Okt 152012
 

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Als die Verantwortlichen bei SEGA nach dem XBLA/PSN-Release von Sonic Adventure eines Tages darüber sinnierten, ob man den Nachfolger ebenfalls umsetzen sollte, erinnerten sie sich wahrscheinlich an eine Zeile des famosen Sonic Colours: “A hedgehog’s gotta do, what a hedgehog’s gotta do.” Denn was ein richtiger blauer Igel ist, darf sich bei Fortsetzungen natürlich nicht lumpen lassen. Das Resultat dieser Überlegungen wartet nun in Form von Sonic Adventure 2 auf einer 360 bzw. PS3 Eures Vertrauens (PC in Bälde) auf Euren Download.

Alles neu macht Teil Zwei?

Kenner des Originals können beruhigt zum nächsten Abschnitt springen. Alle anderen bekommen nun eine kleine Übersicht dessen, was sich inhaltlich und gameplaymäßig im Vergleich zum Vorgänger verändert hat.
Wer den Aufbau von Sonic Adventure mit seinen sechs Story-Zweigen, die sich regelmäßig überschnitten haben, zu verwirrend fand, kann hier aufatmen. Sonic Adventure 2 bietet einen wesentlich lineareren Story-Aufbau und lediglich zwei Hauptstories. In der Hero-Story seid Ihr mit Sonic, Tails und Knuckles unterwegs, um Dr. Eggmans neueste Weltherrschaftspläne zu vereiteln. In der Dark-Story schlagt Ihr Euch nun erstmals in der Geschichte der Serie auf die dunkle Seite der Macht und steuert die Geschicke von Dr. Eggman und den Neuzugängen Shadow the Hedgehog und Rouge the Bat.

Das Gameplay lässt sich dabei grundlegend in drei Gruppen einteilen: Sonic und Shadow weisen das aus dem Vorgänger bekannte Hochgeschwindigkeits-Gameplay auf und würzen es noch mit einigen Neuerungen, allen voran die Railgrinds, die mittlerweile aus keinem Sonic-Spiel mehr wegzudenken sind. Tails und Dr. Eggman sind immer in einer Art Mini-Kampfmech unterwegs und nehmen ihre Gegner, ähnlich wie E-102 Gamma im ersten Teil, per Lock-On-Schuss aufs Korn. Was das Gameplay hier an Geschwindigkeit einbüßt, wird durch eine gehörige Portion Krach-Bumm wieder aufgewogen. Knuckles und Rouge sind im Gegensatz zum Rest der Truppe eher gemütlich unterwegs und suchen mit Hilfe ihrer Kletter- und Grabfähigkeiten nach versteckten Gegenständen, wobei sie sich innerhalb einer Stage frei bewegen können.

Der Linearität zum Opfer gefallen sind die aus Sonic Adventure bekannten Adventure Fields-Oberwelten, in denen Ihr kleinere Rätsel lösen und die Eingänge zu den eigentlichen Stages finden musstet. In Teil 2 ist die Reihenfolge der Charaktere und Stages nun strikt vorgegeben, und die einzelnen Abschnitte werden nahtlos durch Zwischensequenzen miteinander verbunden. Dies stellt zwar einen Wermutstropfen dar für alle Spieler, die das Erforschen der Adventure Fields im ersten Teil mochten. Doch bezüglich Verständlichkeit, Logik und Spannungskurve ist die kompaktere Erzählweise und die strikte Aufgabentrennung innerhalb der beiden Teams ein gewaltiger Pluspunkt.

HD-Verjüngungskur

Auf der technischen Seite gibt sich Sonic Adventure 2 keine Blöße. Im Gegensatz zum XBLA/PSN-Vorgänger, der noch im originalen 4:3-Seitenverhältnis dargestellt wurde, haben die Entwickler sich mit Teil 2 wesentlich mehr Mühe gegeben und das Spiel erstmals vollständig an den heutigen 16:9-Standard angepasst, bei konstanten 60 Bildern pro Sekunde. Die Charaktermodelle und Umgebungstexturen sowie einige zusätzliche Effekte wie Rauchschwaden, Wasserreflektionen etc. wurden zwar “nur” 1:1 von der damaligen Gamecube-Neuauflage übernommen, doch bezüglich Texturqualität und -quantität spielte Sonic Adventure 2 ohnedies schon immer ganz weit oben mit und kann sich selbst heutzutage durchaus noch sehen lassen. Lediglich die berühmtberüchtigten Kameraprobleme (und somit einige unverschuldete Bildschirmtode) trüben den erstklassigen technischen Gesamteindruck. Im direkten Vergleich zum Vorgänger wurden diese Probleme jedoch merklich reduziert und treten zum Glück nur noch selten auf.

