Jul 312011
 

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Es vergeht kein Jahr, in dem die Menschheit nicht an die unbändigen, zerstörerischen Kräfte der Natur erinnert wird. Leider meist mit grausamen Ausgang. Der Umgang damit in Spielen war bisher meist recht oberflächlich, in Titeln wie Sim City oder Populous spielen Naturkatastrophen zwar eine Rolle, aber eine wirkliche Simulation dieser rohen Gewalten hat noch niemand zustande gebracht. From Dust ist im Prinzip genau das – eine realistisch anmutende Nachahmung der Elemente.

Lava trocknet und wird zu festem Stein, der nicht mehr versetzt werden kann. Die auf dem Stein liegende Schicht aus Sand bietet Flora und Fauna einen Nährboden. Feuer, in Form von Waldbränden, bedroht das neu entstandene Leben. Und auch Wasser, welches den Sand mit sich reißt und verteilt, kann schnell zur todbringenden Gefahr geraten. Doch lässt sich mit dieser überaus interessanten Prämisse auch vernünftiges Gameplay bewerkstelligen?

Die Götter müssen verrückt sein

Um einige der im Netz herumgeisternden Schlagwörter gleich zu entkräften: From Dust ist kein Godgame und kein Sandbox-Spiel, oder etwas anderes in der Art. Die wahnsinnig gute Physik wird lediglich dazu benutzt, die Elemente realitätsnah wirken zu lassen. Ihr erschafft keine Welten, seid nicht allmächtig und interagiert auch nur sehr begrenzt mit der Umwelt. Aufgrund mangelnder Alternativen müsen wir es Puzzlespiel nennen. Aber das trifft den Kern eigentlich ganz gut.

Ihr seid als „Atem“ dafür zuständig, dass die Menschen ihre Siedlungen aufbauen, diese durch das in der Landschaft verteilte Wissen vor Wasser und Feuer schützen, und den Ausgang einer Insel (Level) lebend erreichen. Die wenigen Aktionen erlauben Elemente aufzunehmen und an anderer Stelle wieder zu entlassen, die Menschen an einen Punkt zu schicken (ein Relikt oder ein Totem für ein Dorf), Bäume oder Siedlungen zu versetzen, oder eine Spezialfähigkeit für einen bestimmten Zeitraum zu aktivieren. Ein bisschen fühlt sich das an wie Lemmings, denn die dummen Eingeborenen sind ohne eure ständige Hilfe dem sicheren Untergang geweiht.

From Dust Till Dawn

Der typische Verlauf einer Auseinandersetzung mit dem Spiel sieht in etwa so aus: Nach der anfänglichen Begeisterung über das realistisch fließende Wasser, wundert man sich über das dünne Gameplay-Gerüstchen. Ab dem Level mit den Feuerbäumen fühlt man sich dann leicht überfordert. Einerseits durch die suboptimale Steuerung, andererseits weil die Elemente machen was sie wollen, und das überall gleichzeitig. An diesem Punkt war ich zunächst schwer enttäuscht vom Spiel und hätte es wohl auch erstmal auf der Festplatte versauern lassen, wenn ich nicht diesen Text hätte schreiben müssen.

Mag es bei dem einen die enttäuschte Erwartungshaltung sein, bei der anderen das blanke Desinteresse an dem Gebotenen, ich kann jeden verstehen, der nach dieser Begegnung die Finger von From Dust lässt. Auch bei mir dauerte es tatsächlich bis zur drittletzten Insel, bis ich den Titel vollständig zu schätzen und mit ihm umzugehen wusste. Vorher erfreute ich mich zwar daran, wie toll sich Lava und Wasser ausbreiten, fand das eigentliche Spiel aber ausgesprochen schwer und unbefriedigend.

Wie ein Phönix aus der Asche

Mit einer recht langen „Story“ (ca. acht Stunden) und dreißig Herausforderungen (auf Zeit mit Bestenlisten) wird genügend Inhalt für den Kaufpreis geboten. Allerdings wird vielen diese erweiterte Physik-Spielerei einfach zu wenig zu bieten haben. Auch wenn in der Theorie durch den offenen Gameplay-Ansatz viele Wege zum Ziel führen müssten, gibt es auf jeder Insel zumindest eine „richtige“, so vorgesehene Lösung. Andere sind zwar durchaus möglich, können aber u.U. recht mühsam werden. Die meiste Zeit verbringt man tatsächlich damit, unkontrollierbare Lava- und Wasserströme, (zumindest einigermaßen) in ihre Schranken zu verweisen.

Mein Tipp wäre, einfach alles bisher Gehörte oder Gesagte zu vergessen, und in die tollen (wenn auch begrenzten) Möglichkeiten des Spiels einzutauchen. Denn auch wenn auf die Lösungswege meist recht offensichtlich hingewiesen wird, steht dem eigenen kreativen Ansatz nichts im Wege, was mehr ist, als viele andere Puzzlespiele von sich behaupten können. Mit den Elementen zu interagieren ist wirklich faszinierend und macht eine Menge Spaß, wenn man sich denn an solchen Dingen erfreuen kann. Und in welchem anderen Spiel könnt ihr schon so effektvoll und gefahrlos, den beeindruckend destruktiven Anblick eines Tsunamis genießen?

Rating: ★★★★☆

Preis: 14,99€ (Steam)

Betriebssystem: Windows

Homepage / Forum (Steam)

Preis: €5,49 / $6,99

Extras: keine

Homepage / PlayStation-Infoseite

Preis: 1.200 Microsoft Points (zum Marktplatz)

Unlockables: Avatar Auszeichnungen (1)

Homepage / Forum

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