Jan 142014
 

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Ja, ich gebe es zu, ich mag Minecraft nicht besonders. Es gibt für mich einfach kein Ziel, keine Aufgabe, keinen Sinn, das mich zum Spielen ermutigt. Auch die Möglichkeiten, die komplette Welt von Game of Thrones nachzubauen, ein tausendteiliges Let’s Play aufzunehmen oder neununddrölfzig Mods zu installieren können mich nicht motivieren, das Spiel länger als zwanzig Minuten zu spielen. Es ist alles so groß, voller Möglichkeiten und fühlt sich doch gleichzeitig so substanzlos und unendlich leer an. Als ich die ersten Bilder und Videos von Terraria sah, schien ich die für mich bessere Minecraft-Version gefunden zu haben. Im Prinzip schien es „nur“ eine 2D-Version zu sein, auf mich wirkte es daher aber liebevoller, detaillierter und nicht so überwältigend groß.

Schaufeln, Buddeln, Graben

Auch bei Terraria starte ich an der Oberfläche einer zufällig generierten Welt. Die Sonne scheint, Bäume ragen in den Himmel und kleine Häschen hüpfen durch das Gras. Anders als in Minecraft stehe ich zu Beginn jedoch nicht allein auf weiter Flur, sondern bekomme Kyle an die Seite gestellt. Kyle soll mir helfen aber er ist ein richtiger Besserwisser – er sagt zwar, wie man in der Welt von Terraria vorankommt und gibt nützliche Tipps, selbst arbeiten will er aber nicht und rührt keinen Finger. Dafür läuft er den ganzen Tag von rechts nach links und von links nach rechts oder guckt einfach in die Ferne. Kyle schlägt für den Anfang vor, Bäume zu fällen, Holz zu sammeln und damit einen kleinen Unterschlupf zu bauen, denn Nachts kommen böse Monster. Die Bäume sind „ruckzuck“ gefällt, der kleine Verschlag aus Holz schnell gebaut und mit dem übrigen Holz kann sogar noch eine Werkbank, ein Tisch und ein Stuhl gebaut werden. Mit dem Schleim, den ich ein paar Glibberviechern abgenommen habe, die mich beim Holzfällen stören wollten, kann ich sogar schon Fackeln in die Bude hängen und habe somit auch Licht für die Nacht. So steht schnell die erste Hütte bei Terraria und sie scheint auch gleich sehr gelungen zu sein, denn sofort zieht Kyle bei mir ein.

Als es Dunkel wird kommen dann tatsächlich ein paar Zombies und Skelette vorbei. Diese haben gegen Holztüren jedoch prinzipiell keine Chance und so kann man relativ entspannt die erste Nacht im eigenen Haus genießen. Wem das nicht gefällt, der kann sich auch das Holzschwert schnappen und die Kreaturen mit ein paar Hieben vom Grundstück scheuchen. Wenn es wieder hell wird, geht es ab unter die Erde, denn nur da findet man die Rohstoffe, die nötig sind, um die kompletten Möglichkeiten von Terraria auszuschöpfen. Mit der Spitzhacke wird gehackt, bis ein natürlicher Schacht entdeckt wird. In diesem lungern zwar auch einige Kreaturen wie Fledermäuse, Riesenwürmer und Glibbermonster herum, anderseits sind sie die einzige Möglichkeit um an wichtige Materialien und Gegenstände zu kommen. Und tatsächlich entdecke ich schon nach ein paar Metern unter der Erde kleine Kupfer- und Eisenadern, an denen ich mich sofort zu schaffen mache. Mit ein paar Brocken im Rucksack geht es zurück an die Oberfläche, in meine Hütte und ran an den Schmelzofen, denn ich mir aus ein paar Steinen gezimmert habe. Aus den fertigen Barren mache ich an meiner Werkbank Teile für die Rüstung – ein Paar Kupferstiefel und einen Eisenhelm – und kann mich nun noch weiter unter die Erde wagen.

