Okt 112011
 

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Spielen wir Videospiele nicht um Spaß zu haben? Um uns in neue Welten entführen zu lassen? Spielen wir nicht um uns von atemberaubenden Kulissen faszinieren zu lassen? Wollen wir nicht Teil von etwas Großem oder gar der Held sein? Wenn ja, warum sitze ich dann hier und spiele ein Spiel, welches mir neben schwarzen Dreiecken als einzige Abwechslung schwarze Quadrate bietet, mich dieselbe Stelle zum 167-mal wiederholen lässt, um mich nach dem Triumph dann gleich wieder verlieren zu lassen? Woher nehme ich überhaupt die Motivation ein Spiel zu spielen, welches von sich selbst behauptet, unmöglich zu sein?

Hier sind meine Aufzeichnungen von einer Sitzung mit The Impossible Game:

12:20 Uhr – Mission: Impossible

Ich bin ein orangefarbenes Quadrat! Das Level ist wie ein Fließband, alles läuft von selbst, einzig das Springen ist meine Aufgabe. Ein Stachel vor mir, ein Druck auf die A-Taste und ich springe hinüber. Gleich noch einer, noch einer und noch einer! A, A, A! Hüpf, hüpf, hüpf! Im Hintergrund läuft elektronische Musik und einige markante Töne erklingen genau zu dem Zeitpunkt, zu dem ich abspringen muss. So entwickelt das Spiel einen gewissen Fluss und ich springe mit Leichtigkeit …

Mist, falsches Timing. Diese zwei Stachel stehen wirklich dicht aneinander. Neuer Versuch: hüpf, hüpf, hüpf, das kenn ich jetzt schon. Da ist wieder die Stelle und…GESCHAFFT! Jawoll, gar nicht so schwer.

Was ist das?! Ich darf den Boden nicht berühren! Ich muss oben lang, aber die Plattformen sind gerade einmal so groß wie meine Spielfigur. Jetzt habe ich vor Aufregung den ersten Sprung versemmelt. Dann halt von vorn. Und wieder hüpf, hüpf, hüpf. Noch mal rauf auf die erste Plattform, die Zweite und HÄ?! Wie soll das gehen? Noch mal und noch mal. Hüpf und hüpf. Achso, ich muss mich fallen lassen!

12:38 Uhr – Wo sind die Checkpoints?

Versuch 66. Diese eine Stelle bringt mich zur Verzweiflung. Ich hatte sie beim ersten Mal geschafft, um dann zwei Sprünge später zu scheitern. Jetzt bekomme ich es nicht mehr hin. Immer wieder kämpfe ich mich zu dieser Stelle vor. Mittlerweile scheitere ich an Hürden, die ich vorher mit Leichtigkeit nahm. Warum gibst du mir keine Checkpoints, liebes Spiel? Ich habe dir doch schon 70-mal bewiesen, dass ich die ersten 20 Hindernisse überwinden kann. Ich muss mich wohl durchbeißen.

JAAAAAA! Ich habe es geschafft. Hüpf, hüpf, fallen lassen, hüpf und hopp. Gut, weiterhin konzentriert bleiben. Zwei Stacheln kreuzen meinen Weg, aber das geht mittlerweile leicht von der Hand. Was ist das? Der Kurs wird auf den Kopf gestellt und der Hintergrund wechselt vom angenehmen Türkis in Giftgrün! Der Sound hämmert schneller und lauter. Ich fahre an der Decke entlang und muss kopfüber weitermachen. Erstaunlicherweise gelingt mir das sehr gut. Vielleicht bin ich deshalb auch nicht traurig, als ich dann kurze Zeit später doch wieder an den Start gesetzt werde, denn ich habe erkannt: Ich kann es schaffen!

13:01 Uhr – Die Leiden des jungen Christopher

Ich schäme mich. Bin ich wirklich so schlecht? Bin ich ein Videospieler oder war ich überhaupt einer? Darf ich jemals wieder einen Controller in die Hand nehmen? Schnell schiebe ich all meine Zweifel beiseite und schlüpfe noch einmal in die Rolle des orangefarbenen Kästchens auf dem Weg zum scheinbar unerreichbaren Ziel. Mit Leichtigkeit nehme ich den ersten Abschnitt, lasse mich von der Musik treiben und drücke Präzise auf die A-Taste. Ich motiviere ein letztes Mal. Ich werde der Erste sein, der dieses Spiel meistert und wenn ich dann das Levelende erreicht habe, werde ich den Entwicklern eine E-Mail schreiben, mit meinem höhnischen Gelächter im Anhang!

13:34 Uhr – Impossible Game Over

Ich bin am Ende. Nichts geht mehr. Es ist aus. Ich habe alles gegeben. Ich habe erst für mich gespielt, dann gegen mich, dann gegen die Entwickler und schließlich gegen den Rest der Welt. Ich habe es immer wieder versucht, denn dieses Spiel birgt eine perverse Faszination und irgendwie wurde ich immer wieder motiviert, es noch einmal zu probieren. Jeder kleine Sprung war ein großer Erfolg.

Aber jetzt ist es vorbei, endgültig. 354 Versuche reichen. Ich will dieses Spiel nie wieder sehen. Es ist gefährlich, macht wütend und aggressiv. Ich glaube ich lösche es jetzt sofort… ok, es kann ja erst mal auf der Platte bleiben. Vielleicht probiere ich es ja noch einmal, irgendwann. Nächstes Jahr, nächste Woche… oder jetzt gleich?! Langsam wandert meine Hand zum Controller. Verdammt…

Die Wahl der Qual

Wie ihr seht, bietet The Impossible Game schwere Kost, denn es ist von Anfang bis Ende sauschwer! Interessanterweise dauert das Level ohne Fehler nur ca. 2 Minuten, da ihr es aber erst einmal kennenlernen und beherrschen müsst, vergehen Stunden oder sogar Tage, bis ihr das Ziel erreicht. Um das Spiel zu üben, könnt ihr, euch durch Druck auf die Y-Taste, Flaggen an beliebige Stellen des Levels setzen und startet nach einem misslungenen Versuch von dort. Allerdings gilt das Spiel nicht als geschafft, wenn ihr das Levelende erreicht und diese Flaggen genutzt habt. Wer trotz meiner Abschreckung Interesse hat, kann zwischen zwei Versionen des Spiels wählen: The Impossible Game oder The Impossible Game Level Pack. Ich würde euch letzteres empfehlen, da ihr für denselben Preis des Erstlings zwei statt einem Level bekommt und mir die musikalische Untermalung auch besser gefällt. Ich würde euch zum Abschluss viel Spaß mit dem Spiel wünschen, aber den werdet ihr wahrscheinlich nicht haben. Trotzdem wird euch The Impossible Game immer wieder vor den Bildschirm holen.

Rating: ★★★★☆

Preis: 0,70€

Android-Version: 1.6 oder höher

Homepage / Google play

Preis: 0,79€

Kompatibilität: iPad, iPhone, iPod touch

Homepage / App Store

Preis: €1,99 / $2,99

Homepage / PlayStation-Infoseite

Preis: 0,99€

Erforderlich: Windows Phone 7 oder höher

Homepage / zum Marktplatz

Preis: 80 Microsoft Points (zum Marktplatz)

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