Jan 212013
 

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Dr. Eggman gönnt unserem blauen Igel einfach keine Ruhepause. Also rollt Sonic wieder einmal los, um in Sonic 4 Episode II erneut die Welt zu retten.
Diesmal hat sich jedoch so Einiges geändert, sowohl auf grafischer als auch auf inhaltlicher und spielerischer Seite. Und sogar die eine oder andere Überraschung steht dem Helden bzw. Spieler eventuell bevor.

Wo sind all die Bitmaps hin?

Die augenscheinlichste Neuerung ist wohl der neue Grafikstil, der nicht mehr (wie noch zuvor in Episode I) auf hochaufgelöste 2D-Grafiken, sondern auf knackscharfe, detaillierte Polygon-Welten setzt. Und das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Grafisch spielt Sonic 4 Episode II ganz weit oben mit. Die neue räumliche Tiefe ermöglicht sogar erstmals stimmungsvolle Lichtspielereien wie beispielsweise God Rays (zu deutsch: Strahlenbüschel), d.h. Sonnenstrahlen, die sich durch die Tiefe des 3D-Raumes ziehen. Ein Effekt, der erst in Bewegung richtig zur Geltung kommt und auf Screenshots leider nicht so gut vermittelt wird.

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Traditionelles Gameplay

Spielerisch bleibt sich der blaue Blitz glücklicherweise treu und geht keine großartigen Experimente ein. Sprich: Trotz der dreidimensionalen Umgebungsgrafik verläuft das Gameplay wie im Vorgänger ausschließlich in den klassischen 2 Dimensionen. Ihr saust nach wie vor mit einem Affenzahn durch seitlich scrollende Level, flitzt durch Loopings, sammelt goldene Ringe und Chaos Emeralds und durchkreuzt dabei natürlich Eggmans neueste Weltherrschaftspläne.
Den Kritiken an der trägen Renn-Physik des ersten Teils hat man sich offensichtlich ebenfalls angenommen, denn Sonic steuert sich nun deutlich flotter und nimmt wesentlich schneller Geschwindigkeit auf.

Return of the Fox

Sonics größter Trumpf im Kampf gegen Eggmans Roboterarmeen sind diesmal aber nicht seine schnellen Füße, sondern sein bester Kumpel Miles „Tails“ Prower, der hier ein ehrenvolles Comeback feiert.
Wie damals in Sonic 2 auf dem altehrwürdigen Mega Drive ist der zweischwänzige Fuchs Euer ständiger Begleiter. Doch diesmal hat er mehr drauf als Euch nur die Luftblasen unter Wasser wegzuschnappen. (Was er übrigens noch immer gerne tut.) Auf Kopfdruck hängt sich Sonic an Tails‘ Füße, und Ihr übernehmt kurzzeitig dessen Kontrolle und nutzt so seine Flug- bzw. Schwimmfähigkeiten, um hoch gelegene Plattformen zu erreichen und Abgründe zu überwinden (ähnlich wie damals in Sonic Heroes oder Sonic Advance 3). Das funktioniert erstaunlich intuitiv und stellt eine gelungene Bereicherung des Gameplays dar.

Doch Ihr könnt nicht nur jederzeit zwischen Sonic und Tails wechseln, Ihr könnt die beiden nun auch zu einer einzigen Kugel fusionieren, die alles aus dem Weg räumt, was sich Euch entgegenstellt. Aufgrund der Trägheit dieser übermächtigen Riesenkugel sollte der Einsatz dennoch gut überlegt sein, will man nicht in den nächstbesten Abgrund stürzen.

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Weltenklau, Teil 2?

Mitnichten. Ganz so offensichtlich wie in Episode I hat man diesmal nicht die Settings der alten Games übernommen und einfach in HD neu aufgelegt. Doch die Welten in Episode II wirken noch immer sehr vertraut, und wer sich auskennt wird sofort die Vorbilder der einzelnen Settings erkennen. Dennoch gibt es diesmal genug neue Elemente und künstlerische Eigenständigkeit, um die Mega Drive Spiele eher als Inspirationsquelle statt als Kopiervorlage anzusehen. Zumal Episode II öfter mal mehrere bekannte Settings zu einer einzigen, stimmigen Welt vereint. Und endlich werden auch keine Endgegner aus der Mega Drive Ära mehr recyclet. Im Gegenteil, die Endgegner in Episode II sind erstaunlich einfallsreich designt und stellen eines der Highlights des Spiels dar.

Die Macht der Zwei

Eine weitere große Neuerung ist der Zwei-Spieler-Koop-Modus, den Ihr lokal und sogar online bestreiten dürft. Die Abenteuer des dynamischen Duos Sonic und Tails zusammen mit einem Kumpel zu erleben, ist eine feine Sache, zumal das Leveldesign wirklich auf die Zusammenarbeit der beiden Helden ausgelegt ist und somit viele Möglichkeiten zur Koop-Interaktion bietet. Ihr spielt dabei jedoch nicht wie so oft üblich im Splitscreen, sondern bleibt jederzeit auf demselben Screen. Entfernt Ihr Euch voneinander, zoomt die virtuelle Kamera einfach weiter raus.

