Jul 062011
 

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Selten wird es einem so einfach gemacht einen Test zu schreiben, wie im Falle von ‚Splosion Man. Warum? Weil es ein fantastisches Spiel und systemübergreifend einer der besten Platformer ist, der in den letzten Jahren erschienen ist. Dabei fühlt es sich eine ganze Zeit lang ziemlich seltsam an, statt mit dem Charakter zu springen, ihn explodieren zu lassen. Denn dies ist die einzige Fähigkeit, die unser rot glühender Freund besitzt.

Als Experiment, das schief gelaufen ist, versucht (Herr?) Splosion Man durch fünfzig Level aus dem schrecklichen Labor zu entkommen, in dem er geschaffen wurde und explodiert dabei mit Vorliebe die weiß-bekittelte Wissenschaftler. Die haben ihm nicht viel entgegenzusetzen und hinterlassen nach ihrem Ableben leckeres, durchgebratenes Fleisch. Dies ist kein cleverer Versuch einen brutalen Vorgang zu verharmlosen und so eine niedrigere Alterseinstufung zu erhalten, sondern nur ein Beispiel für den wunderbaren Humor, der an allen Ecken und Enden lauert.

Blast from the past

‚Splosion Man spielt sich wie ein klassischer Platformer von der Seite, die Bewegungsfreiheit ist auf zwei Dimensionen beschränkt, auch wenn dem kompletten Spiel natürlich eine 3D-Engine zugrunde liegt. Ebenfalls ganz klassisch läuft man von links nach rechts, versucht entweder möglichst schnell zu sein oder möglichst viele Punkte zu ergattern, bis man das Ende des Levels auf der rechten Seite erreicht. Die einzige Fähigkeit, das Explodieren, kann drei Mal nacheinander ausgeführt werden, dann ist Splosion Man leer und ausgebrannt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten ihn wieder aufzuladen: wenn er kurz festen Boden unter den Füßen hat, nach einer Weile des an-der-Wand-Herunterschlitterns oder durch Flammen und Fässer, die für eine sofortige Vollladung sorgen.

Nur eine Fähigkeit ohne Power-Ups hört sich wenig an, doch Langeweile will einfach nicht aufkommen, da die eigentlich recht überschaubaren Elemente, die in den Leveln verbaut wurden, immer wieder unfassbar kreativ zum Einsatz kommen. Es ist schwer die tolle Dynamik des Spielprinzips mit Worten oder Bildern einzufangen bzw. wiederzugeben. Schaut euch dazu einfach mal ein paar Videos an oder versucht am besten gleich die Demo. Neben der Kreativität beim Leveldesign kehren vor allem zwei alte Tugenden wieder zurück: Timing und ein hoher Schwierigkeitsgrad. Wäre die Steuerung nicht so perfekt auf den Punkt wie sie es ist, hätte diese Kombination schnell dem Spiel das Rückgrat brechen können. Doch Fehler gehen stets auf die Kappe des Spielers und man hat immer das Gefühl, die gestellte Aufgabe mit ein wenig Übung schaffen zu können.

„Ich kenne… kaum etwas, das so schön ist wie du!“

Im Einzelspieler wird schon genug Inhalt geboten und auch hier macht ‚Splosion Man ohne Frage viel Spaß. Doch die wirklichen Qualitäten des Spielkonzepts entfalten sich erst, wenn sich mindestens eine weitere Person für den Mehrspieler dazu gesellt (egal ob on- oder offline). In diesem Modus warten fünfzig völlig eigenständige Level auf die Spieler und selten war ein kooperativer Platformer so schwer und gleichzeitig so befriedigend. Das Ziel kann ausschließlich gemeinsam erreicht werden und das Timing ist von noch größerer Bedeutung, als im Einzelspieler. Nur wenige Spiele, egal wann sie erschaffen wurden, können so viel Spielspaß vermitteln, wie dieser Modus.

Nach dem ganz netten, sehr einfachen The Maw, welches bereits durch seine liebevollen Charaktere glänzen konnte, liefert Twisted Pixel eine Spielspaß-Bombe von einem völlig anderen Kaliber ab. Auch Splosion Man ist wieder ein sehr sympathischer, ziemlich durchgeknallter Protagonist (tolle Leerlauf-Animationen bzw. generell alle Animationen), der im Nu mit dem Spieler klickt, auch (obwohl?) wenn er eigentlich keinen einzigen geraden Satz herausbekommt, sondern nur verdammt witzige (Gaga-)Laute von sich gibt. Die Kombination aus einem unverbrauchten Spielprinzip, perfekter Spielbarkeit und einem liebenswürdigen Charakter, wird in ‚Splosion Man nahe der Perfektion vorgetragen.

Rating: ★★★★½

Preis: 800 Microsoft Points (zum Marktplatz)

Unlockables: Avatar Auszeichnungen (2), Thema, Spielerbilder

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