Nov 092011
 

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Gute Adventurespiele sind heutzutage rar gesät. Der PC wird zwar ab und zu mit einigen Perlen versorgt aber die großen Zeiten des Genres sind vorbei. Auf den Konsolen sieht die Situation noch schlimmer aus. Deshalb ist es erfreulich, dass sich die Schweden von Shining Gate Software daran gemacht haben, die Xbox360 mit einem solchen Titel zu versorgen. Mit Decay servieren sie uns ein Horror/Thriller-Adventure in vier Teilen.

Wimmelbildspiel oder was?

Ich erwache in einem kleinen Badezimmer ohne Erinnerungen aber offensichtlich wollte ich mir das Leben nehmen. Die Tür ist versperrt und ich weiß nicht, wie ich aus dem Raum kommen soll. Vorsichtig blicke ich mich in dem düsteren Zimmer um und versuche mich zu befreien. Alles ist in schummriges Licht gehüllt und ich taste mich voran.

Die Bedienung von Decay ist sehr unkompliziert. Mit dem Steuerkreuz schaut man sich um bzw. schaltet in Einzelbildern durch die Umgebung. So besteht ein Raum in der Regel aus vier Bildschirmen für jede Wand im Raum. Wie in einem klassischen Point-and-click-Adventure sucht man den Bildschirm nach wichtigen Gegenständen oder Hinweisen mit einem Cursor ab. Eine freie Bewegung durch die Umgebung gibt es also nicht, dies schadet dem Spiel aber in keinster Weise und ihr müsst auch keine Angst haben, dass das Spiel zu einer einfachen Suche nach Gegenständen verkommt, denn es gibt auch einige Rätsel zu lösen.

Diese sind im ganzen Spiel versteckt und so müsst ihr Gegenstände kombinieren, an den richtigen Stellen einsetzen oder Texte auf Hinweise untersuchen. Die Rätsel sind eigentlich immer fair und logisch, nur einige wirken etwas aufgesetzt und deplatziert. Wenn ihr gegen den Geist eines Serienkillers „Drei gewinnt“ spielt oder ein Röhrchen bis zu einer bestimmten Linie füllen müsst und drei Gefäße zum Verteilen habt, dann fühlt ihr euch eher wie bei Professor Layton als in einem Adventure-Spiel für Erwachsene. Ich habe natürlich nichts gegen den englischen Gentlemen von Level-5 und außerdem kann dieser kleine Makel dem Herzstück des Spiels nicht allzu viel anhaben: der Atmosphäre.

Licht aus, Angst an

Wenn ihr Fans von Adventure-Spielen seid, wird euch Decay vom ersten Rätsel an mitnehmen. Die Handlung spielt hauptsächlich in verlassenen Häusern und deren modrigen und düsteren Räumen. Es wurde eine herrlich schaurige Atmosphäre geschaffen, die einen sofort in die Welt hineinzieht. Die Musik ist wunderbar und muss sich meiner Meinung nach nicht hinter den großartigen Scores eines Silent Hill oder Heavy Rain verstecken. Sie geht nach den ersten Tönen gleich ins Ohr und wird euch einige Zeit lang verfolgen. Besonders gelungen sind auch die eingestreuten Schockmomente, welche mehr auf Subtilität und der Vorstellung des Spielers setzen, als auf Blut und Gedärm.

Decay ist eines der wenigen Spiele, bei dem ich wirklich Angst hatte und fast immer angespannt vor dem Fernseher saß. Es gab sogar einen Moment, der mir so sehr zusetzte, dass ich die Konsole ausschalten musste. Vielleicht bin ich zu zart besaitet, aber irgendwie funktionierte der Grusel, der sich eigentlich nur im Kopf abspielt, wunderbar bei mir. Ob mit Puppen, flackerndem Licht oder grunzenden Geräuschen aus einem Schrank, die Leute hinter dem Spiel verstehen es eine nervenzerreißende Spannung zu erzeugen. Jeden Moment könnte etwas passieren, man spürt permanent einen Blick im Nacken und hat das Gefühl nicht allein zu sein. Diese Atmosphäre wird das gesamte Spiel über aufrechterhalten und fesselt bis zum Schluss.

„Alles hat ein Ende, nur Decay hat drei!“

Ihr werdet es ziemlich schwer haben auf dem Xbox-Live-Marktplatz, bzw. auf allen Konsolen, etwas Vergleichbares wie Decay zu finden. Auch dieses Spiel hat seine Fehler, wie die bereits beschriebenen Rätsel und auch die Story hat mich ab einem gewissen Punkt nicht mehr wirklich mitgerissen oder gar überrascht. Aber das Zusammenspiel von Musik, passender Grafik und den Schockmomenten, schuf eine für mich einzigartige Atmosphäre.

Die einzelnen Teile gehören inhaltlich zusammen und sollten in chronologischer Reihenfolge angegangen werden. Ansonsten gibt es keine großen Unterschiede zwischen den Teilen. Einzig im vierten Teil bewegt man sich nicht mehr durch Einzelbilder, sondern in einem 360°-Rundumblick und hat die Möglichkeit drei verschiedene Enden zu sehen. Der sowieso schon positive Eindruck vom Spiel wird durch kleine Extras abgerundet. So erhaltet ihr durch Konzeptzeichnungen Eindrücke in die Entwicklung und habt bei Part 2 und 4 sogar die Möglichkeit den großartigen Soundtrack als MP3-Download zu erspielen! Außerdem gibt es drei verschiedene Enden. So ist Decay jedem Adventure- und Horrorfreund zu empfehlen. Aber unbedingt allein und im Dunkeln „genießen“!

Rating: ★★★★½

Preis: je 80 Microsoft Points (Part 1 / Part2 / Part 3 / Part4)

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