Jun 132011
 

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Anhand der Screenshots und der Trailer wird man verleitet, Red Johnson’s Chronicles falsch einzuschätzen. Es ist kein Adventure im üblichen Sinne (Point & Click), sondern verknüpft viele verschiedene Elemente zu einem großen Ganzen. Das Hauptaugenmerk liegt auf den kniffligen Puzzles, die man nicht mal eben so im Vorbeigehen erledigen kann. Über dem Flickenteppich der Mechaniken thront zu jederzeit die Ermittlung in einem Mordfall. Denn der gute Red Johnson ist ein Privatschnüffler, auch Detektiv genannt, der von der Polizei in der fiktiven Stadt Metropolis um Hilfe gebeten wird.

Don’t call it Wimmelbildspiel!

Im Grunde laufen die Ermittlungen wie folgt ab: Wir untersuchen eine statische Szene nach Hinweisen mit dem Cursor, sammeln so Gegenstände (= Hinweise) ein oder nehmen Objekte genauer unter die Lupe. Sobald eine tiefergehende Interaktion nötig wird, muss ein Puzzle gelöst werden. Die Ansicht schaltet um in eine dreh- und schwenkbare dreidimensionale Ansicht, in der die vielfältigsten Aufgaben bewältigt werden müssen. Das kann so einfach sein, wie ein „simples“ Schiebepuzzle zu lösen (wie ich diese Dinger hasse!), aber meist gestaltet sich die Aufgabe komplexer und mehrschichtig. Dabei gibt das Spiel keine expliziten Hinweise (außer ihr fragt danach), so dass der eigenen Auffassungsgabe eine sehr große Rolle zufällt. Herauszufinden, was genau die Aufgabe ist, ist immer der erste Schritt.

Zu jeder Zeit dürft ihr „Informant“ Saul gegen Bares abgestufte Tipps entlocken, wobei er der Lösung zwar immer näher kommt, sie jedoch nie explizit verrät. Neben dem Cursor gibt es noch eine Reihe anderer Interaktionsmöglichkeiten mit der Spielwelt. Mal müssen wie bei Heavy Rain Handbewegungen mit dem Joypad nachgeahmt werden, dann kämpft man in Quick Time Events (QTE) um’s Überleben oder bringt die Ermittlungen im Multiple Choice-Verfahren voran. Jede einzelne Szene wird bewertet nach benötigter Zeit und Fehlversuchen, wofür man dann Geld und eine Benotung erhält (von A=gut bis F=grottig).

Aber wie nennen wir es dann?

Per Definition kann man Red Johnson’s Chronicles den Titel Adventure schon zugestehen, allerdings bewegt ihr euch nicht mit einem Charakter. Stattdessen wird innerhalb einer Location die Ansicht nur umgeschaltet, die Örtlichkeiten wechselt man einfach per Menü. Damit der Spieler immer weiß was zu tun ist, stehen im Notizblock Aufgaben formuliert. Die sind auch bitter nötig, denn zwischen den Besuchen der bisher gefunden Bereichen und der Vielfalt der zur Verfügung stehenden Hinweise, wird relativ viel Freiheit und damit Raum für Fehler geboten.

Jedes gefunden Objekt lässt sich in der Basis durch eine Wundermaschine zunächst analysieren und kann dann mit einem bereits gefundenen verglichen werden, um eventuelle Verknüpfungen herauszufinden. Durch die hohe Zahl der möglichen Kombinationen wäre es ein Leichtes, stundenlang einer falschen Fährte zu folgen. Hinzu kommt, dass ein Großteil der Lösung nicht linear gefunden werden muss.

Schwierig ist gar kein Ausdruck

Neben der Auffassungs- und Kombinationsgabe stellt das Spiel aber noch weitere, längst in Vergessung geratene Anforderungen an den Spieler. Einige Rätsel verlangen ernsthaft, dass man sich Notizen mit einem Stift und einem Stück Papier macht! Und wenn sich Red Johnson die gerade gefundenen Hinweise noch einmal durch den Kopf gehen lässt und sich wie ein Lehrer selbst abfragt, dann wird das eigene Erinnerungsvermögen gehörig auf die Probe gestellt. Wenn sich bei zehn aufeinanderfolgenden Fragen auch nur ein Fehler einschleicht, dann heißt es: Beweise noch einmal genau studieren und die (Selbst)Befragung von vorne beginnen.

Ihr seht schon, Red Johnson’s Chronicles ist beileibe kein einfaches Spiel und stellt dadurch eure Geduld ein ums andere Mal auf die Probe. Es glänzt mit einer famosen Aufmachung und wurde sogar größtenteils (mittelmäßig) synchronisiert. Die vielen unterschiedlichen Elemente passen am Ende des Tages ganz gut zusammen, allerdings sehe ich wieder das Problem, dass ein eigentlich reines Puzzlespiel mit zeitrelevanten Mechaniken (den QTEs), die geschafft werden müssen, vergiftet wird. Wenn euch Professor Layton zu einfach war, ihr keinen NDS besitzt oder einfach nur gerne variationsreiche Puzzles löst, dann könnt ihr mit einem Kauf nicht viel falsch machen.

Der erste Durchgang dauert je nachdem wie gut ihr seid und wie viele Tipps ihr in Anspruch nehmt, irgendwo zwischen fünf und zehn Stunden. Um alle Trophäen zu ergattern ist mindestens ein zweiter Durchgang notwendig, bei dem dann aber alles perfekt und super schnell laufen muss. Das Ende ist übrigens ein Cliffhanger, der auf weitere Episoden schließen lässt. Der Fall an sich ist aber abgeschlossen, keine Sorge.

Rating: ★★★½☆

Preis: €9,99 / $12,99

Homepage / PlayStation-Infoseite

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