Jul 072012
 

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Plattformer bilden eines der ältesten Genres unter den Videospielen. Charakteristisch ist das Hüpfen von Plattform zu Plattform, das Überwinden von Hindernissen und oftmals auch das Kämpfen gegen Feinde. Magiko Gaming haben mit Platformance: Castle Pain und Platformance: Temple Death zwei knallharte Vertreter des Genres für PC und Xbox Live Indie Games in charmanter Retro-Optik abgeliefert. Der Name des neuen Projekts lässt schnell erkennen, dass man sich wieder in den gleichen Gefilden herumtreibt. Allerdings soll Platformines neben dem üblichen Gehüpfe auch eine frei erkundbare Welt und RPG-Elemente bieten. Ich habe mir einmal die Beta-Version angeschaut, um zu sehen, wie dieser Mix funktioniert.

Wenn Contra und Borderlands ein Kind bekommen und Minecraft bei der Erziehung hilft.

Platformines spielt tief unter der Erde, wo der Held des Spiels in seiner Basis sitzt. Zu Beginn könnt ihr eurem 2D-Charakter ein eigenes Aussehen verpassen, indem ihr Haare, Augen, Nase, Mund und Klamotten selbst bestimmt. Dabei gibt es viele verschiedene Kombinationsmöglichkeiten und so reicht das Erscheinungsbild eurer Figur vom Ramboverschnitt, über Schnauzbartträger mit Afro-Frisur, bis zum Zigarre rauchenden Clown. Das ist ein nettes und witziges Feature und gibt jedem Spieler die Möglichkeit, einen individuellen Charakter zu basteln. Wenn die Frisur sitzt, dann macht ihr euch auf, den dunklen Untergrund zu erkunden.

Dabei ist euer Ziel das genaue Gegenteil, denn ihr wollt raus aus der Erde und nach oben. Doch dazu müsst ihr euren grabenden Roboter, den sogenannten Robodig, fertigstellen. Um das wiederum zu erledigen, müssen zehn Kanonen gefunden werden, die alle eine andere Art von Blöcken abfeuern, aus denen sich der Robodig zusammensetzt. Auf eurem Weg durch den Untergrund trefft ihr jedoch auf zahlreiche Monster, Fallen und menschliche Söldner, die euch stoppen wollen. Zum Glück seid ihr im Umgang mit allerlei Waffen geschult und könnt euch deshalb euren Weg freikämpfen. Zu Beginn besitzt man zwar nur einen einfachen Revolver, im weiteren Verlauf kann man sich jedoch weitere Waffen – wie Schrotflinten und Maschinengewehre – kaufen oder ganz einfach aufsammeln. Sowohl gefallene Gegner, als auch geöffnete Kisten lassen euch an ihrem Besitz teilhaben. Eine Besonderheit dabei ist, dass Waffen zufällig generiert werden und es somit eine unzählige Vielzahl an Schießeisen mit verschiedenen Werten gibt.

So ein Zufall!

Doch nicht nur die Waffenwerte werden zusammen gewürfelt, auch die gesamte Welt, in der ihr euch bewegt, entsteht beim Starten eines neuen Spiels zufällig. So sieht alles immer ein wenig anders aus, sind die Gegner und Items nie an der gleichen Stelle und könnte ein hoher Wiederspielwert geschaffen werden. Allerdings ist die Spielmechanik von Platformines nicht ganz so abwechslungsreich wie das Drumherum. Auf der Suche nach den “Blockkanonen” hüpft ihr mit eurem Fünffachsprung (!) über Fallen und überwindet Höhenunterschiede, sammelt Edelsteine und Mineralien, die ihr in Lebensenergie umwandelt oder im Laden verkaufen könnt, und liefert euch lahme Duelle mit dummen Widersachern. Leider gibt es keine Charakterentwicklung, nur neue Waffen und Accessoires, wobei Letztere rein kosmetischer Natur sind und Charakterwerte nicht verändern. Das Spiel wurde mir bereits nach 20 Minuten langweilig, da es weder Herausforderungen noch Motivation gibt, die mich bei der Stange hielten. Menschliche Gegner laufen nur von links nach rechts und schießen nur dann, wenn man ihnen vor die Flinte läuft, wohingegen die Monster ziellos durch die Gegend fliegen und den Spieler nicht direkt attackieren.