Es gibt viel zu tun, packen wir’s an!

Auch abseits der Story bietet Sonic Adventure 2 jede Menge Beschäftigungsmöglichkeiten. Insgesamt gibt es 180 Embleme für das Bestehen diverser Aufgaben.
So bietet jeder der insgesamt 31 Level jeweils fünf verschiedene Missionen, wodurch sich eine beeindruckende Zahl von insgesamt 155 Missionen ergibt. Angefangen vom simplen Erreichen des Ziels, dem Sammeln einer bestimmten Anzahl an Ringen über Such- und Time Attack-Aufgaben bis hin zu Hard-Mode-Varianten mit verändertem Leveldesign und erhöhtem Gegneraufkommen herrscht ordentlich Abwechslung. Am Ende einer jeden Mission wird man anhand seiner Zeit und/oder seiner Punktzahl mit einer Note von A bis F bewertet, so dass Highscore- und Achievement-Jäger mehrere Wochen bzw. Monate beschäftigt sein dürften, wenn sie in allen Missionen die Höchstwertung erreichen wollen, zumal einige Aufgaben wirklich höllisch schwer sind. Dennoch sorgt das zugrunde liegende Punktesystem für reichlich Motivation und Verbesserungsspielraum. Sonic Adventure 2 belohnt den Spieler nämlich nicht nur für das Sammeln von Ringen und das Ausschalten von Gegnern, sondern auch für besonders spektakuläre und stylische Manöver und die Aneinanderreihung von Kombos, ohne den Boden zu berühren.

Ebenfalls für Langzeitmotivation sorgen 28 Power-Ups, die teilweise verdammt gut versteckt sind und den Charakteren neue Fähigkeiten verleihen. Daher sollte man nicht zögern, bereits abgeschlossene Stages zu einem späteren Zeitpunkt erneut zu erkunden, da man mit den frisch freigeschalteten Fähigkeiten meist auch Zugang zu neuen Bereichen erhält.

Neben den normalen Stages schaltet man im Laufe des Spiels übrigens auch einen Kart-Rennen-Modus (mit drei Schwierigkeitsgraden) und einen Boss-Angriffs-Modus (mit drei Kadern) frei, und besonders ausdauernde Spieler werden mit neuen Charakter-Outfits, neuen Karts und einem Bonuslevel belohnt.

Viva Piñata Chao!

Die umfangreichste Nebenbeschäftigung stellt (wie schon im ersten Teil) die Chao-Zucht dar, die hier noch weiter ausgebaut und vertieft wurde und im Prinzip 1:1 aus der Gamecube-Version übernommen wurde. Ihr könnt Eure Chao wie im Vorgänger in speziell dafür vorgesehenen Gärten pflegen, züchten und sogar mit Tieren kreuzen, um so ihr Aussehen zu verändern und diverse Eigenschaften wie Fliegen, Rennen, Schwimmen etc. aufzuleveln. Neu hinzugekommen sind die verschiedenfarbigen Chaos Drives, welche in den Stages von besiegten Robotern des Militärs fallengelassen werden und mit denen man gezielt einzelne Werte eines Chao pushen kann (was mit den Tieren nämlich nicht möglich ist, da diese immer mehrere Werte gleichzeitig beeinflussen). Ebenfalls neu sind der Hero- und der Dark-Garden und die Möglichkeit, weiße, unschuldige Hero-Chao und schwarze, grimmige Dark-Chao zu züchten (je nachdem, mit welchen Charakteren Ihr die Kleinen aufzieht).

Wer möchte, kann seine Chao nun im Kindergarten absetzen, wo sie Zeichnen, Tanzen oder das Spielen diverser Instrumente erlernen. Weiterhin befindet sich im Kindergarten ein Doktor, der die Fähigkeiten und Vorlieben eines Chao analysiert und somit beim gezielten Training helfen kann, und der Schwarzmarkt, wo man Spielzeug, Nahrung und Samen für den Anbau besonderer Früchte erwerben kann. Sinn der ganzen Zucht ist natürlich nach wie vor, mit seinen Schützlingen gute Platzierungen in den diversen Chao-Rennen und dem neuen Chao-Karate einzuheimsen. Im Gegensatz zur Dreamcast- bzw. Gamecube-Fassung ist es logischerweise nicht mehr möglich, seine Chao auf die VMU bzw. den Gameboy Advance hochzuladen und unterwegs weiter aufzuleveln. Doch die Funktionen der mobilen Chao-Gärten wurden sinnvoll in den Kindergarten und die normalen Chao-Gärten integriert, so dass nichts Wichtiges fehlt.

