Mai 022012
 

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Was macht ein Barbar, wenn er sich vom Krieg und dem Kämpfen abwendet? Er zieht mit seiner Frau in eine kuschelige Holzhütte, behält seine Knochenmaske auf, jagt Tiere für das Abendessen und schneidet ihnen auf möglichst brutale Art und Weise die Kehle durch. Aber was passiert, wenn man ihm dieses idyllische Leben zunichtemacht? Dann wird er sauer, richtig sauer! Und er will alles und jeden Verantwortlichen vierteilen. So geschehen ist das Crom, dem Helden aus Bloodforge. Was für eine Sauerei er auf seinem Rachefeldzug anrichtet, kann man dort nachspielen.

100 Hektoliter Blut, dann wird das Spiel schon gut?!

Die Geschichte hinter dem Spiel ist 08/15-Barbaren-Rache-Fantasy-Gedöns, das euch weder vor Spannung auf den Fingernägeln kauen lässt, noch emotional an Charaktere bindet. Aber das will man ja auch nicht unbedingt, wenn man ein Hack & Slay spielt. Hier sollte es um fiese Gegner, tolle Waffen, brachiale Kämpfe und eine Menge rollender Köpfe gehen. Zumindest teilweise kann Bloodforge diese Erwartungen erfüllen, indem es immerhin interessantes Gegnerdesign, vier aufrüstbare Waffen, eine Menge Kombos und Spezialattacken bietet. Außerdem präsentiert sich die Metzelorgie in barbarisch schöner Optik, bei der mehr roter Lebenssaft fließt und mehr Körperteile ihren angestammten Platz verlieren, als beim letzten Schlachtfest von Fleischerei Müller. Doch sorgt das für ein gutes Spiel?

Conans langweiliger Bruder

Während die erste halbe Stunde noch ein wenig unterhält und einiges an Erwartungen aufkommen lässt, werden auch gleichzeitig viele Schwächen deutlich. Man freut sich anfangs über die Waffenauswahl von Schwert, Hammer, Klauen und Armbrust, vermutet hinter den Kombolisten ein komplexes Kampfsystem und lässt seinem Auge die gelungene Grafik und die Animationen genießen. Doch recht schnell stellt sich die Ernüchterung ein. Die Kamera ist störrisch, unkomfortabel und scheint von einem Krieger bedient zu werden, der sein Gehirn in der letzten Schlacht verloren hat. Sie macht es teilweise unmöglich verheerende Kombos anzurichten, da man im Kampfgetümmel schnell die Übersicht verliert. Weiterhin stellt man schnell fest, dass eine einfache Kombination der zwei verschiedenen Angriffstasten ausreicht, um fast jeden Kampf zu gewinnen. So kommt es schon nach kurzer Zeit zur Eintönigkeit, die jedoch nicht beim Kämpfen aufhört.

In seinen Wildlederstiefeln stapft Crom ständig durch schlauchartige Level, die vom Setting zwar abwechslungsreich sind und vom schneebedeckten Wald bis zum Sumpfgebiet reichen, jedoch immer nur von A nach B führen. Ab und an gibt es ein paar Seitenwege, die aber häufig nur zu öden Items führen. Auf Rätsel oder Sprungeinlagen wurde komplett verzichtet und so zieht man einfach von Kampf zu Kampf. Allerdings sind Gegner nicht von Weitem sichtbar, denn sie werden einfach in die Nähe von Crom gebeamt, teleportiert, gezaubert oder was auch immer. So wird man alle paar Schritte von Gegnern „überrascht“, haut ihnen mit der Y-Taste ein paar Mal eins über, schaut sich brutale Tötungsszenen an und darf dann wieder ein Stückchen weiter in Richtung Levelende tapsen.

Was wäre ein Barbar ohne seine Armbrust?

Ein wenig Abwechslung im Barbaren-Alltag bieten die Bosskämpfe, die euch im etwa fünfstündigen Spielverlauf an jedem Levelende erwarten. Wer allerdings denkt, dass man hier nun mit Taktik und Köpfchen weiterkommt, hat sich mit Croms Zwei-Meter-Schwert geschnitten. Wie im gesamten Spiel leidet man auch bei diesen kleinen Showdowns unter ständiger Armut an Lebensenergie. Was bei den kopflos agierenden Zwischengegnern kaum auffällt, wird bei den Endgegnern zum Ärgernis. Anstatt hier mal ein paar gepflegte Hiebe verteilt werden könnten, ist man mit ständigem Ausweichen beschäftigt und schafft es nur ab und zu einen Treffer zu landen, ohne den Lebensbalken in Mitleidenschaft zu ziehen. Nach einigen frustvollen Momenten (von denen es im gesamten Spiel so einige gibt), hatte mein Kriegerköpfchen eine nette Idee parat. Da der Barbar eine Armbrust dabei hat, sind auch Fernkampfattacken möglich und so bahnte ich mir ab dem zweiten Endgegner meinen Weg durch jede größere Auseinandersetzung mit einer Kombination aus Bolzensalven und wegrennen. Das führte das Spielprinzip eines Hack & Slays zwar ad absurdum, war jedoch unglaublich effektiv und ersparte mir einige Bildschirmtode. Ich habe zwar weder in Büchern, Filmen noch in anderen Videospielen Barbaren mit Bogen oder Armbrust entdeckt, ohne diese Entscheidung der Entwickler Crom mit einer Fernkampfwaffe auszustatten, hätte ich vor lauter Frust wahrscheinlich nie den Abspann des Spiels gesehen.

Aber den wollte ich eigentlich auch nie sehen. Mir war Croms Geschichte egal. Er ist ein Barbar, der nur dank Armbrust stark ist, eine Sprungtaste besitzt, die man nie gebrauchen kann und sich cool fühlt, wenn er gnadenlos unterlegene Gegner auf bestialische Art zerhackstückelt und literweise Blut fließen lässt. Nein, auch wenn er optisch meinem Idealbild eines Barbaren sehr nahe kommt und seine Heimatwelt sehr hübsch ist, wollte ich nicht lange bei ihm bleiben. Die Zeit mit ihm war reine Zeitverschwendung, genauso wie Arnold Schwarzeneggers Ausflug in die Politik.

Anmerkung: Bloodforge ist auf dem deutschen Xbox-Live-Marktplatz nicht erhältlich.

Rating: ★★☆☆☆

Preis: 1.200 Microsoft Points (zum Marktplatz)

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