Aug 122013
 

Benutzt Waffengattungen regelmäißg, um die Fähigkeit zu verbessern.Ohne Suche läuft in State of Decay gar nichts.So viel nützliche Dinge, so wenig Platz im Rucksack.Im Kampf Zombiekopf gegen Autotür gewinnt immer die Tür, bis das Auto explodiert...

Wieder einmal ist die Zombie-Apokalypse ausgebrochen. Wie immer wird sich eine Axt geschnappt, wie immer werden Zombieköpfe gespalten und wie immer wird versucht zu überleben. Wir kennen das Zombiegenre mittlerweile auswendig: Unterschlupf suchen, Nahrung einteilen und hoffen, dass der Spuk irgendwann vorbei ist. So ist es im Prinzip auch in State of Decay, nur eines ist hier anders: Man muss nicht nur auf sich selbst aufpassen, sondern auch andere Überlebende umsorgen.

Das böse Z-Wort

In State of Decay führt man eine ganze Gruppe von Menschen durch eine zombieverseuchte Welt. Dreh- und Angelpunkt ist dabei eine Basis, in der sich die Überlebenden vor den Untoten verschanzen. Zu Beginn ist das eine alte Kirche, später kann man auch in andere Orte, wie eine Farm oder eine Villa ziehen. Hier werden die Vorräte aus den Streifzügen gelagert und außerdem können Verwundete versorgt und Essen gekocht werden. Von hier aus starten auch die Missionen, die man meist über Funksprüche erhält. Dabei gibt es Aufgaben, die die Geschichte vorantreiben oder welche, in denen ihr euch Rohstoffe verdient, Zombie-Nester auslöscht oder neue Anhänger gewinnt. Zwar beginnt das Spiel mit nur einem spielbaren Charakter, im weiteren Verlauf des Spiels kann man aber im Prinzip in jede andere Person aus der eigenen Gemeinde schlüpfen, so sie einem freundlich gesonnen ist. Ich persönlich hatte allerdings immer zwei bis drei Favoriten unter den Überlebenden, sodass ich nur dann gewechselt habe, wenn meine Lieblinge gerade verletzt oder erschöpft waren.

Maya hat schon von Beginn an ziemlich gute Werte.

Bevor ihr euch mit einer Spielfigur in die relativ große Spielwelt stürzt, rüstet ihr euch am Vorratsschrank mit Waffen, Munition und Medizin aus, sofern er denn vorher auch gefüllt wurde. Per Fuß oder Automobil geht es durch kleine Siedlungen, Farmen, vorbei an Wälder, Felder und auch ein größeres Stadtgebiet gibt es zu erkunden. Leider ist euer Charakter meist allein unterwegs, denn nur bei manchen Aufträgen bekommt man KI-Kollegen an die Seite gestellt. Ich hätte mich gefreut, wenn man wenigstens einen Partner aus seiner Gruppe als Unterstützung mitnehmen könnte, denn man schlittert sehr oft in lebensbedrohliche Situationen. Manchmal sind schon kleine Gruppen von Zombies eine große Gefahr. Jeder Schlag, Stich und Hieb kostet Ausdauer und ist man einmal erschöpft, sind die Nahkampfattacken schwach und auch die schnelle Flucht durch einen Sprint ist nicht mehr möglich. Kann man den Baseballschläger oder die Gartenhacke nicht mehr schwingen und setzt im Notfall seine Schusswaffen ein, dann lockt der Lärm möglicherweise noch mehr Zombies an. Lebensgefahr heißt hier L e b e n s g e f a h r, denn wird euer Charakter getötet, dann werdet ihr ihn nie wieder sehen. Es gibt keine Rückkehr an einen Speicherpunkt und keine Wiederbelebung. Wer einmal stirbt, der kommt nicht wieder zurück, außer vielleicht als Zombie…

Ein seltener Anblick: ein Untoter allein auf weiter Flur.

Massively Singleplayer Offline

Auch wenn man nach dem Ableben auf andere Figuren aus dem Basislager zurückgreifen kann, tut jeder Verlust weh. Nicht nur die Gegenstände die man bei sich trug sind weg, sondern auch all die Erfahrung. Jeder Charakter lernt nämlich bei all seinem Tun und Handeln dazu. Rennt er eine Weile, wird seine Fitness besser; schießt er ein paar Zombies ab, schießt er genauer und so weiter. Zudem haben manche Charaktere spezielle Fähigkeiten, wie Führungskraft, Kochen und Chemie, die euch das Leben im Lager leichter machen. Zwar wachsen euch die Charaktere nicht unbedingt emotional ans Herz – das gibt die Geschichte einfach nicht her – jedoch hat zumindest mir jeder Tod aufgrund des Verlusts an starken und erfahrenen Charakteren geschmerzt. Apropos Story: hier dürft ihr nicht zu viel erwarten oder besser gesagt: gar nichts. Vielleicht hat Telltales The Walking Dead die Messlatte zu hoch gelegt, ich finde aber State of Decay ist nicht sehr einfallsreich.

