Sep 022013
 

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Anton Jakob Zellner ist Polizist. Auf seiner alten Wache war er quasi arbeitslos. Er darf keine Plombenzieher naschen und braucht Strophanthin gegen seine Herzprobleme. Zellner ist zu Beginn kein Held, und er war auch nie einer.

Aller Anfang ist lahm

Die erste Episode von The Raven beginnt langsam. Sehr langsam. Sogar für ein klassisches Adventure. Im Londoner Museum wurde ein wertvolles Relikt – das Auge der Sphinx – gestohlen. Alles weist darauf hin, dass der Täter „Der Rabe“ ist. Nur sollte es diesen eigentlich nicht mehr geben: Der französische Inspektor Legrand hat ihn persönlich ausgeschalten – so glaubt er und die gesamte Welt es zumindest. Um den Raben endgültig zu stoppen, stellt Legrand ihm eine Falle. Ein ebenso wertvolles Replikat des Auges soll in Kairo ausgestellt werden, wird vorher aber noch durch ganz Europa transportiert. Wachtmeister Zellner erhält anfangs nur den Auftrag, den Transport bis zur Überführung auf einen alten Dampfer zu überwachen, doch ungefragt und zum Ärger von Legrand mischt er sich in die Ermittlungen ein und begleitet den Diamanten erst auf der Schiene und dann auf hoher See.

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Alternder Hauptcharakter

Schnell fragt man sich, wieso uns KING Art als Hauptcharakter den – mit Verlaub – eher langweiligen Zellner vorsetzt und nicht den dynamischen Legrand. Zwar bleibt diese Frage unbeantwortet, wie aus dem bodenständigen Schweizer bereits im Laufe der ersten Episode mehr als einmal, eher unfreiwillig, ein Held wird, lässt einem aber das Herz aufgehen. Man sieht dem Spiel die Liebe, die in ihm steckt, an vielen Stellen an: Zwar ist die Grafik nur Mittelmaß und das Spielerlebnis wird teils durch kleine Mängel unnötig verkompliziert (so müssen viele Gegenstände zweimal hintereinander untersucht werden), aber besonders die Dialoge sind interessant und häufig humorvoll.

Die Story erinnert sehr stark an einen Agatha Christie-Roman, einen Seitenhieb verkniffen sich die Entwickler nicht: Der Charakter der Larissa Westmacott wird von Kommissar Zellner verehrt, die Autorin mehrerer fiktiver Kriminalromane gibt mehr als einmal erheiternde und überraschend selbstreflektierende Kommentare zum Ermittlungsstand.

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Guter Auftakt, bessere Fortsetzung

Die zweite Episode spielt sich zuerst nur im Museum von Kairo ab. Ganz im Gegensatz zur ersten Episode nimmt die Story deutlich an Fahrt auf und die Rätseldichte nimmt erheblich zu. Besonders die Kombinationsrätsel sind sehr schlüssig, die größte Kopfnuss stellt der Zugang einer Geheimtür dar, da hilft nur absuchen – oder raten. Zum eigentlichen Showdown kommt es genau in der Mitte der Episode, danach bedient sich der Entwickler eines Kniffes: Einen Teil der Haupthandlung darf man danach noch einmal durchspielen, allerdings mit einem anderen Charakter. Dies sorgt einerseits für die Auflösung einiger Fragen, die man sich im Laufe der ersten Episode stellt, andererseits gehen diese Passagen durch die schon bekannten Lokalitäten schneller von der Hand. Wer in der ersten Episode gut aufgepasst hat, weiß bereits, was man zu tun hat. So spielt sich Wiege der Täuschung wesentlich schneller und merzt damit die Kritikpunkte des ersten Teils weitestgehend aus. So ist The Raven nicht nur für Adventure-Fans ein ehrliches, wenn auch nicht perfektes Spielerlebnis.

Bleibt abzuwarten, wie KING Art die Handlungsfäden in der letzten Episode, welche Ende September erscheint, sinnvoll zusammenknüpft.

Rating: ★★★★½

Offizielles Forum

Preis: 24,99€ (Steam)

Betriebssystem: Windows, Mac OS X, Linux

Homepage / Forum (Steam)

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