Different but same

Und schon jetzt beginnt Terraria in die gleichen Muster zu verfallen, die ich an Minecraft so abstoßend finde. Man gräbt nach Rohstoffen um sich aus diesen Werkzeuge zu bauen, mit denen man schneller nach Rohstoffen graben kann, aus denen man sich Waffen und Rüstungen baut, mit denen man sich weiter in Gebiete wagen kann, in denen man Rohstoffe findet aus denen man sich Werkzeuge bauen kann, mit denen man… und so weiter und so fort. Ich will aber so schnell noch nicht aufgeben und mache weiter wie bisher. Und tatsächlich schafft es Terraria zwischenzeitlich, dass so etwas wie Spielspaß aufkommt. Vor allem kleine Metroidvania-Elemente lockern die monotone Bergarbeitertätigkeit auf und können mich zum Weiterhacken motivieren. So gibt es Kisten, in denen es besondere Tränke, Waffen und Rohstoffe gibt, Herzcontainer, die die Lebensleiste vergrößern und neue Rüstungsteile, die meine Statuswerte verbessern. Mittlerweile ist sogar eine Krankenschwester in mein kleines Dorf gezogen, dass nun aus zwei Häusern besteht.

Und doch habe ich immer noch kein Ziel. Ich bin nicht der Held, der die Welt vorm Untergang bewahren muss, in dem er den Teufel erschlägt, der unter der Erde finstere Pläne schmiedet. Ich bin auch nicht die letzte Hoffnung der Menschheit, die die Aufgabe bekommen hat, eine neue Zivilisation aufzubauen. Es gibt für mich auch keine Prinzessin zu befreien, keine Verschwörung aufzudecken und selbst wenn ich riesige Burgen bauen würde, könnte ich damit an keinem Wettbewerb teilnehmen (außer vielleicht auf Youtube). Also kann ich nur weitergraben und hoffen, dass etwas passiert.

Terraria Inc.

Doch mir wird klar, dass ich mich hier einfach nicht wohlfühle. Terraria scheint ein unmenschlicher Großkonzern zu sein. Eine Firma an deren Spitze ein als Helfer verkleideter Typ namens Kyle steht. Jemand, der Kommandos in Hinweise verpackt und einen Betrieb führt, der keine Vision hat. Hier wird nichts hergestellt, nichts erforscht und für nichts gekämpft. Das einzige Ziel scheint die Optimierung einer sinnlosen Arbeit zu sein. Ich, der Arbeiter, soll immer schneller nach Edelmetallen hacken, effektiver Monster töten und immer längere Arbeitswege zurücklegen, ohne dass ich damit je irgendetwas erreiche. Wahrscheinlich ist Kyle ein Sadist. Vielleicht ist das Ganze auch eine göttliche Strafe, die mein virtuelles Ich, ähnlich wie Prometheus, in einer Dauerschleife erleiden muss. Möglicherweise ist Terraria auch moderne Kapitalismuskritik, die verdeutlicht, dass der Mensch für nichts und wieder nichts schuften muss. Andererseits regt das Ganze nicht zum Nachdenken an, macht keinen Spaß und langweilt einfach nur. Wer durch seinen Beruf nicht ausgefüllt wird, kann mit Terraria jetzt auch in seiner Freizeit arbeiten. Ich kann es mir zwar schwer vorstellen, aber auch Minecraft und der Landwirtschaftssimulator sollen sich nicht schlecht verkauft haben.

Rating: ★★½☆☆

Offizielles Forum

Preis: 4,49€

Kompatibilität: Universell

Homepage / App Store

Preis: 9,99€ (Steam)

Betriebssystem: Windows

Homepage / Forum (Steam)

Preis: 14,99€ / $14,99

Extras: keine

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Preis: 1.200 Microsoft Points (zum Marktplatz)

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