einen oder anderen vielleicht stören, dass die Level allesamt blockig und hässlich sind. Aber vom einem Gameplay-Standpunkt wird alles richtig gemacht. Ich würde mir sehr wünschen, dass mit den Preisgeldern an einer erweiterten Version gearbeitet wird und wir irgend wann ein vollwertiges Spiel vorgesetzt bekommen. Das hätte das tolle Konzept auf alle Fälle verdient. Aber auch im jetzigen Zustand ist Inertia! auf jeden Fall ein paar Minuten eurer Zeit wert. Mindestens.

Rating: ★★★★☆

Preis: 1,49€

Android-Version: 2.2 oder höher

Homepage / Google play

Preis: 1,59€

Kompatibilität: iPad, iPhone, iPod touch

Homepage / App Store

Preis: 80 Microsoft Points (zum Marktplatz)

XNA-Infoseite / Forum

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