Mai 292013
 

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Ein schwarzer DeLorean hält unter einer flackernden Straßenlaterne. Ein Mann steigt aus und zieht sich eine Schweinemaske über den Kopf. Sie stinkt nach billigem Kunststoff und er kann kaum darin atmen. Das Gebäude, vor dem er steht, ist heruntergekommen. Mit einem harten Tritt stößt er die Eingangstür auf. Der Gangster, der dahinter stand, liegt benommen am Boden. Der Mann in der Schweinemaske stellt sich über ihn und schlägt mit seinem Baseballschläger zu. Einmal, zweimal, dreimal. Der weiße Anzug des Opfers ist mit Blut bespritzt und das Gesicht bis zur Unkenntlichkeit zertrümmert. Der Mann in der Maske hört Stimmen in einem Nebenraum, schnappt sich eine Schrotflinte und stürmt hinein.

Der Mann in der tierischen Maske

Hotline Miami wirkt wie die Videospielumsetzung des 2011 erschienenen Filmes Drive, denn es gibt einige Parallelen. Der Protagonist ist jeweils ein Einzelgänger, der Nachts durch die Straßen fährt und ab und an Aufträge von anonymen Auftraggebern annimmt. Zudem gibt es jeweils Anspielungen auf die 80er und einen kraftvollen Soundtrack. Insbesondere Gewalt spielt eine zentrale Rolle. Tatsächlich bedanken sich die Macher des Spiels in den Credits bei Regisseur Nicolas Winding Refn. Zwar gibt es im Film nicht annähernd so viele Gewaltausbrüche wie in Hotline Miami, in beiden Fällen sind die Tötungszenen aber sehr explizit, schmutzig und grausam.

Der Protagonist von Hotline Miami ist ein Auftragskiller, der alle paar Tage einen neuen Mordauftrag auf seinem Anrufbeantworter vorfindet. Vom Apartment aus steigt er in seinen grauen DeLorean und fährt los, obwohl er eigentlich keine Ahnung hat, von wem die Aufträge kommen – oder warum er sie ausführt. Am Einsatzort angekommen hat er die Wahl zwischen verschiedenen Tiermasken, die zum einen die Identität verschleiern und zum anderen spezielle Attribute verleihen. So richtet er mit der Tigermaske mehr Schaden mit den Fäusten an oder startet durch die Affenmaske mit einem Messer als Waffe. Ist die Maske übergezogen, geht es los und alle Feinde des Levels müssen ausgeschaltet werden. Das gesamte Spiel findet in der Topdown-Perspektive statt, man sieht also das Geschehen von oben. Jeder Raum ist von Anfang an einsehbar und so auch jeder Gegner sichtbar. Allerdings ist es unangebracht, einfach loszustürmen und alle nacheinander umzulegen, denn der Hauptcharakter beginnt jedes der 15 Kapitel ohne Waffen und hat zunächst nur seine Fäuste zur Verfügung. Viel schwerwiegender ist aber die Tatsache, das er nur einen Treffer verträgt, ganz egal ob der Feind mit Schrotflinte oder Brechstange hantiert.

Im Rausch der Gewalt

Jeder Fehler wird also gnadenlos mit dem Tod bestraft und es ist Vorsicht geboten, wenn er durch die Flure und Zimmer streift, um alle Feinde auszuschalten. Wird er vom Gegner getroffen, beginnt der aktuelle Abschnitt komplett von vorn. Also muss man sich erst einmal einen Überblick verschaffen und überlegen, welche Feinde wann und wie ausschaltet werden. Bei Hotline Miami ruhig und besonnen vorzugehen ist aber gar nicht so einfach, denn durch die knallig-bunte Neongrafik und den treibenden Elektrosoundtrack kann man eigentlich nicht anders als ohne Sinn und Verstand durch das Level zu rauschen. Mit Nahkampfwaffen wie Brechstangen, Flaschen oder Katanas werden vereinzelt herumstehende Feinde leise ausgeschaltet, um möglichst keine Aufmerksamkeit zu erregen. Wenn alle Stränge reißen, greift man auf Maschinengewehre und Schrotflinten zurück, wobei damit viele Feinde anlockt werde. Befinden sich drei oder mehr Feinde in einem Raum, ist eine taktische Vorgehensweise ratsam. Meistens läuft es so ab, dass der erste Gangster eine Tür in den Rücken bekommt und somit für kurze Zeit bewusstlos ist. Dann wird der Nächste Gegner mit einem Baseballschläger niedergestreckt und dem letzten Feind der Holzknüppel ins Gesicht geworfen. Zu guter Letzt wird der bewusstlos neben der Tür liegende Schurke am Hals gepackt und erwürgt. Im Spiel dauert die gerade geschilderte Szene nicht mehr als drei Sekunden und sorgt für ordentlich Adrenalin. Das Ganze spielt sich so, als würde Agent 47 aus Hitman während seiner Aufträge auf Speed sein, mit einem MP3-Player Techno hören und statt auf möglichst wenige Opfer, auf besonders viele Leichen setzen.

Schon nach kurzer Zeit gerate ich in einen Strudel aus Gewalt, treibenden Elektrobeats und grellen Farben. Trotz der Retrografik sind alle Tötungen extrem brutal und blutig. Körperteile werden abgetrennt, Köpfe zerplatzen und Gliedmaßen werden zertrümmert. In jeder Mission ziehe ich eine blutrote Spur durch alle Räume und nach getaner Arbeit muss ich den gesamten Weg bis zum Beginn des Levels noch einmal durch das Leichenmeer waten. So fühle ich mich am Ende jeder Mission irgendwie schmutzig und benutzt, denn ich habe eigentlich keine Ahnung, warum ich gerade 30 Menschen bestialisch niedergemetzelt habe. Zudem bin ich erschöpft, weil ich unzählige Versuche gebraucht habe, um mein fragwürdiges Ziel zu erreichen. Allerdings sorgt das Zusammenspiel aus greller Grafik und pumpender Elektromusik dafür, dass ich wie im Rausch und ohne nachzudenken einfach immer weiter mache. Außerdem wird die anfangs mysteriöse Story immer interessanter und überzeugt mit einigen überraschenden Twists. Hotline Miami schafft es einerseits, dass der Spieler sein sinnloses Töten hinterfragt und sorgt andererseits dafür, dass er nicht anders kann, als immer weiter zu machen. Die meisten Videospiele schaffen nicht einmal eins von beiden.

Rating: ★★★★☆

Preis: 8,49€ (Steam)

Betriebssystem: Windows, Mac OS X, Linux

Homepage / Forum (Steam)

Preis: €7,99 / $9,99

Extras: Cross-Buy

Homepage / Sony Entertainment Network

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