Okt 242013
 

Was macht man als Archäologe, wenn man bei Ausgrabungen in Mexiko in ein 20 Meter tiefes Loch fällt? Man würde wohl sterben. Falls man so einen Sturz jedoch überlebt, wie in The Ball, und die Kollegen schon Hilfe holen sind, dann würde ich mich in eine Ecke setzen und warten. Da mich aber nach 18 Stunden Spielzeit und ausharren am Ausgangspunkt immer noch keine Hilfskräfte herausholten, musste ich mich bewegen.

Mein Freund der Ball

Bereits nach wenigen Metern stolpert man über eine Waffe bzw. viel mehr ein Gerät, mit dem man zunächst wenig anstellen kann. Dann taucht jedoch eine mannsgroße Kugel bzw. der titelgebende metallische Ball auf, der mithilfe des Geräts umhergestoßen und angezogen werden kann. Ziemlich schnell wird deutlich, wofür der runde Begleiter gebraucht wird, nämlich um rissige Wände einzureißen und Schalter zu aktivieren. Also läuft man, ähnlich wie in Portal, von Raum zu Raum und löst kleine Rätsel. Die Areale werden jedoch immer größer, verzweigter und somit auch die Knobeleien komplizierter. Zwar bleibt es die größte Zeit über bei Schalterrätseln, es kommen jedoch immer mehr Elemente wie Wasser, Aufzüge und sogar Loren hinzu, wobei es später auch noch Feuer und Stachelfallen immer schwerer machen eine ruhige Kugel zu schieben.

„Nun gut“, dachte sich wohl der Archäologe, „wenn man schon hier unten ist, kann man ruhig ein bisschen knobeln und nebenbei was über die ausgestorbene Kultur lernen.“ Doch jedes Archäologiestudium hätte mich nicht davor bewahrt kreischend zusammenzubrechen, wenn plötzlich ein paar modrige Mumien auf mich zu rennen. In The Ball zeigt man jedoch keine Angst, auch wenn man nur an Hacke und Pinsel und nicht an Machete und Pumpgun ausgebildet wurde, denn der Ball ist ja da. Mit ihm werden die Gegner einfach überrollt und im wahrsten Sinne des Wortes unter Druck gesetzt. Die Gefechte sind meist etwas hektisch, weil der Ball sich zwar physikalisch korrekt bewegt aber manchmal auch nicht dort landet, wo er soll. Man schießt sozusagen indirekt auf die Feinde und muss oft flüchten, bis das große, runde Projektil wieder „angesaugt“ wurde und zum Abschuss bereit ist. Das ist aber keinesfalls negativ zu verstehen, da dadurch jeder Kampf sehr bedrohlich ist und somit schön im Kontrast zum sonst eher ruhigen Rätsel lösen steht.

Ich glaub ich geb‘ mir die Kugel

Die Knobelei ist allerdings nicht nur locker, sondern wird auch ziemlich schnell repetitiv und öde. Das liegt vor allem daran, dass die Architektur der Level und der „Rätselräume“ sehr konstruiert wirkt und man nicht das Gefühl hat, wirklich in alten Tempeln und Höhlen einer alten Kultur unterwegs zu sein. Die Laborkomplexe vom bereits angesprochenen Portal sind beispielsweise sehr viel „organischer“ und es herrschte eine geheimnisvolle Stimmung, die The Ball leider komplett fehlt. Nach ein paar Stunden hatte ich keine Lust mehr Klötze zu verschieben, Schalter zu drücken und faulenden Mumien meine Kugel um die Ohren zu schießen. Und so ließ ich den Archäologen einfach zurück. Ein kleines bisschen quält mich ein schlechtes Gewissen, weil in der Ferne grausige Schreie zu hören waren. Nun sitzt er da, am „Ball“ angelehnt in einer Ecke und vielleicht holen ihn seine Leute da noch raus. Meine Idee war ja gleich am Anfang zu warten …

Rating: ★★½☆☆

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