Jul 072013
 

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Das Setting ist bekannt: sechs Personen sitzen um einen Tisch herum, einer von ihnen fungiert als Spielleiter und entführt durch seine lebhafte Erzählweise in fantastische Parallelwelten. Leider bin ich selber noch nie in den Genuss eines Rollenspiel-Abends gekommen, wie er in Knigts of Pen & Paper simuliert wird. Am dichtesten dran waren wohl die Hero Quest bzw. Star Quest-Partien mit meiner Schwester und meinem Cousin, in denen (natürlich) ich als ältester mit den Armeen der Bösen für Angst und Schrecken sorgte. Diese ausgebliebene Erfahrung nagt arg an meiner Nerd-Seele und wird hoffentlich bald nachgeholt.

Even better than the real thing?

Die Magie eines solchen Erlebnisses wird in KOP&P jedoch nur marginal eingefangen. Der Spielleiter interagiert mit den verkleideten Geeks zwar recht lustig, aber strikt nach Skript ohne Einflussmöglichkeiten. Die Komplexität eines echte Pen & Papers ist weit entfernt, das beginnt schon bei der Erstellung der eigenen Party. Die einzelnen Charaktere unterscheiden sich zwar in Aussehen und Bonus, sind aber fest vorgegeben und lassen sich lediglich einer Klasse zuordnen (anfangs sechs, weitere müssen im Spielverlauf erst freigeschaltet werden). Kein erfwürfeln von Werten, kein Benennen, kein komplexes Charakterblatt, kein Nichts.

Immerhin dürfen Raum und Tisch mithilfe von diversen (Einrichtungs-)Gegenständen ganz den eigenen Wünschen angepasst werden. Hier spielen allerdings die optischen Reize weniger eine Rolle, wichtig sind die inneren Werte. Der rote Teppich sorgt für 4% höheres Goldeinkommen, die Steintür regeneriert 2 TP pro Runde. Das geht hin bis zum austauschbaren Spielleiter samt Haustier, Softdrink und Pizza auf dem Tisch liefern zeitlich begrenzte Boni.

Kurze Affäre

All das wird mit der hübschen Pixel-Optik schön in Szene gesetzt, etliche Popkultur-Referenzen erfreuen Auge und Herz. Das eigentliche Rollenspiel ist aber leider sehr simpel gestrickt. Die Quests laufen immer nach dem gleichen Muster ab, mehr als Monster verkloppen ist nicht drin. Und auch die Scharmützel bieten wenig Abwechslung. Lediglich die fünf Standardoptionen stehen zur Verfügung – Angreifen, Magie, Verteidigen, Gegenstand benutzen, Weglaufen – und pro Charakter sorgen knappe vier Fähigkeiten für Übersichtlichkeit. Wer kein Problem mit dieser Art von langweiligen rundenbasierten Kämpfen und ewigem Grinden hat, der wird hier sicher glücklich.

In Anbetracht der Zielgruppe – das Spiel erschien zunächst für iOS – ist das nicht weiter verwunderlich. In kurzen Schüben genossen fällt dieses Manko vielleicht nicht so sehr auf. Was aber auffällt, sind die Micropayments, die auch in der PC-Version weiterhin enthalten sind. Für den Sprung auf den Rechner wurde immerhin der Umfang um einiges erweitert (deswegen das +1 im Titel) und einige Unarten entfernt (wie die Wartezeit beim Schmied). Der Kauf der Ingame-Währung gegen reales Geld ist komplett optional. Ihr erwerbt das volle Spiel für den Kaufpreis, könnt euch aber dennoch Vorteile, besonders früh im Spiel, gegen Bares erkaufen.

Mehr wäre mehr gewesen

Mir mochte KOP&P nicht so viel Spaß bringen, wie die Screenshots vermitteln. Nur wenige Konfrontationen sind wirklich herausfordernd, alle anderen dauern einfach nur ihre Zeit und lassen sich einfach durchklicken. Dafür, dass man 95% der Spielzeit in diesen Konfrontationen verweilt, haben diese einfach zu wenig Spielspaß zu bieten. Zehn Euro für ein derart dünnes Gameplay sind eindeutig zu viel. Ganz zu schweigen von der „Digital Deluxe Edition“ die euch für fünf Credits mehr zwar einen exklusiven Charakter spendiert, aber ansonsten lediglich Ingame-Items und ein paar Goldmünzen für einen einfacheren Start spendiert. Alles Dinge, die auch einfach selbst in den 0815-Kämpfen erarbeitet werden können.

Information
Die einzige wirkliche Gemeinsamkeit mit einem richtigen Pen & Paper ist der zwanzigseitige Würfel (D20), der regelmäßig zum Einsatz kommt. Ob beim Reisen auf der Landkarte, beim Erz abbauen oder wenn der Erfolg des Schmieds ermittelt werden soll. Stets seht ihr eine Anzeige, bei welchen Zahlen alles glatt oder das Unterfangen in die Hose geht.

Rating: ★★★☆☆

Preis: 2,69€

Android-Version: 2.0.1 oder höher

Homepage / Google play

Preis: 2,69€

Kompatibilität: Universell

Homepage / App Store

Preis: 9,99€ / 14,99€ (Steam)

Betriebssystem: Windows, Mac OS X

Homepage / Forum

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