Praktischerweise können die Kombo-Moves von beiden Spielern initiiert werden, so dass niemand das Nachsehen hat. Drückt einer der Spieler den Kombo-Knopf, wird der andere Spieler automatisch herbeigerufen, egal wo auf dem Screen er sich gerade befindet. Selbst die eine oder andere Fall in bodenlose Tiefen kann so vom Partner noch in letzter Sekunde verhindert werden. Und wer einmal mit einem kompetenten Mitspieler die Halfpipe Special Stages (jepp, die sind auch wieder mit an Bord) gespielt und auf zwei Seiten gleichzeitig Ringe gesammelt hat, will das nie wieder alleine machen.

Doch die Sache hat einen Haken: Beide Spieler sollten im Idealfall über einigermaßen ähnliche Skills verfügen. Denn aufgrund der hohen Geschwindigkeit saust der erfahrenere Spieler ansonsten dem Neuling schnell davon. Die Entwickler haben dem zwar vorgebeugt, indem der hintere Spieler bei zu großem Abstand wieder automatisch nach vorne gebeamt wird und dann auf Knopfdruck wieder nahtlos ins Spiel einsteigen kann, doch wird der Spielfluss des langsameren Spielers durch diese Beamerei natürlich unterbrochen. In Anbetracht des klassischen Sonic-Gameplays ist dies jedoch wahrscheinlich der bestmögliche Kompromiss, um im Koop die Geschwindigkeit aufrecht erhalten zu können.

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Wer, wie, was? Wieso, weshalb, warum?

Habe ich an Episode I noch kritisiert, dass es mangels Cutscenes so gut wie keine Story gab, so hat mich Episode II diesbezüglich wieder versöhnt. Nicht nur, dass die Geschichte rund um Eggman und Metal Sonic (richtig gelesen, der Blechmann feiert ebenfalls ein Comeback) diesmal tatsächlich in kurzen Ingame-Zwischensequenzen à la Sonic 3 und Sonic & Knuckles erzählt wird. Nein, es werden sogar Story-Verbindungen zu älteren Spielen der Reihe geknüpft! Vorbildlich!

Zumindest, wenn man ebenfalls Besitzer von Episode I ist. Denn als solcher schaltet man nach dem Durchspielen eine zusätzliche Episode frei, die einige interessante Storydetails preisgibt und teilweise sogar Fragen beantwortet, die Sonic-Fans sich seit nunmehr fast zehn Jahren stellen. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, außer dass die vier neuen Level in den Welten von Episode I angesiedelt sind. Hierdurch wird also nachträglich sogar die Relevanz der Geschehnisse von Episode I deutlich.

Ob dieses Nachreichen von Story-Häppchen zum episodenübergreifenden Erzählstil von Sonic 4 gehört und von Anfang an so geplant war, oder ob man damit ein Versäumnis wiedergutmachen wollte, sei einmal dahingestellt.

Ist es denn nun gut oder nicht?

Auf diese Frage antworte ich mit einem eindeutigen: „Ja, aber…!“
Die neuen Features und Kontrollen, die wunderschöne Grafik, ja sogar der verbesserte Retro-Sound, der nun doch den einen oder anderen eingängigen Track bietet… all das ist wirklich extrem gut geworden. Doch gerade bei einem der allerwichtigsten Stützpfeiler eines jeden (Sonic-)Spiels zeigt Sonic 4 Episode II leider gewisse Qualitätsschwankungen: im Leveldesign. Der Großteil der Level ist zwar zum Glück exzellent designt, doch in der vierten Welt werdet Ihr Euch fragen, was sich die Entwickler dabei gedacht haben. Die fünfte und gleichzeitig letzte Welt ist dagegen schon wieder so genial, dass man es kaum fassen kann! Da passt eigentlich nur noch das Wort „crazy“! Leider ist es gleichzeitig auch die mit Abstand kürzeste aller Welten.

Insgesamt gesehen bietet das Spiel dennoch so viele Verbesserungen gegenüber Episode I, dass es meine (verhaltenen) Erwartungen bei weitem übertroffen hat. Und aufgrund des relativ großen Umfangs mit zwölf (teilweise riesigen) regulären Stages plus Boss-Stages trüben die wenigen Leveldesign-Patzer die Gesamterfahrung zum Glück nicht allzu sehr.
Unterm Strich bleibt also ein sehr gutes Sonic, mit dem sowohl Fans als auch Jump&Run-Liebhaber im Allgemeinen sehr viel Spaß haben werden.

Rating: ★★★★½

Preis: 6,34€

Android-Version: 2.3 oder höher

Homepage / Google play

Preis: 4,49€

Kompatibilität: Universell

Homepage / App Store

Preis: 12,99€ (Steam)

Betriebssystem: Windows

Homepage / Forum (Steam)

Preis: 12,99€ / $14,99

Extras: keine

Homepage / Sony Entertainment Network

Preis: 1.200 Microsoft Points (zum Marktplatz)

Unlockables: Avatar Auszeichnungen (2)

Homepage / Forum

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