Jul 062014
 

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Meine Karriere als Geisterjäger begann bereits in den Achtzigern auf dem C-64. Nicht nur die gesampelte Titelmusik ließ mich immer wieder zurückkehren, das Spiel war auch voll OK. Erst viele Jahre später sollte ich mir wieder den Proton Pack überziehen und zum ersten mal das Gefühl haben, ein vollwertiges Mitglied der Ghostbusters zu sein. An die letzte Auskopplung für Konsolen möchte ich dagegen noch nicht einmal mehr denken.

Da GhostControl Inc. natürlich kein offizielles Lizenzprodukt ist, findet ihr lediglich Anspielungen und optische Annäherungen an das große Vorbild. Dem echten Fan reicht das aber schon aus, um sich wieder „wie zu Hause“ zu fühlen. Der Pixel-Charme trägt dazu nicht unwesentlich bei. Versprochen werden taktische Kämpfe im Stil von XCOM und eine Wirtschafts-Simulation. Das hört sich großartig an und ist genau nach meinem Geschmack!

Bustin‘ makes me feel good!

Denn wer wollte nicht schon immer mal seine eigene Geisterjäger-Firma aufmachen und managen? Genau das tun wir in GhostControl Inc. Personal anheuern, auf panische Anrufe aus der Bevölkerung reagieren, Geister fangen und Prämien kassieren, die Basis ausbauen und Ausrüstung verbessern. Das ist das Grundgerüst des Spiels und das sollte, könnte, müsste doch eigentlich für ein echt tolles Spiel ausreichen?

Niemand wäre glücklicher, wenn dem so wäre, als ich. Ihr merkt, der Konjunktiv findet hier viel Verwendung. Denn leider wurde hier viel geschlampt. Das beginnt schon bei der grauseligen Benutzerführung. Ich bin ein großer Freund der pixeligen Darstellung, aber bei dieser Präsentation möchte ich am liebsten laut schreien. Der Stil des Hauptmenüs ist völlig losgelöst vom Rest des Spiels; alle Symbole, Menüs und Fenster sehen einfach hässlich aus (weil die Skalierung kacke ist) und auch bei der Bedienung fühlen sich Programme für Windows 3.11 fortschrittlicher an.

Seht auf keinen Fall in die Falle!

Das wär‘ ja vielleicht alles nicht so schlimm, wenn wenigstens das Spiel toll wäre. Die durchschnittlichen fünf Minuten sehen so aus: Mission annehmen, auf der Karte Ziel anklicken, Level abschließen und dann das Dreigestirn absolvieren – tanken, heilen, Fallen in der Basis abliefern. Dieser Kreislauf wiederholt sich ohne Unterlass, bis genug Geld in der Kasse ist, um ein anderes Auto oder neues Equipment zu kaufen. Im Hauptquartier darf dann auch geforscht werden und die Fähigkeiten der Angestellten lassen sich verbessern.

Soweit hört sich das eigentlich nicht weiter schlimm und wie ein 1:1-Kopie von XCOM an, der große Unterschied ist zum einen die Atmosphäre, zum anderen die Benutzerführung und schließlich die Qualität des Herzstück des Spiels: die taktischen Scharmützel. Während diese gegen die Aliens wirklich einiges an Taktik vom Spieler verlangen und unglaublich spannend sein können, sind sie gegen Geister uninspiriert, kaum taktisch und einfach nur fad‘.

ICH HABE DIREKT IN DIE FALLE GESEHEN!

Es gibt tatsächlich eigene Knöpfe für „Tür öffnen“ und „Licht anschalten“ (Geister schalten es ernsthaft regelmäßig wieder aus), viel mehr Tiefgang wird hier nicht geboten. Mit einigen Waffen muss ein Mindestabstand eingehalten werden und andere ziehen Geister an oder stoßen sie ab, das wirkt sich aber kaum merklich auf den immer gleichen Ablauf ab. Man benutzt seine zwei Aktionspunkte pro Charakter zum laufen, schießen oder Fallen ablegen/aufheben. Rücken einem die Geister auf die Pelle, verlieren die Geisterjäger den Verstand und laufen irgendwann weg, ohne dass man etwas dagegen unternehmen könnte. Eine Mission nicht abzuschließen hat auch keinen nennenswerten Negativeffekt zur Folge (kein Einkommen). Einfach heilen, tanken und die nächste Mission angehen.

Für kurze Zeit mag der Aspekt des Geld verdienens, gepaart mit dem Verlangen nach neuer Ausrüstung für genügend Motivation sorgen und sogar oberflächlich Freude bereiten, vor allem in Anbetracht des in diesem Genre recht unverbrauchten Settings. Aber bei mir war schon nach kurzer Zeit die Luft raus. Das finde ich wirklich traurig, denn die guten Ansätze sind ja da, die isometrischen Areale hübsch gezeichnet und das ganze Spielprinzip ist genau nach meinem Geschmack. Eigentlich. Im Falle von GhostControl Inc. wird versucht ein Klassiker zu immitieren, was nicht gelingt. Man hätte ihn vielleicht einfach nur (gut) kopieren sollen.

Rating: ★★½☆☆

Preis: 13,99€ (Steam)

Betriebssystem: Windows, Mac OS X, Linux

Homepage / Forum (Steam)

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