Multiplayer Battle Royale

Neben dem Hauptspiel bietet SEGA außerdem noch ein Multiplayer-DLC-Paket an. Ohne diesen DLC besitzt das Spiel nur die relativ schmale Multiplayer-Ausstattung des Dreamcast-Originals. Ladet Ihr Euch das DLC-Paket herunter, wird Euer Spiel um die neuen Multiplayer-Inhalte der Gamecube-Version erweitert, was sich auch in einer veränderten Introsequenz und einem neuen Titelbild bemerkbar macht. Denn fortan prangt der volle Name der Gamecube-Version auf Eurem Bildschirm: Sonic Adventure 2 Battle. Bei den Neuerungen handelt es sich um 21 neue Multiplayer-Maps, sechs neue Charaktere und den Chao-Karate-Multiplayermodus.

Der Multiplayer des per DLC erweiterten Spiels bietet Splitscreen-Duelle in so ziemlich allen Stages des Hauptspiels (teilweise jedoch mit verändertem Leveldesign oder neuen Settings wie Schnee etc.) und in allen dort vorkommenden Disziplinen: Action-Rennen, Mech-Kampf, Schatzsuche, Kart-Rennen, Chao-Rennen und Chao-Karate. Die Duelle neigen zwar teilweise zum Chaos, was dem Spaß jedoch keinen Abbruch tut. Zusätzlich zu den normalen Fähigkeiten aus dem Hauptspiel besitzen die Charaktere hier exklusive Multiplayer-Fähigkeiten, um sich Gegenseitig mit Blitzen, invertierten Kontrollen oder auch Lähmung zu piesacken. Durch das Sammeln von Ringen innerhalb einer Partie lassen sich diese Attacken zusätzlich aufleveln, um noch mehr Chaos zu stiften.

Nebenbei bekommt ihr mit dem DLC übrigens auch die Möglichkeit, das Design des Hauptmenüs basierend auf den verschiedenen Charakteren zu verändern (inklusive neuer Voice Samples). An dieser Stelle ein kleiner Tipp von mir: Wenn Ihr im Thema-Auswahl-Bildschirm seid, rotiert den linken Stick mal eine Zeit lang im Uhrzeigersinn, um ein geheimes Design freizuschalten.

Viel Sonic Spiel für’s Geld

Sonic Adventure 2 (Battle) ist selbst für aktuelle XBLA bzw. PSN-Verhältnisse unverschämt umfang- und abwechslungsreich und macht zudem auch noch eine Menge Spaß. Auch Schwierigkeitsgrad und Wiederspielwert geben keinen Anlass zur Kritik. Unerfahrene Spieler werden schrittweise an das Gameplay herangeführt und sollten das Spiel ohne größere Schwierigkeiten durchspielen können, zumal einige unfaire Stellen des Dreamcast-Originals in der Gamecube-Fassung (und somit auch hier) durch zusätzliche Plattformen und Bumper entschärft wurden. Wer jedoch alles sehen und alles meistern möchte, der muss schon eine Menge Zeit, Ausdauer und Schweiß investieren. Auch in technischer Hinsicht macht der Titel eine sehr gute Figur.

Was dem einen oder anderen eingefleischten Sonic-Fan jedoch missfallen könnte, ist, dass unser blauer Überschall-Igel sich das Spiel mit fünf anderen Charakteren teilt und somit nur ca. ein Sechstel der Stages für sich beanspruchen kann. Rechnet man Shadow noch hinzu (der ja mit Sonic dasselbe Gameplay teilt), macht das klassische High-Speed-Gameplay jedoch insgesamt schon ein Drittel der Stages aus. Die Aufteilung des Gameplays in drei verschiedene Hauptelemente (Rennen, Schießen, Suchen) gereicht der Abwechslung des Spiels jedoch zweifellos zum Vorteil und bereichert das Spiel sowie das gesamte Sonic-Franchise um einige interessante Features und Aspekte.

Somit kann ich Sonic Adventure 2 jedem Jump&Run-Fan wärmstens empfehlen. Im Besonderen natürlich denen mit Faible für blaue Igel und dicke, gestörte Wissenschaftler.

Wertung: ★★★★★

Preis: 9,99€ / $9,99

Extras: keine

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Preis: 800 Microsoft Points (zum Marktplatz)

Unlockables: Avatar Auszeichnungen (2)

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