Sep 022012
 

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Um es kurz zu machen: Hero Academy macht mehr als nur ein klein wenig süchtig und mir verdammt viel Spaß. Ich bin sogar während ich diesen Text hier schreibe am spielen, bzw. warte darauf, den nächsten Zug machen zu können (dazu später mehr). Aufmerksam auf den Titel wurde ich eigentlich nur, weil mir der Entwickler überaus sympathisch ist. Nachdem Ensemble Studios dicht gemacht wurde (ihr wisst schon, die Macher von Age of Empires), schloß sich ein Teil der Angestellten zu Robot Entertainment zusammen. Nach dem grandiosen Orcs Must Die! kehrt das Team in das vertraute Genre Strategie zurück, allerdings rundenbasiert statt in Echtzeit.

Doch der Sprung ist mühelos geglückt. Auf einem Schachbrett-artigen Feld stehen sich zwei Teams gegenüber. Bisher gibt es deren fünf, die jeweils über eigene Fähigkeiten verfügen und sich angenehm unterschiedlich spielen. Ziel einer jeden Partie ist entweder die gegnerischen Kristalle zu zerstören oder jede einzelne Figur ins Nirwana zu schicken. Zu Beginn stehen sechs Figuren/Fähigkeiten zur Auswahl, insgesamt fünfzehn kommen als Verstärkung nach, dann ist Schluss. Diverse Felder mit Sonderfunktionen – Bonus auf Angriff, höhere Verteidigung, mehr Schaden gegen Kristalle – runden das überschaubare Regelwerk ab. In einem kleinen Tutorial werden die wenigen Funktionen gut erklärt, nach ein paar Matches weiß man, wie der Hase läuft.

Zurück in die graue Vorzeit

Einen wirklichen Einzelspieler-Modus gibt es nicht, nur eine Reihe Herausforderungen, welche die Spezialfähigkeiten der Teams erklären. Danach spielt sich alles im Multiplayer an. Hier wird auf einen aktuellen Trend gesetzt, der eigentlich der Urvater des körperlosen Mehrspielers ist: die asynchrone Kommunikation. Wer im letzten Jahrtausend mit einer entfernten Person bspw. eine Partie Schach spielen wollte, musste einen Brief mit seinem Zug versenden und auf die Antwort warten. Nicht anders funktioniert das Ganze auch heutzutage, nur dass die Wartezeiten aufgrund der Übertragungswege natürlich erheblich kürzer sind. Leider hat dieses System neben den tollen Vorteilen, auch einen ganz entscheidenden Nachteil:

+ Da die Züge von einem zentralen Server verwaltet werden und nicht in Echtzeit ablaufen, ist der von mir sehr geliebte plattformübergreifend Mehrspieler möglich.

+ Der eigene Zug kann generalstabsmäßig geplant werden. Es gibt kein Zeitlimit und die Undo-Funktion steht unbegrenzt zur Verfügung.

+ Das Konto ist auf allen Plattformen gültig. Kauft ein Team am PC und spielt damit auf dem iDevice.

+ Gleiches gilt für die Züge. Macht sie am Rechner oder unterwegs auf dem Handy. Ihr spielt immer die gleichen Partien, egal wo ihr gerade seid.

– Ich will JETZT spielen, aber in keinem der begonnenen Spiele hat das Gegenüber einen Zug gemacht. Also muss ich mich entweder gedulden oder *noch* eine neue Partie eröffnen.

Was also im schlimmsten Fall passiert ist, dass ihr nach und nach immer mehr offene Partien ansammelt. In einigen kommt ihr sporadisch mal an die Reihe, in anderen vergesst ihr völlig den Plan, da der letzte Zug bereits Tage zurückliegt. Wer sich mit einem Freund abspricht, kann freilich flüssig ein Spielchen wagen. Gegen zufällige Gegner muss man meiner Erfahrung nach aber etwas Glück bei der Spielersuche haben. Aber vielleicht macht euch das ja gar nichts aus? Ihr habt das Programmfenster im Hintergrund laufen, arbeitet nebenher und mach euren Zug, wenn ihr an der Reihe seid. Ich dagegen wünsche mir eine Einstellung, ob man asynchron oder in einer Art Lobby spielen möchte. Oder zumindest sollte nach einem festgelegten Zeitraum (z.B. fünf Tage), der Sieg automatisch an den auf einen Zug wartenden Spieler gehen.

Spiel Top, Bezahlmodell Flop

Von diesen Quengelei mal abgesehen, macht das strategische Geplänkel wie schon erwähnt einen Heidenspaß. Das Regelwerk ist einfach genug, um es schnell zu begreifen, bietet aber ausreichend Komplexität für spannende und immer wieder andere Partien. Was auch durch das Zufallselement der nur sechs gleichzeitig zur Verfügung stehenden Einheiten/Fähigkeiten gestärkt wird. Je nach Kombination eröffnen sich so überraschende Möglichkeiten, die den Spielverlauf frisch halten. Wie balanciert die Teams nun tatsächlich sind, vermag ich nicht zu sagen. Anfangs fühlt man sich oft hoffnungslos unterlegen gegen einen unbekannten Feind. Und auch manche Situationen erscheinen oft hoffnungslos, was aber auch an meiner Unfähigkeiten liegen mag. Für die Zukunft versprechen die Entwickler jedenfalls weitere Teams, was der Langzeitmotivation nur förderlich sein kann.

Zum Schluss muss ich noch die undurchsichtige Preisstruktur bemängeln. Das günstigste Angebot gibt es auf Steam, für 15€ erhält man hier komplett alles in einem Paket. Wer nur mal zur Probe spielen möchte, muss ein iDevice haben, denn hier ist das Spiel inkl. einem Team kostenlos. Verpasst ihr das Steam-Komplettangebot wird’s teurer. Ein Team inkl. aller Avatare kostet 4,99€ für den PC, iOS-Benutzer zahlen 1,59€ pro Team, 0,79€ für Probier-Avatare und 2,39 für Elite-Avatare (macht zusammen 4,77€). Während drei neue Teams inkl. der recht nutzlosen Avatar-Bildchen auf dem PC also 15€ kosten, zahlt man für die reinen Teams im App Store lediglich 4,77€ (schon wieder diese Zahl). Nennt es modular, ich nenne es kompliziert und unnötig. Genau vergleichen vor dem Kauf ist angesagt!

Rating: ★★★★☆

Preis: Freemium (Team „der Rat“ umsonst)

Kompatibilität: Universell

Homepage / App Store

Preis: 4,99€ (zwei Teams inklusive) (Steam)

Betriebssystem: Windows

Homepage / Forum (Steam)

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