Mrz 212013
 

smoothoperators1-tnsmoothoperators2-tnsmoothoperators3-tnsmoothoperators4-tn

Aufbau-Simulationen fand ich schon immer toll, denn Sie ermöglichten meine Kindheitsträume zu verwirklichen. Ich konnte einen eigenen Freizeitpark mit Achterbahnen errichten, einen Zoo mit wilden Tieren eröffnen und sogar mein eigenes Entwicklerstudio gründen. Nun gibt es mit Smooth Operators ein Spiel, bei dem ich nicht sicher bin, ob es Leute gibt, die sich hiermit einen lang ersehnten Traum erfüllen werden. Oder gibt es da draußen jemanden der ganz wild darauf ist, sein eigenes Callcenter zu errichten?

ICH bin der Telefonmann!

Der erste Schritt in die Welt der Telefonberatungszentren fällt relativ leicht. Man erhält einen Auftrag und errichtet mit dem Startkapital einen ersten Büroraum, in dem bis zu vier Arbeiter Platz haben. Bevor jedoch das Personal eingestellt wird, muss geschaut werden, welche Aufgaben der Auftraggeber erfüllt haben will. Dabei wird zwischen ausgehenden und eingehenden Anrufen, sowie Back-Office Arbeiten unterschieden. Eigentlich finden sich in jedem Auftrag alle Bereiche wieder, jedoch mit unterschiedlicher Intensität. Gibt es also besonders viele eingehende Anrufe, dann muss man zwei Agenten oder mehr dafür einstellen, für die anderen Bereiche dann nur einen. Schnell wird klar, dass ein einziges Büro mit seinen vier Arbeitsplätzen nicht ausreicht und ein Zweites wird gebaut.

Für die erledigten Aufgaben gibt es Geld vom Auftraggeber, das auch unbedingt wieder in die Firma gesteckt muss. Im Laufe der Zeit stapelt sich Müll in den Büros und die Effektivität der Arbeit wird dadurch verringert, dass die Mitarbeiter zum Essen und Toilettengang nach Hause gehen! Es muss also eine Toilette und ein Imbiss her und Reinigungspersonal eingestellt werden. Dadurch wird die Arbeit noch besser erledigt, es gibt mehr Geld und die Aufträge werden umfangreicher. Also wird ein Aufzug gebaut und eine zweite Etage auf das Firmengebäude gesetzt. Mittlerweile kümmern sich IT-Mitarbeiter um defekte Computer, Coaches feuern die Mitarbeiter an und Projektmanager entwickeln Weiterbildungsmaßnahmen und Büroerweiterungen.

Wenn man so langsam den Anschluss verliert …

Läuft es bei Smooth Operators erst einmal, dann macht es so richtig Spaß. Die Telefone klingeln ununterbrochen, der Geldberg wächst und die Aufzüge rauschen mittlerweile bis in die dritte Etage. Inzwischen kann ich meine Büros und Fahrstühle verbessern, sodass meine Angestellten noch schneller und effektiver Arbeiten können. Dann werden neue Aufträge an Land gezogen und plötzlich fällt alles zusammen, was ich mir gerade aufgebaut habe. Um die Arbeit zu bewältigen, brauche ich mehr Büroräume, mehr Call Center-Agenten, mehr Reinigungskräfte, mehr Coaches, mehr Toiletten und mehr von allem anderen. Plötzlich geht alles drunter und drüber, Mitarbeiter werden krank oder kündigen, ich komme mit der Auftragserfüllung nicht mehr hinterher und muss Strafe zahlen. Es entwickelt sich ein Sog, aus dem ich nicht mehr herauskomme, die Arbeit wächst mir über den Kopf und ich gebe auf. Kein Anschluss unter dieser Nummer. Die Arbeit in einem Callcenter ist nichts für mich.

Durch seinen leichten Einstieg schafft es Smooth Operators das Interesse von Freunden der Aufbau-Simulationen zu wecken. Wenn die ersten Mitarbeiter die Kasse klingeln lassen, Reinigungskräfte den Laden in der Nacht wieder auf Vordermann bringen und kleine Zwischenziele („Errichte fünf Etagen“, „Stelle zehn Mitarbeiter ein“) mit Bargeld belohnt werden, dann fühlt sich das gut an. Allerdings wird der Aufbau des Unternehmens immer komplexer und das Spiel artet immer mehr in richtige Arbeit aus. Man verliert einfach den Überblick über die Aufträge, weiß nicht genau, welche Posten man am Besten besetzt und Kündigungen sowie kaputte Arbeitsplätze machen einen verrückt. Vielleicht ist das ja auch die Message des Spiels: Chef sein ist verdammt hart. Ich habe auf jeden Fall keine Lust, ein Callcenter zu leiten (im Gegensatz zum eingangs erwähnten Zoo oder Freizeitpark). Allerdings kann ich Smooth Operators einen gewissen Reiz nicht absprechen und ich werde bestimmt noch einmal mein Glück probieren. Klingelnde Telefone und klingelnde Kassen sind irgendwie verlockend.

Rating: ★★★☆☆

Preis: Freeware 4,49€ (Desura)

Betriebssystem: Windows

Homepage / Forum (Desura)

Preis: 80 Microsoft Points (zum Marktplatz)

XNA-Infoseite / Forum

Homepage

Ähnliche Beiträge:
Totem
Da dachte man schon als geneigter Spieleinteressierter alle Variationen des Match 3-Konzepts gesehen und gespielt zu haben, wird dann aber tatsächlich von Totem mit eine frischen Ansatz überrascht. Musik, Grafik ...
Weiterlesen
The Impossible Game
Spielen wir Videospiele nicht um Spaß zu haben? Um uns in neue Welten entführen zu lassen? Spielen wir nicht um uns von atemberaubenden Kulissen faszinieren zu lassen? Wollen wir nicht ...
Weiterlesen
World Revolution
Wir schreiben das Jahr 1980 und in den Arcades der USA wird gerade das Goldene Zeitalter eingeleutet. Damals ist Atari unangefochten der erfolgreichste Produzent von Videospielen und als im Juli ...
Weiterlesen
ArkX
Der zweite gute Breakout-Klon unter den Community-Games ist optisch nicht so ansprechend wie Bricks4Ever, bietet dafür aber spielerisch das erheblich bessere Gesamtpaket. Das Grunprinzip mit einem Reflektor am unteren Bildschirm ...
Weiterlesen
Kuchibi
Das Wort Kuchibi stammt aus dem japanischen und bedeutet so viel wie "Zündschnur". Damit wäre das prinzipielle Spielelement dieses Puzzlers auch schon sehr treffend zusammengefasst. Es geht nämlich darum, eine ...
Weiterlesen
DLC Quest
"Wenn du dieses Review sehen möchtest, dann musst du zuerst das kostenpflichtige Pack »Beitrag lesen« herunterladen." Ganz so schlimm wird es wohl nie kommen, aber sicher sind euch die Machenschaften ...
Weiterlesen
Totem
The Impossible Game
World Revolution
ArkX
Kuchibi
DLC Quest