Okt 272011
 

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Es hätte alles so schön sein können. Ein erwachsenes Thema wird in Form eines 2D-Paltformers als Hommage an die guten alten Zeiten aufbereitet. Als Vorlage dient ein Klassiker der Sciene-Fiction-Literatur, über den eigentlich jeder Bescheid wissen sollte. Kurz nach dem Start des Spiels überkam mich dann auch direkt mal ein kleiner Nerdgasm. Patrick Steward wurde als Erzähler verpflichtet und Chris Hülsbeck ist für die Musik zuständig, die er zusammen mit dem Mazedonischen Orchester eingespielt hat. Dazu ist die Optik sehr stimmungsvoll geraten (mal abgesehen von den hölzernen Animationen): die Umgebung wird in einer Mischung aus Graustufen Sepia-Farbtönen dargestellt, wodurch die bunten Lichteffekte – meist in Assoziation mit den Aliens – besonders krass zur Geltung kommen.

Der folgende Satz fasst ganz gut meine Eindrücke zusammen, funktioniert aber leider nur auf englisch: „The Presentation is clearly Out of this World, but the Gameplay sure as hell is no Flashback to the good old days, when the Prince of Persia was all the rage“.

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

Drei Meilensteine, die in The War of the Worlds ganz offen als Inspiration Erwähnung finden. Allerdings werden die vier Spiele, außerhalb dieser Rezension nie wieder in einem Atemzug genannt. Die Idee, einen cineastischen Platformer zu machen, sah auf dem Papier möglicherweise noch ganz gut aus, schlägt in der Praxis aber ziemlich fehl. Unser Protagonist verfügt über ein überschaubares Arsenal an Aktionen und ist ein ganz normaler Mensch. Und was tut dieser Durchschnittstyp wenn ihn die Aliens verfolgen? Richtig, er nimmt die Beine in die Hand. Praktisch über die gesamte (kurze) Dauer des Spiels hinweg, seid ihr auf der Flucht und habt irgend eine Form von Zeitdruck im Nacken.

Und das ist nur das erste von vielen absoluten No-Gos. Fangen wir an bei der Steuerung, bei der man stets das Gefühl hat, sie funktioniert nur so ungefähr – seltsam lose und abgekoppelt. Aber was ein echter Held ist, der kämpft gerne gegen drei Dinge gleichzeitig, nicht wahr? Der Leitfaden zur Rezension spricht lustigerweise von „Nahtod-Erfahrungen“, doch das Gegenteil ist der Fall: kompletter Volltod im Sekundentackt. Das wäre ja an sich nicht so schlimm, wenn die Programmierer nicht so inkonsequent beim Setzen der Checkpoints gewesen wären. Hin und wieder sind sie genau im richtigen Abstand, an besonders frustigen Stellen natürlich viel zu weit auseinander. Zudem gibt es keine Kapitelwahl, um verpasste Erfolge nochmal zu versuchen. Das Spiel muss also jedes Mal komplett von vorne begonnen werden, inklusive dem wiederholten Genuss der kompletten Narration.

Was zur Hölle… Ich soll den ganzen Scheiss nochmal machen??

Wer immer die glorreiche Idee hatte, die besonderen Vorzüge, die bisher 3D-Titeln vorbehalten waren, nun auch in ein 2D-Spiel einzubauen, sollte bis an sein Lebensende nichts anderes als seine Ausgeburt spielen dürfen. Nicht abbrechbare Zwischensequenzen, Passagen des Erzählers, die sich nach einem Ableben immer und immer und immer wiederwiederholenholen. Es ist zum kotzen. Einige Abschnitte machen durchaus Spaß und lassen die Hoffnung wieder aufkeimen, dass da doch irgendwo ganz tief vergraben ein vernünftiges Spiel lauert. Doch das ist nur von kurzer Dauer, denn Spaß soll The War of the Worlds wohl auf keinen Fall machen. Stattdessen quälen einen die Programmierer mit frustigen Stellen solange, bis sogar ein Glücksbärchi auf Extasy ausrasten würde.

Bei so manchem Puzzle war ich mir nicht sicher, ob die von mir gefundene Lösung nun so vorgesehen oder völlig zufällig entstanden war. Kein gutes Zeichen für das Design, wenn ihr mich fragt. Gegen ein bisschen Trial & Error gibt es eigentlich nichts einzuwenden, wenn allerdings der Weg bis zu diesem Versuch schon lange ist und man nach dem Fehler keinen Deut schlauer ist als zuvor, dann ist einfach Schluss mit lustig. Und über die vielen Abschnitte, bei denen wohl die Direktive lautet „Es muss mehr Action ins Spiel“, die aber eine weit direkte Kontrolle über den Charakter voraussetzen, Hüllen wir einfach den Mantel des Schweigens.

Meh

Somit werden die gute Präsentation und die hoffnungsvollen Ansätze, unter einem Berg von stinkenden Pferdkadavern begraben. Den Bildschirm frei von Anzeigen zu halten, ist eine gute Idee, allerdings bringt das komplette Fehlen von Anzeigeaufforderungen einige nervige Probleme mit sich (z.B. Pixel-genaues positionieren an Schaltern). Falls es den Soundtrack eines Tages zur kaufen gibt, solltet ihr zuschlagen. Schon lange hat mir keine Musik von Herrn Hülsbeck mehr so gut in den Ohren gelegen. Was den Rest betrifft, spielt lieber nochmal einen der zuvor genannten Klassiker, da habt ihr mehr davon.

Rating: ★½☆☆☆

Preis: 800 Microsoft Points (zum Marktplatz)

Unlockables: Keine

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  • Nach "Patrick Steward wurde als Erzähler verpflichtet und Chris Hülsbeck ist für die Musik zuständig" war plötzlich der "Okay, ist gekauft. Sofort!" Gedanke in meinem Kopf. Dann habe ich glücklicher weise aber weitergelesen.
    Schade, dass das Spiel nicht wirklich was taugt. Hoffentlich gibt es wenigstens den Soundtrack mal einzeln.

    • Es gibt auch einige optimistischere Meinungen im Internet, sogar Wertungen bis zu 85%! Wobei ich mir absolut nicht erklären kann, wie die zustande gekommen sind…