Meist bestehen die Missionen darin, irgendjemanden oder irgendetwas zu holen. Bei der Erledigung der Aufgaben wird man meist von Zombies überrascht, wenn die Aufgabe nicht sowieso ist, Zombies zu töten. Zugegebenermaßen störte mich das beim Spielen nicht wirklich, denn am Ende fast jeder Mission kommt man mit etwas Neuem nach Hause, seien es ein paar Medikamente, Nahrung, Waffen, Erfahrungspunkte oder sogar neue Mitglieder für die Gruppe. Irgendwie erinnert mich State of Decay da fast schon an ein MMORPG: relativ flache, repetitive Missionen in einer offenen Welt, der man sich nicht entziehen kann und immer weiter Charaktere aufbaut und Gegenstände sammelt. Tatsächlich ist die Vorstellung, dass man sich die Welt mit anderen Online-Spielern teilen kann nicht abwegig und sehr verlockend. Mit menschlichen Spielern durch die Gegend ziehen oder mit anderen Gemeinden handeln wäre wirklich toll, leider hat der Entwickler dem schon eine Absage erteilt.

Die Realität sieht meist so aus: zu viele Zombies, zu wenig Ausdauer.

Hirnloses Spiel?

State of Decay ist ein weiteres Spiel mit Untoten, Überlebenden und viel Blut. Doch so einfallslos wie es auf dem ersten Blick erscheint ist es keinesfalls. Zwar verbringt man die meiste Zeit damit, entweder Zombies zu töten oder vor ihnen zu fliehen, allerdings gibt es zwischendurch immer wieder Momente, die State of Decay zu etwas Besonderem machen. Ich würde fast schon so weit gehen, dass es dem The Walking Dead-Franchise angehören könnte, denn nicht selten fühlte ich mich an den Comic oder die Fernsehserie erinnert. Allein der erste Umzug: die Kirche in der ich und meine Mitmenschen uns verschanzt hatten wurde zu klein, also suchte man nach einer neuen Bleibe. Die vorgeschlagene Villa im dicht bebauten Stadtviertel war mir zu eingeengt und unübersichtlich, also suchte ich auf eigene Faust weiter. Als mir dann das Spiel die Möglichkeit gab in ein altes Farmgebäude zu ziehen, fühlte ich mich tatsächlich wie ein Anführer, der gerade eine wichtige und weitreichende Entscheidung für die Gruppe getroffen hat. Aber auch manch kleine Augenblicke ließen mich, von dem etwas trockenem Missionsdesign und dem etwas spröden Gameplay absehen. Etwa wenn ich entscheiden musste, was mit einem gebissenem Überlebenden passiert. Ignorieren?! Erschießen?! Verbannen?! Oder wenn ich eine mächtige Schrotflinte fand! Oder auch, wenn ich Baumaterialien entdeckte und entscheiden musste, was nun damit angestellt wird. Baut man eine Werkstatt oder einen Garten? Autos und Waffen reparieren können oder nicht mehr auf gefährliche Nahrungssuche in der lebensgefährlichen Umgebung angewiesen sein?

Der letzte freie Baubplatz will sinnvoll bestückt werden.

State of Decay hebt sich mit einigen Besonderheiten von der Konkurrenz ab, macht aber leider bei ein paar Standards störende Fehler. So toll die Entscheidungsfreiheit und der Survival-Aspekt mit konsequentem Tod sind, so durchschnittlich ist es an anderer Stelle. Beim Kämpfen mit Nahkampfwaffen hämmert man meist so lange auf die Tasten, bis die Ausdauer weg ist und bei Schusswechseln freut man sich, wenn man einen gezielten Kopfschuss erreicht. Sehr störend empfand ich außerdem sich wiederholende Missionen und einen repetitiven Spielablauf. Die meiste Zeit verbringt man am Ende dann doch mit monotonen Autofahrten, langen Laufwegen und Zombies. Zuletzt empfand ich die Bewohner der Gemeinde als verschenktes Potenzial. Entweder sind sie aufgrund von Permadeath einfach ein weiteres Spielerleben oder nur hungrige Mäuler, die Lebensmittel und andere Rohstoffe verbrauchen. Zwar können sie Außenposten besetzen und vom Spieler gefundene Objekte abholen (was sie übrigens ausschließlich zu Fuß erledigen, selbst wenn vor der Tür drei Autos stehen und der Ort 20 Kilometer entfernt ist), als ständige KI-Begleiter oder selbstständige Rohstoffsucher wären sie jedoch viel sinn- und wertvoller. So ist State of Decay am Ende des Jüngsten Gerichts ein weiteres Zombiespiel im durchschnittlichen Gewand eines Survival-Horror-Adventures, das sich durch viele besondere Kleinigkeiten und einigen eigenständigen Ideen von der großen untoten Spielemasse abhebt.

Rating: ★★★½☆

Preis: 1.600 Microsoft Points (zum Marktplatz)

Unlockables: Avatar Auszeichnungen (3), Spielerbilder

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