Für die fertige Version verspricht Magiko Games 6-10 Spielstunden um alle Blockkanonen zu finden und den Robodig fertigzustellen. In der Beta-Version waren nur zwei dieser Kanonen auffindbar und bereits die dafür benötigte Spielzeit ließ mich unbefriedigt zurück. Weniger Gegner, dafür fordernde Kämpfe, Items die Charakterwerte verbessern und das Ab- und Aufbauen von Blöcken (nicht nur in der Werkstatt des Robodigs), würden für mich einen unglaublichen Mehrwert ins Spiel bringen. So bleibt Platformines bis jetzt ein langweiliges Spiel mit interessantem Ansatz, schöner Grafik im 16-Bit-Stil und tollem Soundtrack mit Midi-Versionen von klassischen Komponisten. Mal schauen, was die fertige Version hergibt, aber bis jetzt blicke ich dem fertigen Spiel nicht allzu euphorisch entgegen.

Zweite Meinung:
KATSCHING! Zeit, ein neues Feature auf Let’sGetDigital einzuführen. Eigentlich sollte mir Christopher mit diesem Preview ein wenig Arbeit abnehmen und nach dem vielversprechenden Trailer war ich der festen Überzeugung, sein Eindruck würde positiver ausfallen. Aber so musste ich mir die Beta nun doch selbst anschauen und ein paar Worte dazu loswerden.

Platformer mit dem Schwerpunkt auf Exploration zählen zu meinen Favoriten, womit Platformines genau in mein Beuteschema passt. Das Ausmaß der Welt ist in der Tat riesig und biete viel Freiraum für Entdeckungen. Zwei Dinge, die mir in diesem Zusammenhang übel aufgestoßen sind:

  1. Wenn Areale per Zufall generiert werden, dann im Idealfall so, dass es der Spieler nicht merkt. In diesem Punkt müssen die Entwickler noch nachbessern, denn die Umgebungen sehen sich zu ähnlich und man stößt auf seltsame Bereiche, wie zu enge Passagen u.ä. Das klappt z.B. bei Spelunky deutlich besser, allerdings umfassen hier die Level auch nur einen Bruchteil der Größe.
  2. Ein absolutes No-Go in Platformern sind Sprünge ins Unbekannte. Bei einer derart großen Karte ist dies vermutlich nicht ganz zu vermeiden und soll durch den Fünfach-Sprung wohl etwas abgeschwächt werden. In der Praxis ist ein Sturz aber meist gleichbedeutend mit Energieverlust und im ungünstigsten Fall geht sogar das Bildschirmleben flöten.

Punkt 2 würde sich relativ einfach eindämmen lassen, da er fast ausschließlich dann eintritt, wenn man Gegenständen hinterherspringt. Diese lassen sich nämlich erst aufsammeln, wenn sie auf dem Boden angekommen sind. Warum das so ist, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Aber vielleicht ändert sich das bis zur finalen Version ja nach. Es wäre sehr zu begrüßen!

Ansonsten hat mir Platformines aber viel Spaß gemacht. Die Gegend erkunden, Rohstoffe einsammeln, möglichst knapp vor dem Ableben in einen Teleporter zurück zu Basis schlüpfen, Geld für Erweiterungen ansparen und neue, bessere Waffen finden – das ist alles genau nach meinem Geschmack. Die Gegner verhalten sich auch nur zu Anfang wie Wachsfiguren, je weiter man vordringt, desto gefährlicher werden sie auch. Wo sich allerdings die angepriesenen 40% Rollenspiel verstecken sollen, ist mir ein Rätsel. Auf die hatte ich mich aber besonders gefreut. Schade. 4/5

Wertung: ★★½☆☆

Preis: Beta

Betriebssystem: Windows

Download der neusten Version (Beta)

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