Jul 312012
 

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Wir tun es uns immer wieder an: Nervenzerreißende Ausflüge in düstere Städte, Reparaturen auf monsterverseuchten Raumstationen und unzählige Fluchten vor Zombiehorden. Spiele, die uns Angst machen, sind faszinierend und abstoßend zugleich. Nach einer Rückkehr aus einer fiktiven, albtraumhaften Welt scheint uns unsere reale Welt sicherer als zuvor und wahrscheinlich können wir deshalb nicht die Finger vom Horror lassen. Aus diesem Grund nehmen wir auch gerne das Angebot von Parsec Productions an, wenn diese uns das Gruseln lehren wollen.

Als ich neulich durch den Wald slenderte…

Im dunklen Wald geht es los. Die Taschenlampe ist eingeschaltet und die ersten vorsichtigen Schritte werden gemacht. Meine Schuhe zerdrücken Laub und Erde unter sich und bilden damit die einzigen Geräusche in meiner Umgebung. Hinter ein paar Bäumen entdecke ich ein kleines Haus. Ein Blick nach links, rechts und ich renne los. Ein Dach über dem Kopf ist besser, als allein im dunklen und kalten Dickicht zu stehen. Doch als ich das Gebäude erreiche, will ich am liebsten wieder weg von hier. Es gibt nur einen engen Gang mit weiß gekachelten Wänden. Ich nehme meinen Mut zusammen und trete ein.

Slender verbreitet von Anfang an eine unbehagliche Stimmung. Etwas scheint dort in der Dunkelheit zu sein und tatsächlich kann er jederzeit auftauchen, der Slender Man. Vielleicht steht er hinter dem nächsten Baum oder sogar hinter dem Spieler, wenn dieser sich umdreht. Also läuft man manchmal hektisch, manchmal übervorsichtig, aber immer angespannt durch die Gegend und sucht acht Zettel mit Zeichnungen und Notizen, in der Hoffnung, diese bringen Erlösung und beenden diesen Horror so schnell wie möglich.

Das Böse trägt Anzug und Krawatte!

Die Beklemmung beim Spiel reißt nie ab und findet ihren Höhepunkt in der Begegnung mit dem gut gekleideten Antagonisten. Eine große, schlaksige Figur im feinen Zwirn und mit leerem Gesicht. Kommt man ihr zu Nahe oder blickt sie zu lange an, dann ist das Spiel vorbei. Interessant ist, dass der Slender Man keine Erfindung der Entwickler selbst ist. Er entstand als ein Hobbybildbearbeiter eben jene Figur erdachte, sie in alte schwarz-weiß Fotografien einfügte und damit an einem Wettbewerb teilnahm. Sehr schnell fanden sich Nachahmer, die Figur wurde populärer, es wurden Found-footage-Filme gedreht und sogar der Minecraft -Erfinder Notch ließ sich für einen Gegner im Klötzchenspiel vom Slender Man inspirieren.

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Bei Slender passiert mit dem Menschen vor dem Bildschirm dasselbe, wie mit der Figur die man steuert: Man bekommt Angst. Das zeigt sich durch das Verschwimmen des Bildes am Computer und in der Realität an meiner angespannten Miene und der verkrampften Körperhaltung. Außerdem wird man ununterbrochen unter Druck gesetzt. „Soll ich die Lichtung mit einem Sprint überqueren, obwohl auf einer gerade gefundene Notiz ‚Don’t run!‘ gekritzelt ist“? „Schalte ich die Taschenlampe unter freiem Himmel aus, um die Batterie zu schonen und keine Aufmerksamkeit auf mich zu lenken?“

Das Spiel mit der Angst

Slender schafft es mit einfacher Spielmechanik, schlichter Grafik und minimalistischer Tonkulisse zu fesseln und gleichzeitig den Wunsch auszulösen, das Spiel zu beenden. Der Slender Man ist durch sein Aussehen und zufälligem Auftauchen eine der gruseligsten Videospielfiguren, die es gibt. Leider gibt das Spielziel Notizzettel zu sammeln nicht allzu viel her und eignet sich deshalb nicht um sich mehrere Stunden damit zu beschäftigen. Aber das würde man wahrscheinlich auch nicht aushalten.

Noch habe ich Slender nicht beendet. Vielleicht eines Tages, wenn ich meine ganze Familie, Freunde und Bekannte auf eine riesige Wiese einlade, Scheinwerfer aufstellen lasse, alle lustige Partyhütchen tragen und nebenbei Stand-up-Comedians auftreten. Unter solchen Voraussetzungen wäre ich vielleicht bereit, diesen Horror durchzustehen.

Rating: ★★★½☆

Preis: Freeware

Betriebssystem: Windows, Mac OS X

Download der neusten Version (beta v0.9.5)

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