Mai 292012
 

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Sonic treibt sich mittlerweile zwar auf Nintendo-Konsolen herum, doch bevor sich Mario in seinem schmucken Kart auf eine andere Konsole verfährt, gibt Reggie öffentlich bekannt, dass er auf süße Jungs steht. Den akkuten Mangel an Mario Kart-Klonen erkannte wohl auch Microsoft und kündigte auf der E3 vor nunmehr fast drei (!) Jahren Joy Ride an. Damals war die Rede von einem Free-to-Play-Modell und das Konzept hörte sich wirklich interessant an. Groß war dann die Enttäuschung (zumindest bei mir), als zunächst lange Zeit nichts von dem Titel zu hören war und dieser dann plötzlich als Retail-Version und exklusiv mit Kinect-Steuerung (*kotz*) erschien. Um auch den letzten Cent aus dem inspirationslosen Nachahmer zu quetschen, gibt es jetzt endlich die langersehnte Joypad-Steuerung, allerdings im komplett eigenständigen Titel Joy Ride Turbo.

Das Streckendesign aus den damaligen Videos ist fast ohne Änderungen sowohl im Retail-Produkt, als auch in der XBLA-Auskopplung wieder zu finden. Beide Versionen enthalten lediglich zehn Strecken, nach einer derart langen Wartezeit hätte man hier wirklich nachlegen müssen. Ich weiß nicht, wie die Pläne für DLC aussehen – 2009 hieß es noch, es gäbe konstant neue Inhalte – es sieht für mich allerdings so aus, als würden wir das komplette Paket nun in einem Schwung bekommen. Der Langzeitmotivation wird durch die geringe Auswahl jedenfalls schonmal die Unterhose über den Kopf gezogen.

„Das ist alles nur geklaut, eh oh eh oh“

In drei Motorenklassen fahrt ihr je einen Grand-Prix mit Beschränkung auf eine der drei Fahrzeugklassen (Sport, Muscle und Truck) und eine Meisterschaft, in der das Fahrzeug frei gewählt werden darf. Auf den niedrigeren Geschwindigkeits-Stufen und gegen den Computer können die Strecken noch einigermaßen Spaß bereiten. Durch die ein oder andere Abkürzung seid ihr zunächst mit erkunden und entdecken beschäftigt. Folgt ihr dem normalen Straßenverlauf, könnt ihr euren Boost die meiste Zeit nur durch driften aufladen. Erst die Alternativrouten laden zu wahghalsigen Sprüngen ein, bei denen ihr während der Flugphase den Boost mit von selbst ablaufenden Stunts auffüllt und euch um eine korrekte Landung keine Gedanken machen müsst. Natürlich dürfen auch diverse Extras nicht fehlen, die sich in Holzboxen mit einem Fragezeichen verbergen. Der Zufall bestimmt, welches ihr erhaltet und nur einen Gegenstand kann jedes Vehikel gleichzeitig mit sich führen.

Where’s the Joy in that?

It’s Mecker-Time! Dafür, dass der Schwerpunkt klar auf dem (Multiplayer-)Rennmodus liegt, spielt sich dieser einfach nicht interessant genug. Die Extras sind lange nicht so griffig geschweige denn gut aufeinander abgestimmt wie im Vorbild, weshalb die Rennen ohne sie tatsächlich mehr Spaß machen. Allerdings auch nur zu einem gewissen Maß, denn in der schnellsten Motorenklasse sind einige Strecken derart mies auf die Geschwindigkeit angepasst (ihr springt viel zu weit, stoßt irgendwo gegen oder fallt herunter), dass hier jeglicher Spaß im Keim erstickt wird. Und weil völlig unverständlicherweise auf einen Rücksetzknopf verzichtet wurde, verliert ihr ständig Rennen, weil euer Wagen irgendwo stecken- oder hängenbleibt.

Durch das schwache Streckendesign gepaart mit den ineffektiven Extras, wird einer erfolgreichen Aufholjagd ein Riegel vorgeschoben. Bei derart fundamentalen Designpatzern erscheint der Name „Joy“ im Titel geradezu ironisch. Obwohl online gerade mal acht Spieler gleichzeitig auf der Strecke sind, sind Lag und Verbindungsabbrüche eher die Regel als die Ausnahme. Selbst wenn dies nicht der Fall wäre, wird online einfach zu wenig geboten. Lediglich Einzelrennen sind möglich, Meisterschaften oder ähnlich spaßige Modi sucht man vergeblich.

„Come on join the Joyride“

Doch halt! Alles ist nicht verloren, denn Joy Ride Turbo kann tatsächlich auch Spaß machen! Denn zum Glück gibt es da noch den Stunt-Modus, der zwei weitläufige Parks enthält, bei denen der Schwerpunkt zum Glück NICHT auf den Extras und Rennen fahren liegt. Hier habt ihr die Möglichkeit, völlig ohne Zeitlimit die großen Areale zu erkunden und Pokale sowie Kisten einzusammeln. Für die Pokale erhält man lediglich Erfolge, in den Kisten schlummern dagegen Wagenteile, die man benötigt, um neue Fahrzeuge freizuschalten. Diese Kisten liegen auch verstreut auf den normalen Rennstrecken (am besten im Time Trial gemütlich suchen), sind dort allerdings recht einfach zu finden.

Die beiden Stunt-Areale zeigen mehr deutlich, wie viel Spaß man mit diesem Titel haben kann. So sehr, dass man sich fragt, wieso nicht das komplette Spiel um diesen Modus aufgebaut und erweitert wurde. Wer will schon neue Autos für den verdammt mittelmäßigen Rennmodus freischalten, wenn er sie sowieso nie benutzt? Stellt euch diese Frage einfach nicht und genießt einfach die freie Erkundung ohne Zeitlimit. Bei mir wurden hier schöne Erinnerungen an das tolle Beetle Adventure Racing für das N64 wach (unbedingt besorgen!).

Was wäre wenn…?

Am Ende des Tages ist Joy Ride Turbo als Kart-Racer leider eine Enttäuschung und findet nur im Konjunktiv ein Zuhause. Was hätte man nicht alles aus diesem Spiel machen können, wenn die schlechten Entscheidungen ausgeblieben wären (KINECT)? Ich hätte wirklich zu gerne gesehen, wie sich das angedachte Free-to-Play-Konzept behauptet hätte und mit welchen Ideen der Stunt-Modus ursprünglich bestückt war.

Rating: ★★★☆☆

Preis: 800 Microsoft Points (zum Marktplatz)

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