Mai 312012
 

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Ich packe meinen Koffer und nehme mit: zwei knuddelige Stofftiere, drei Büchsen undefinierbares Fleisch, bergeweise Klopapier, einen Büchsenöffner und – nicht zu vergessen – den Flammenwerfer und die doppelläufige Schrotflinte, sowie genügend Granaten und Munition für Wochen. Kaum aus der Tür raus merke ich, dass ich viel zu viel bei mir trage und mich nur im Schneckentempo fortbewegen kann. Da umzingelt mich auch schon munter eine Horde Zombies, die stoisch an mir knabbert, während ich beginne, wild um mich zu schießen. Doch es ist zu spät. “Wäre ich mal nicht so verdammt gierig gewesen” denke ich bei mir, während um mich herum alles schwarz wird. Die letzte Sekunde meines jämmerlichen Daseins wird erfüllt von grässlichem Gegrunze und dem molligen Klang einer Akustikgitarre. Werde ich es beim nächsten Mal anders machen und weniger Kram mit mir herumschleppen? Vermutlich nicht.

Wenn die Toten gehen, ist es an der Zeit wegzulaufen

Dead Pixels stellt euch alle paar Meter vor eine Reihe schwerwiegender Entscheidungen. Wofür gebe ich meine sauer verdienten Kröten aus? Welche Waffe behalte ich, welche kaufe ich und welche Sorte Munition ist überhaupt noch im Angebot? Brauche ich wirklich dieses stinkende, vermoderte Stofftier? Der nächste Händler könnte doch genau so eins suchen und es mir für Unsummen abkaufen. Nehme ich wirklich den ganzen Kram mit und riskiere es, mich bis zum nächsten Shop (wie weit auch immer der entfernt sein möge) im Tempo eines altersschwachen Faultieres durchzuschlagen? Oder lasse ich einfach die Türen, die potentiell mit allen Kostbarkeiten (oder unbrauchbarem Mist) gefüllt sind, links liegen und kehre später durch die Gegnerhorden zu ihnen zurück, nachdem ich einen Händler gefunden habe? Reichen Munition und Medikits überhaupt noch so lange? Was, wenn der nächste Laden kaum Patronen im Angebot hat?

Das sind eine Menge Fragen für einen simplen 2D-Shooter, doch sie tragen alle zur einmaligen Stimmung und zum tollen Vergnügen bei. Entwickler CantStrafeRight hat sich nicht damit zufrieden gegeben, einen generischen Titel wie zu viele bevor abzuliefern, sondern packt stattdessen eine gute Idee nach der anderen in sein Spiel.

“Ich kann tote Pixel sehen!”

Zu Beginn läuft alles noch recht überschaubar ab. Ein paar Untote stolpern durch die Straße und lassen sich genauso leicht abschießen, wie umgehen. Nicht verbarrikadierte Türen dürfen betreten werden und enthalten eine zufällige Anzahl und Art an Gegenständen. Diese gliedern sich in die Kategorien Waffen, Wurfgeschosse, benutzbare Gegenstände, Munition und “Wert”gegenstände. Alles, bis auf die Munition, hat ein gewisses Eigengewicht und euer Charakter ein Limit, wieviel er tragen kann. Übersteigt ihr dieses Limit, passiert das, was ich im Intro beschrieben habe. Als kleinen RPG-Bonus gibt es sechs Werte – maximal Lebensenergie, Laufgeschwindigkeit, Waffen- und Nahkampffähigkeit, Stärke, Feilschen und Glück – die sich gegen Bares aufleveln lassen. Geld gibt’s nach dem Abschuss der Untoten und durch den Verkauf von Gegenständen (ALLES kann verkauft werden).

Natürlich gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Zombietypen, die sich nicht nur optisch, sondern auch in der Art wie sie angreifen und wieviel sie einstecken können unterscheiden (stärkere Gegner bringen mehr Kohle). Ebenfalls sehr breit gesteckt ist das Feld der Waffen. Hier findet ihr im Verlauf des Spiels so ziemlich alles, was das Zombie-Metzelherz begehrt: Scharfschützen- und Sturmgewehre, Schrotflinten mit bis zu vier Läufen oder abgesägt, Pistolen, Flammenwerfer und vieles mehr. Ähnlich wie in einem Diablo verfügt jedes Kampfgerät über andere Statistiken, so dass die Hatz nach einer Verbesserung zusätzlich teuflisch motiviert.

Nur ein toter Zombie, ist ein guter Zombie

Langweilig wird Dead Pixels so schnell nicht, obwohl ihr die ganze Zeit das Gleiche macht und nach hunderten Zombies diese später mit einem Schuss im Dutzend erlegt. Dafür sorgen drei Spielmodi, lokaler Koop, vier Schwierigkeitsgrade, ein KI-Regisseur (bekannt aus Left4Dead) und der ganze wunderbare Kram, den ich weiter oben beschrieben habe. Das managen der begrenzten Ressourcen (wenn weg, dann weg) macht teuflisch viel Spaß, genau so wie das Ausprobieren der Waffen und das motivierende Upgrade-System. Wer sich keine entsprechende Taktik zurecht legt und einfach drauf los ballert, wird keine drei Straßen weit kommen. Nicht nur zu dem Preis eines der besten Spiele mit Zombie-Thematik, die in der letzten Zeit erschienen sind.

Rating: ★★★★½

Preis: 2,99€ (Desura) Dead Pixels

Betriebssystem: Windows

Homepage / Forum (Desura)

Preis: 80 Microsoft Points (zum Marktplatz) Dead Pixels

XNA-Infoseite / Forum

Homepage

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  • foolx

    Nice one!

    Das Game habe ich tatsächlich vor einigen Wochen durch Zufall auf Xbox Live gefunden. "Die 80 MS-Punkte" dachte ich … und ZACK hatte ich grob 5 Stunden Zeit drin verbraten.

    Absolute Empfehlung von mir daher!